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Auszüge aus:


Die Liebesblödigkeit (Wilhelm Genazino)
Hautnah erlebt (Brigitte Lang)

Geh wohin Dein Herz Dich trägt  (Susanna Tamaro)
Der Liebesbrief 
(Cathleen Schine)
Olympia  (Anita Shreve)
& ein Hauch von Ewigkeit 
(Leon Armani)
Demian 
(Hermann Hesse)
Die Würde  (Immanuel Kant)
Über die Liebe  (Hermann Hesse)
Herzsprung  (Ildikó von Kürthy)
Delphine  (Hans Kruppa)
Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte  (Paulo Coelho)
Solange Du da bist 
(Marc Levy)
Elf Minuten  (Paulo Coelho)
Wer liebt, dem wachsen Flügel  (Gabriel Barylli)
Kafka am Strand  (Haruki Murakami)
Wie ein einziger Tag  (Nicholas Sparks)
Nur mit Dir  (Nicholas Sparks)
Die Vertreibung aus der Hölle 
(Robert Menasse)
Die Brücken am Fluß  (Robert J. Waller)
Der Dämon und Fräulein Prym  (Paulo Coelho)
Veronika beschließt zu sterben  (Paulo Coelho)
Der Alchimist
  (Paulo Coelho)
Bekenntnisse eines Suchenden  (Paulo Coelho)
Was der Seele gut tut  (Johannes Pausch & Gert Böhm)
Der Zahir (Paulo Coelho)
Metamorphosen
(Ovid)


 






Geh wohin Dein Herz Dich trägt
(Susanna Tamaro)



... und wenn sich dann viele verschiedene Wege vor Dir auftun werden, und Du nicht weißt, welchen Du einschlagen sollst, dann überlasse es nicht dem Zufall, sondern setze Dich und warte. Atme so tief und vertrauensvoll, wie Du an dem Tag geatmet hast, als Du auf die Welt kamst, lass Dich von nichts ablenken, warte, warte noch. Lausche still und schweigend auf Dein Herz. Wenn es dann zu Dir spricht, steh auf und geh, wohin es Dich trägt ...








Der Liebesbrief
(Cathleen Schine)


Liebes Schaf,

Wie verliebt man sich? Verirrt man sich? Verliert man das Gleichgewicht und stolpert und fällt hin, schürft sich das Knie auf und das Herz? Knallt man auf den steinigen Boden? Gibt es einen Abgrund, in den man versinkt, über die Kante und weg, auf Nimmerwiedersehen?

Ich weiß, dass ich verliebt bin, wenn ich Dich sehe, ich weiß es, wenn ich mich danach sehne, Dich zu sehen. Nicht ein Muskel hat sich bewegt. Laub hängt, von keiner Brise gezaust. Die Luft ist still. Ich habe mich verliebt, ohne einen einzigen Schritt zu tun. Wann ist es passiert? Ich habe nicht einmal mit der Wimper gezuckt.

Ich brenne. Klingt Dir das zu abgedroschen? Das ist es gar nicht, weißt Du. Du wirst schon sehen. Es ist das, was passiert. Es ist das, was zählt. Ich brenne.

Ich esse nicht mehr, ich vergesse zu essen. Nahrungsmittel wirken albern auf mich, belanglos. Wenn ich sie überhaupt bemerke. Aber ich bemerke nichts. Meine Gedanken drängen und wüten, ein Haus voller Brüder, blutsverwandt und in Blutfehden verstrickt:

Ich bin verliebt.
Typisch dämliche Entscheidung
.

Trotzdem bin ich's, ich bin von Liebe gepeinigt, als wäre sie Schmerz.

Nur zu. Versau Dir Dein leben. Es ist absolut falsch, und du weißt es. Wach auf. Sieh den Tatsachen ins Gesicht.

Es gibt nur ein Gesicht, es ist alles, was ich sehe, im Wachen wie im Schlaf.

Letzte Nacht habe ich das Buch aus dem Fenster geworfen. Ich habe versucht zu vergessen. Du bist nicht das Richtige für mich, das weiß ich, aber ich gebe nichts mehr auf meine Gedanken, solange es keine Gedanken an Dich sind. Wenn ich in Deiner Nähe bin, in Deiner Gegenwart, fühle ich, wie Dein Haar meine Wange berührt, auch wenn es sie gar nicht berührt. Manchmal wende ich die Augen von Dir ab. Dann schaue ich wieder hin.

Wenn ich mir die Schuhe zubinde, wenn ich eine Apfelsine schäle, wenn ich in meinem Auto fahre, wenn ich mich jede Nacht ohne Dich schlafen lege, verbleibe ich,

                      für immer,
                              Bock


 



Olympia
(Anita Shreve)

 

 

Zu diesem Buch: Fortune's Rocks, 1899: Ein luxuriöses Sommerhaus an der herben Küste Neuenglands ist der Schauplatz dieses Dramas einer besessenen Leidenschaft. Olympia, behütete Tochter eines wohlhabenden Verlegers, ein Mädchen von ungewöhnlicher Intelligenz, Reife und Schönheit, erlebt die Liebe wie ein Naturereignis, als ein Freund ihres Vaters zu Besuch kommt. John Haskell ist nicht nur ein bekannter Arzt und engeagierter Kämpfer gegen soziale Missstände in den nahe gelegenen Textilfabriken – er ist auch verheiratet und Vater dreier Kinder. Doch das Wissen um ihr moralisches Unrecht hindert die beiden nicht daran, in einen Strudel großer Gefühle abzutauchen, deren Folgen unabsehbar werden. Eleganz, Erotik und psychologische Finesse prägen dieses Porträt einer mutigen jungen Frau und ihrer Zeit.

 

Auszug:

"Alle Liebenden suchen die Illusion des Einsseins", antwortete er.
"Aber Du hast Recht. Eine Liebesbeziehung spielt sich größtenteils im Kopf ab."
 

"Wirklich?" 

"Natürlich sind da immer die Zeiten, in denen wir zusammen sind", sagt er. "Wo wir unserer Liebe zueinander Ausdruck geben. Aber ist es nicht so, dass diese Episoden nur dem wahren unersättlichen Liebenden in uns, dem Geist nämlich, der ein eigenständiges Geschöpf ist, zur Nahrung dienen? So dass also die Liebe nicht einfach die Summe zärtlicher Begrüßungen und schmerzhafter Abschiede, von Küssen und Umarmungen ist, sondern zum größten Teil das Produkt der ERINNERUNG an das, was war und der VORSTELLUNG von dem, was sein wird."

"Aber wenn das zuträfe", gibt sie zu bedenken, "dann wäre ja die körperliche  Nähe gar nicht nötig. Dann könnten wir sie uns einfach in unserer Phantasie ausmalen und fertig. Und brauchten uns nicht darum zu sorgen, ertappt zu werden oder anderen weh zu tun."

"Hm", meint er, "die Phantasie braucht Nahrung. Sie braucht einen Boden für ihre Bilder und Erinnerungen. Weißt du, anfangs habe ich mich jedes Mal, wenn wir uns trafen, darüber gewundert, dass wir nicht genau dort wieder begonnen haben, wo wir aufgehört hatten, sondern immer schon eine Stufe weiter zu sein schienen. Der Geist ist unglaublich ungeduldig. Er kann sich in einem AUGENBLICK alle Einzelheiten einer Liebesbeziehung vorstellen."








& ein Hauch von Ewigkeit
(Leon Armani)

Mein Leben war durch die Berührung mit der Ewigkeit ohnehin aufgerüttelt und in Unordnung geraten – ich wusste nicht, ob meine Gefühle ein derartiges Buch würden verkraften können. Lange hielt ich das Buch ungeöffnet in der Hand und versuchte Kraft zu sammeln, es zu öffnen.

Leon, mach dir keine Sorgen um das Morgen – es wird alles wieder ins Lot kommen. Es tut mir leid, dass ich Dein Leben so sehr aufgewühlt habe.

 

Bereit für das große Geheimnis?

In jenem Moment, als das Auto gegen den Baum schlug, wurde es plötzlich vollkommen dunkel um mich. Ich hörte Glas splittern, Stahl gegen Stahl krachen, Dampf aus dem zerborstenen Kühler zischen. Wahrscheinlich wurde das dumpfe Trommeln durch herunterfallende Äste verursacht. Vielleicht verlor so mancher Vogel sein Zuhause, als der Ast unter seinem Nest wegbrach – dieser Gedanke löste eine tiefe Traurigkeit in mir aus. 

Ich fühlte meinen Körper nicht, konnte weder Hände noch Beine bewegen, und was ich noch nicht fühlen konnte, war Schmerz. Dieses Tempo und der Baum mussten dem Fahrzeug alles abverlangt haben – es musste einfach den kürzeren ziehen. Und mein Körper: Wenn so viel Blech und Stahl aufgeben müssen, da kann auch kein menschlicher Körper den Naturgesetzen trotzen. Aber ich spürte nichts, nur eine eisige Kälte und diese undurchdringliche Dunkelheit.

Plötzlich glaubte ich, leise Musik zu hören, wie ein Streichorchester, aber ganz, ganz weit entfernt. Ich liebte Geigenmusik über alles. Mit einer Geige konnte man jedes Gefühl, traurig oder fröhlich, in Schwingung bringen – es muss ein göttliches Instrument sein.
Die Angst und das beklemmende Gefühl begannen zu schwinden und einer Leere zu weichen, die mich frei machte für etwas, vor dem ich große Ehrfurcht verspürte: Dem Hauch von Ewigkeit.

Ich versuchte, der Musik zu folgen, eine Melodie auszumachen oder die Stimmung zu deuten – ich vermochte es nicht, es war zu weit entfernt – aber Trauer konnte ich keine vernehmen.

Die Dunkelheit und Leere kam zurück und verdrängte die Gedanken und Gefühle an Schuld und Sühne. Kann mich niemand aus dieser Dunkelheit herausholen, gibt es keinen Ausweg daraus? Doch wer sollte mich hören, wer mich sehen in dieser Dunkelheit?
Das Gefühl der Kälte verstärkte sich wieder, vielleicht war es auch nicht mehr so dunkel wie vorher.

Mit einem Schlag wurde es hell. Nicht ganz, nur an zwei Stellen. Es schien, als wäre ich in einem langen Raum oder einer Art Tunnel. An einem Ende war ein pulsierendes Leuchten im Rhythmus eines Herzschlages. Ein Licht in vielen Farben.

Die Farben flossen stetig ineinander, nahmen an Intensität zu, um gleich darauf wieder zu verblassen. Bevor jegliche Farbe aus der Helligkeit entfloss, begannen sie wieder an Stärke zu gewinnen.
Es war ein Schauspiel von Farben und Licht, wie ich es niemals auf Erden gesehen hatte.

Von diesem pulsierenden Leuchten schien eine Botschaft auszugehen – ich solle näherkommen, ließ es mich fühlen. Nichts hätte ich lieber getan, aber da war ja noch ein anderes Licht in diesem langen Tunnel.

Es war etwas weiter entfernt und viel schwächer. Kein Farbenspiel, ein gleichmäßiges Licht, man konnte Konturen erkennen.

Es war, jetzt konnte ich es deutlich wahrnehmen,...

... nein, das konnte nicht sein, das war ich.

Ich lag neben meinem Auto - oder das, was von mir übrig war - blutüberströmt und völlig reglos. Ich musste tot sein, denn mein Geist oder meine Seele war ja in dem Tunnel. Ich sah nach dem anderen Ende, nach dem Licht. Es war schwächer, der Rhythmus des Leuchtens etwas langsamer geworden. Fast war ich traurig, mich mit meinem leblosen Körper zu befassen und nicht dem Licht zu folgen.
Doch konnte ich noch zurückkehren in diesen Körper, war es möglich, diese Finsternis zu verlassen und das Locken des Lichtes aufzugeben?

Jetzt änderte sich das Bild um meinen Körper. Ein Rettungsfahrzeug hielt neben dem Autowrack und Sanitäter stürmten heraus. Sie bemühten sich um meinen geschundenen Leib. Hektisch versuchten sie, mich ins Leben zurückzuholen. Ich glaube, ich wollte es nicht, viel lieber hätte ich mich dem Licht genähert – irgend etwas hielt mich zurück, ich konnte mich nicht entscheiden. Ich wusste ja nicht einmal, ob ich überhaupt die Möglichkeit einer Entscheidung hatte.
Auf einer Bahre trugen sie meine irdische Hülle zum Rettungsfahrzeug und hörten nicht auf, mit Infusionen, Injektionen und allen Hilfsmitteln, die sie besaßen, mein Herz und meine Atmung in Gang zu bringen – wahrscheinlich spürten sie noch Leben in dem Körper.

Mit blinkenden Lichtern und heulender Sirene fuhren sie zum Krankenhaus.

Mein Verstand, oder ich werde es nun besser Seele nennen, blieb weiterhin in diesem Raum, in diesem Tunnel.
Das Licht an dem einen Ende und das Schauspiel um meinen Körper auf der anderen Seite, das wie ein Film ablief. Ich konnte weder eingreifen, noch hatte ich die Kraft, mich dem Licht zu nähern, obwohl es ständig zu locken versuchte. Die Sinne schienen mir erhalten geblieben zu sein. Ich konnte sehen und hören, vorhin hatte ich auch den Rauch von verbranntem Gummi riechen können.

In der Klinik brachte man meinen Körper fast rennend in einen Operationssaal. Bevor sie mich dort hineinschoben, wusste ich, warum ich mich nicht von meinem Körper trennen konnte und dahin vielleicht zurück wollte – der Grund war meine Familie.

Sie standen dort mit schmerzverzerrtem Gesicht. Aus ihren Augen liefen die Tränen in Bächen. Fragend sahen sie die Ärzte an und meine Mutter griff nach meiner Hand. Liebes, was ist mit Dir geschehen? Bitte verlass uns nicht, die Ärzte werden Dir helfen, Du darfst nicht sterben!
Einer der Ärzte löste mit zartem Druck ihre Hand von der meinen und sagte: „Wir versuchen alles Menschenmögliche!“ Sie schoben sie sanft zur Seite und brachten mich in den OP.

Mit hängenden Schultern stand meine Familie da und schluchzte herzerweichend. Wie gerne hätte ich sie getröstet, ihnen gesagt, dass ich keine Schmerzen verspürte und dass nur sie der Grund seien, nicht dem Licht zu folgen und den Körper aufzugeben.

Ich  hätte gerne ihre Tränen getrocknet. Aber da war etwas zwischen uns, das dies verhinderte, es war ein Hauch von Ewigkeit.
Ich konnte diesem Licht nicht folgen, ich wäre gerne in meinen Körper zurückgekehrt.

Es war in diesem Augenblick mein innigster Wunsch, mein Leben dort fortzusetzen, wo ich es so glücklich verlassen hatte.

Wer sollte das entscheiden, von wem würde es abhängen?

Die Ärzte taten ihr möglichstes. Eines der vielen Überwachungsinstrumente zeigte einen kaum sichtbaren Herzschlag an. Mit einer Beatmungsmaschine versuchten sie, mich mit Sauerstoff zu versorgen. Unzählige Substanzen wurden in meinen Körper gepumpt. Aus vielen Wunden floss dunkelrotes Blut, das sie mit geübten Griffen zu stoppen versuchten. Einer der Ärzte warf einen Blick auf die Anzeige der Herzfrequenz, schüttelte den Kopf und sagte: „Wir werden sie verlieren. Wir können die inneren Blutungen nicht zum Stillstand bringe. Auch die Lunge ist stark beschädigt, der Atemdruck sinkt ständig. Schwester, geben Sie ihr noch mehr Schmerzmittel, sie soll auf keinen Fall leiden!“

Ich sah die Bemühungen um meinen sterbenden Körper und meine Familie, die zusammengesunken auf einer Bank saß. Noch niemals hatte ich einen so großen Schmerz verspürt, noch niemals so schwer Abschied genommen.
Mama, Papa, ich muss euch verlassen. Es wird mir nicht schlecht gehen, es gibt da ein Licht......

In diesem Augenblick legten die Ärzte ihre Instrumente zur Seite und richteten sich auf – auf dem Instrument für die Herzüberwachung war nur mehr ein gerader Strich zu sehen – mein Körper war tot.
 

Einerseits war ich froh, dass dieses Ringen um das Leben meines Körpers ein Ende hatte, andererseits erfüllte mich nun eine unendliche Traurigkeit. Nicht über meinen jetzigen Zustand, sondern weil das durchtrennt war, was mein Lebensinhalt war, die Verbindung und Nähe zu meiner Familie.
Vielleicht ist es für jene Menschen leichter, das Tor zur Ewigkeit zu durchschreiten, die nicht so liebten wie ich.

Mit dem Erlöschen meiner irdischen Verbindung wurde das Licht am anderen Ende des Tunnels immer heller, das Pulsieren nahm ständig zu und auch das Drängen, näher zu kommen.
Mit einem letzten Blick auf das leblose Grau meines Lebens gab ich dem Locken des Lichtes nach und glitt darauf zu.

Es wurde wärmer und je näher ich dem Licht kam, umso mehr wich die Traurigkeit über meinen Tod.

Die Farben des Lichtes flossen immer schneller ineinander und schufen die skurrilsten Muster – es war beinahe wie bei einem Kaleidoskop.

Ich weiß nicht, ob es so schön und wunderbar sein wird – aber ich hoffe es!
Nur wenn die Ewigkeit und das leben nach dem Tode nur annähernd so sind, dann wird der Tod seinen Schrecken verlieren.

 

Der Eintritt in die Ewigkeit


Es ist der Geburtsort aller Farben,

wo nicht Bilder entstehen – nur Gefühle,

wo sich Farben niemals gleichen oder wiederholen,

wo einmal Pastellfarben erscheinen, um dann

von hell leuchtenden Signalfarben abgelöst zu werden,

wo Farben riechen,

wo Grün streichelt,

wo Rot ein Aufschrei ist.
 

Es ist der Ballsaal aller Klänge,
wo der Gesang einer Meise lauter klingt

als das Donnern von Paukenschlägen,

wo ein fallender Tautropfen ein Orchester übertönt,

wo Regentropfen auf Moos fallen und aufwühlen

und Donnergrollen beruhigt,

wo Geigentöne streicheln

und Posaunenstöße rütteln,

wo der Klang einer Geige jahrelang ertönt

und Minuten mit vollkommener Stille

den letzten Ton zerreißen.

Es ist der Ort, wo die Ewigkeit
das Universum berührt, so wie

ein Tautropfen ein Blatt streichelt,

der Wind über die Feder eines Vogels gleitet,

das Berühren zweier Lippen,

das Liebkosen eines Liebepaares,

ein Sonnenstrahl die Nase eines Kindes kitzelt,

die Hand einer Mutter über die Wange ihres Kindes streicht,

ein leiser Wellenschlag gegen das Fischerboot,

das Berühren zweier Seelen.

 



Demian

Auszug aus Hermann Hesse - Demian (geschrieben 1920)

(...)

Ich beginne meine Geschichte mit einem Erlebnis der Zeit, wo ich zehn Jahre alt war und in die Lateinschule unseres Städtchens ging.

(...)

(..) Zwei Welten liefen dort durcheinander, von zwei Polen her kamen Tag und Nacht.

Die eine Welt war das Vaterhaus, aber sie war eigentlich noch enger, sie umfasste nur meine Eltern. Diese Welt war mir größtenteils wohlbekannt, sie hieß Mutter und Vater, sie hieß Liebe und Strenge, Vorbild und Schule. (..) Zu dieser Welt musste man sich halten, damit das Leben klar und reinlich, schön und geordnet sei.

Die andere Welt indessen begann schon mitten in unserem eigenen Haus und war völlig anders, roch anders, sprach anders, versprach und forderte anders. In dieser zweiten Welt gab es Dienstmägde und Handwerksburschen, Geistergeschichten und Skandalgerüche, es gab da eine bunte Flut von ungeheuren, lockenden furchtbaren, rätselhaften Dingen, Sachen wie Schlachthaus und Gefängnis, Betrunkene und kneifende Weiber, gebärende Kühe, gestürzte Pferde, Erzählungen von Einbrüchen, Totschlägen, Selbstmorden. (..)

(...)

Je mehr ich nun im meiner neunen Gesellschaft mich fortwährend einsam und anders wusste, desto weniger kam ich doch von ihr los. Ich weiß wirklich nicht mehr, ob das Saufen und Renommieren mir eigentlich jemals Vergnügen gemacht hat, auch gewöhnte ich mich an das Trinken niemals so, dass ich nicht jedes mal peinlich Folgen gespürt hätte. Es war alles wie ein Zwang. Ich tat, was ich tun musste, weil ich sonst durchaus nicht wusste, was mit mir beginnen. Ich hatte Furcht vor langem Alleinsein, hatte Angst vor den vielen zarten, schamhaften, innigen Anwandlungen, zu denen ich mich stets geneigt fühlte, hatte Angst vor den zarten Liebesgedanken, die mir so oft kamen.

Eines fehlte mir am meisten - ein Freund. Es gab zwei oder drei Mitschüler, die ich sehr gerne sah. Aber sie gehörten zu den Braven, und meine Laster waren niemandem mehr ein Geheimnis. Sie mieden mich. Ich galt bei allen für einen hoffnungslosen Spieler, dem der Boden unter den Füßen wankte. Die Lehrer wussten viel von mir, ich war mehrmals streng bestraft worden, meine schließliche Entlassung aus der Schule war etwas, worauf man wartete. Ich selbst wusste das, ich war auch schon lange kein guter Schüler mehr, sondern drückte und schwindelte mich so durch, mit dem Gefühl, dass das nicht mehr lange dauern könne.

Es gibt viele Wege, auf denen Gott uns einsam machen und zu uns selber führen kann. Diesen Weg ging er damals mit mir. Es war wie ein arger Traum. Über Schmutz und Klebrigkeit, über zynisch durchschwatze Nächte weg sehe ich mich einen gebannten Träumer, ruhelos und gepeinigt kriechen, einen hässlichen und unsauberen Weg.

Es gibt solche Träume, auf denen man, auf dem Weg zur Prinzessin, in Kotlachen in Hintergassen voll Gestank und Unrat stecken bleibt. So ging es mir. Aus diese wenig feine Art war es mir beschieden, einsam zu werden und zwischen mich und meine Kindheit ein verschlossenes Edentor mit erbarmungslos strahlenden Wächtern zubringen. Es was ein Beginn, ein Erwachen des Heimwehs nach mir selber.

(...)

An jenem Frühlingstag im Park begegnete mir eine junge Dame, die mich sehr anzog. Sie war groß und schlank, elegant gekleidet und hatte ein kluges Knabengesicht. Sie gefiel mir sofort, sie gehörte dem Typ an, den ich liebte, und sie begann meine Phantasie zu beschäftigen. Sie war wohl kaum etwas älter als ich, aber viel fertiger, elegant und wohlumrissen, schon fast ganz Dame, aber mit einem Anflug von Übermut und Jungenhaftigkeit im Gesicht, den ich überaus gern hatte.

Es war mir nie geglückt, mich einem Mädchen zu nähern, in das ich verliebt war, und es glückte mir auch bei dieser nicht. Aber der Eindruck war tiefer als alle früheren, und der Einfluss dieser Verliebtheit auf mein Leben war gewaltig.

(...)

Ich habe mit Beatrice nicht ein einziges Wort gesprochen. Dennoch hat sie damals den tiefsten Eindruck auf mich geübt. (..) Von einem Tag auf den anderen blieb ich von den Kneiperein und nächtlichen Streifzügen weg. Ich konnte wieder allein sein, ich las wieder gern, ich ging wieder gern spazieren.

(...)

"Liebe muss nicht bitten", sagte Sie, "auch nicht fordern. Liebe muss die Kraft haben, in sich selbst zur Gewissheit zu kommen. Dann wird sie nicht mehr gezogen, sondern zieht (..)"

(...)

 





Die Würde
(Immanuel Kant)




Der Mensch und überhaupt jedes vernünftige Wesen existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloß als Mittel zum beliebigem Gebrauch für diesen oder jenen Willen, sondern muss in allem seinen sowohl auf sich selbst, als auch auf andere vernünftige Wesen gerichteten Handlungen jederzeit zugleich als Zweck betrachtet werden.

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetzt in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt oder im Überschwänglichen, außer meinem Gesichtskreise, suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz.

Das erste fängt von dem Platz an, den ich in der äußeren Sinneswelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins unabsehlich Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, über dem noch in grenzenlose Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer.

Das zweite fängt von meinen unsichtbaren Selbst, meiner Persönlichkeit, an, und stellt mich in einer Welt dar, die wahre Unendlichkeit hat, aber nur dem Verstande spürbar ist und mit welcher (dadurch aber auch zugleich mit allen jenen sichtbaren Welten) ich mich nicht, wie dort, in bloß zufälliger, sondern allgemeiner und notwendiger Verknüpfung erkenne.

Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit als eines tierischen Geschöpfs, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punkt im Weltall) wieder zurückgeben muss, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen.

Der zweite erhebt dagegen meinen Wert, als einer Intelligenz, unendlich, durch meine Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetzt mir ein von der Tierheit und selbst von der ganzen Sinneswelt unabhängiges Leben offenbart, wenigstens so viel aus der zweckmäßigen Bestimmung meines Daseins durch dieses Gesetzt, welche nicht auf Bedingungen und Grenzen dieses Landes eingeschränkt sind, sondern ins Unendliche geht, abnehmen lässt. 

 



Über die Liebe

(Hermann Hesse)


Ohne Persönlichkeit gibt es keine Liebe, keine wirklich tiefe Liebe.

Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben.

Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich. Ohne Liebe zu sich selbst ist auch die Nächstenliebe unmöglich.

Der Selbsthass ist genau dasselbe und erzeugt am Ende dieselbe grausige Isoliertheit und Verzweiflung wie der grelle Egoismus.

Der Anfang aller Kunst ist die Liebe. Wert und Umfang jeder Kunst werden vor allem durch des Künstlers Fähigkeit zur Liebe bestimmt. Genie ist Liebeskraft, ist Sehnsucht nach Hingabe.

Je weniger ich an unsere Zeit glauben kann, je mehr ich das Menschentum verkommen und verdorren zu sehen meine, desto weniger stelle ich diesem Verfall die Revolution entgegen, und desto mehr glaube ich an die Magie der Liebe.

Kein Mensch fühlt im andern eine Schwingung mit, ohne dass er sie selbst in sich hat. Die Welt und das Leben zu lieben, auch unter Qualen zu lieben, jedem Sonnenstrahl dankbar offen stehen und auch im Leid das Lächeln nicht ganz zu verlernen - diese Lehre jeder echten Dichtung veraltet nie und ist heute notwendiger und dankenswerter als je.

Fühle mit allem Leid der Welt, aber richte deine Kräfte nicht dorthin, wo du machtlos bist, sondern zum Nächsten, dem du helfen, den du lieben und erfreuen kannst.

Die Welt zu durchschauen, sie zu verachten, mag großer Denker Sache sein. Mir aber liegt einzig daran, die Welt lieben zu können, sie und mich und alle Wesen mit Liebe und Bewunderung und Ehrfurcht betrachten zu können.

 

 



 

Herzsprung
(Ildikó von Kürthy)

 

Ich habe einen schlechten Charakter und eine gute Figur. Ich kann gut einparken, und noch besser kann ich "Nein" sagen. Ich bin nur eins sechzig groß, aber ich schaue schon lange zu keinem mehr hoch. Jeder ist so groß, wie er sich fühlt. Und man fühlt sich größer, wenn man runterguckt. Ich habe einen schlechten Charakter und eine gute Figur ... Es ist kurz nach halb sechs ... Es ist Montagmorgen ...

Es war nur ein Traum ...

Nur ein Traum ...

(...)

Meine schlechteste Eigenschaft ist: Naivität. Ich meine, ich arbeite daran, aber solche festgetretenen Charakterzüge sind verdammt schwer loszuwerden. Ich geh mir ja selbst damit auf die Nerven, aber ich bin wirklich sehr leicht zu beeindrucken. Rechne immer damit, dass man mir die Wahrheit sagt. Glaube bis heute an die Treue – nicht an meine allerdings, aber das ist ja auch was anderes. Zähle nie das Wechselgeld nach und glaube jedem, der sagt, dass er in seinem Leben noch keine faszinierendere Frau als mich kennen gelernt hat.

(...) 

Wenn ich früh ins Bett gehe, überhöre ich morgens den Wecker.
Wenn ich abends keinen Alkohol trinke,  habe ich tags darauf Kopfschmerzen und geschwollen Lider.

Wenn ich mich verliebe, dann in den Falschen.

Wenn ich verlassen werde, dann vom Richtigen.

Wenn ich abnehme, dann ist es nur Wasser.

(...)

Und wenn ich ein CD-Überspielgerät geschenkt bekomme, dann freue ich mich sehr darüber, weiß aber genau, dass ich das Ding niemals werde bedienen können.

(...)

Es ist immer was los bei mir. Ich will es nicht anders. Sobald ich ein Problem gelöst habe, schaffe ich mir ein neues an. 

(...)

Mein Spiegelbild sieht heute besser aus als ich befürchtet hatte.

(...)

Gut, meine Haare scheinen zwar recht willkürlich über meinen Kopf verteilt, aber mein Gesichtsausdruck ist entschlossener, als ich ihn von mir kenne.

(...)

Wegen meiner runden braunen Augen sehe ich sonst nämlich immer irgendwie beeindruckt aus. Als würde ich sie vor Verblüffung weit aufreißen. Dabei reiße ich sie gar nicht auf. Die sind von Natur aus so weit offen. Leider wirke ich dadurch so, als würde ich mich für das interessieren, was andere Leute mir erzählen.

(...)

Meine Berufswahl war ein Zufall, und mir wird immer ganz warm ums Herz, wenn ich daran zurückdenke.

(...)

Ich hatte Innendekorateurin gelernt, dann Graphik-Design nicht zu Ende studiert, danach mit Germanistik angefangen und schließlich Kunstgeschichte nach drei Semestern aufgegeben.

(...)

Ein paar Monate lang entwarf ich CD-Cover für Undergroundbands.

(...)

Mit sechsundzwanzig beschloss ich, Geld zu verdienen, und nahm das Angebot von Sondermann an, Auslegware zu designen.

(...)

Ich meine, welcher Idiot designt Auslegware? Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nicht so dermaßen geschämt, wenn ich abends auf Partys gefragt wurde, was ich beruflich mache. Dazu kam: Ich persönlich mag ja sowieso lieber Parkett. 

(...) 

Ich weiß, dass mein Hund trottelig und hässlich ist, aber im Gegensatz zu anderen habe ich Marples Vorzüge sofort erkannt: Neben so einem Hund siehst du immer gut aus, und du kannst an seiner Seite alt werden, ohne dich alt zu fühlen und ohne dass es besonders auffällt.

(...)

Du findest dich morgens unansehnlich? Krähenfüße unter den Augenliedern? Deine Stirn sieht aus, als könne man dir eine Verschlusskappe aufschrauben? Dein Dekolleté ähnelt der Sahel-Zone nach einer besonders langen Dürre-Periode?

(...)

Kopf hoch, lächeln, Miss Marple anschauen. Schlimmer geht's immer.

(...)

Da hat man immer automatisch die besseren Karten. 

(...) 

Ich habe nie viel von Diskretion gehalten. Wenn jemand ein Geheimnis haben will, dann soll er es vor mir verbergen. Und wenn er es nicht gut genug verbirgt, dann kann er mir nicht böse sein, wenn ich es herausfinde. Das war immer meine Einstellung.

(...)

Gut, ich neige zur Schnüffelei, ich gebe es zu. Und ich kenne keine Frau, die diese Neigung nicht mit mir gemein hätte. Ich möchte sogar so weit gehen, zu behaupten, dass Diskretion bei Frauen eine behandlungsbedürftige Störung darstellt.

(...)

Man stelle sich vor: Eine Frau liest die mit selbst gemalten Herzchen verzierte Postkarte, die an ihren Freund adressiert ist, nicht. Krankhaft.

(...)

Man stelle sich vor: Eine Frau informiert sich aus dem offen herumliegenden Filofax ihres Liebsten über dessen Termine für die kommende Woche nicht. Bedenklich.

(...)

Man stelle sich vor: Eine Frau findet auf seinem Schreibtisch einen unverschossnen Umschlag mit dem Vermerk "Persönlich" und schaut nicht hinein. Oder hört auf seinem Handy die Ermunterung "Nachricht liegt vor" und wählt nicht die Mailbox an. Völlig unweiblich, völlig unrealistisch.

(...)

Ich persönlich finde Schnüffelei erst dann verwerflich, wenn man dabei Spuren hinterlässt. Ich würde Briefumschläge niemals aufreißen, niemals fremder Leute E-Mails lese, wenn es die Funktion "Als neu behalten" nicht gäbe, und nie in seinem Portemonnaie nach verdächtigen Quittungen suchen, wenn ich nicht ganz sicher wäre, dass er gerade sehr fest schläft.

(...)

Nein, ich bin nicht misstrauisch. Ich bin neugierig, und ich will was erleben. Schnüffeln macht Spaß, weil man dabei ja was entdecken könnte, was dann vielleicht keinen Spaß macht.

(...)

Sie empfing mich mit den Worten: "Was soll die Heulerei? Ich liebe ihn ja noch nicht mal. Ich bin nur so gekränkt, dass mich ein Mann betrügt, der mir nichts bedeutet."

(...)

Zehn Gründe, ein Mann zu sein:

1.    Ich könnte endlich aufhören, meine Beine zu rasieren oder immer neue Techniken auszuprobieren, die mir nur schlimmen Juckreiz und fiese Pusteln bescheren.

2.    Ich würde mitten im Streit aufstehen, joggen gehen, nach einer Stunde aufgeräumt wiederkommen und fröhlich fragen: "Und, Schatz, hast du dich inzwischen abgeregt?"

3.    Ich würde mitten im Streit aufstehen, mich an einen beliebigen Tresen setzen, mir von einer beliebigen Frau sagen lassen, wie toll ich bin, um sicherzustellen, dass ich die Schuld nicht bei mir suchen muss.

4.    Ich müsste nicht vor jeder Gala-Veranstaltung stundenlang überlegen, was ich anziehen soll, und drei Tage vorher aufhören, feste Nahrung zu mir zu nehmen.

5.    Ich würde bis tief in die Nacht mit meinem besten Freund Billard spielen und ihm nicht erzählen, dass ich heute meinen Job verloren habe.

6.    Ich würde immer denken, dass ich Recht habe.

7.    Ich würde immer denken, dass ich nicht zu dick bin.

8.    Ich würde immer denken, dass Frauen unverständige und im Grunde unverständliche Wesen sind.

9.    Ich würde Probleme lösen, statt nur über sie  zu reden.

  10.  Ich würde um meinen Kummer nicht viele Worte machen und lieber   

    ein paar Bierchen mehr trinken.

(...)

Es ist richtig, dass ich viel rede. Das liegt aber daran, dass ich so viel zu sagen habe.

(...)

Ich sehe nicht gern Filme, wo es mir nachher schlechter geht als vorher. Deswegen halte ich auch nichts von künstlerisch wertvollen Filmen ohne Happy End oder von künstlerisch wertlosen Filmen ohne Happy End. Dafür bin ich einfach zu sensibel.

(...)

Kennzeichen: B-GB-2500.

BG, das steht für Burkhard Ginster. 2500 steht für seine Genital-Länge. 25 Zentimeter. Angeblich, der alte Blender. So klein, wie Burgi ist, würde der nach vorne kippen oder aussehen, als hätte er drei Beine, wenn das stimmen würde.

(...)

Jetzt werde ich laut, wie immer, wenn ich mich ereifere. Ein Erbe meiner Mutter, die auch immer die ganze Nachbarschaft an den Auseinandersetzungen mit meinem Vater teilhaben lässt.

(...)

Frau Röben wohnt gleich im nächsten Haus zur Linken, hat sich sogar schon mal bei meiner Mutter beschert. Und zwar darüber, dass man bei ihrem Gebrüll die Antworten meines Vaters ja gar nicht hören könne, und ob meine Mutter eine Vorstellung davon habe, wie unbefriedigend es sei, von einem Streit nur die eine Hälfte mitzubekommen.

(...)

Leider gehöre ich auch zu den Frauen, die den Fehler immer zunächst bei sich selber suchen. Wäre ich die Wetterfee bei Pro7, ich würde mich jedes Mal entschuldigen für das Tief, das ich ansagen müsste. Wäre ich Prüfer beim TÜV, ich würde von morgens bis abends um Verzeihung bitten wegen der Roststellen, die ich entdecke. Es ist ganz schlimm: Wenn mich einer auf offener Straße anrempelt, murmle ich "Pardon". Wenn einer meinen Witz nicht versteht, denke ich, der Witz ist schlecht. Wenn einer mein Essen nicht mag, denke ich, ich koche schlecht. Wenn einer mich nicht mag, denke ich, ich bin potthässlich.

(...)

Ist das genetisch bedingt?

(...)

Haben Frauen ein Sorry-Chromosom mehr als Männer?

(...)

Ja, ich habe es vor langer Zeit herausgefunden und dennoch bisher nichts daran ändern können: Der Fehler an Frauen ist, dass sie sich schuldig fühlen. Der Fehler an Männern ist, dass sie sich nicht schuldig fühlen. 

(...)

Da besonders Frauen sich an so dusselige Regeln wie Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote halten, entstehen kilometerlange Staus. Es ist völlig klar: wenn alle Verkehrsteilnehmer sämtliche Verkehrsregeln beachten würden, ginge auf Deutschlands Straßen absolut gar nichts mehr.

(...)

Für mich sind Verkehrsregeln unverbindliche Richtlinien.

(...)

Vielleicht ahnt es der ein oder andere bereits: Ich halte nicht viel von Frauen  hinterm Steuer. Ehrlich gesagt halte ich gar nichts von Frauen hinterm Steuer. Ich merke sofort, wenn eine Frau vor mir fährt. Und ich werde sofort aggressiv.

(...)

Die suchen Parkplätze immer in Zeitlupe. Sie blinken minutenlang ohne abzubiegen. Sie verlangsamen vor Wegweisern mit mehr als zwei Angaben auf Schritttempo. Im Nebel halten sie lieber gleich ganz an, und wenn du einen Termin hast, dann sag ihn lieber ab, wenn du in einer engen Straße hinter einer Frau stehst, die versucht, rückwärts in eine stattliche Lücke einzuparken.

(...)

Es ist nicht unbedingt so, dass Frauen schlechter fahren als Männer – sie fahren nur aus anderen Gründen schlecht. Es ist wie im Leben: Männer verursachen Unfälle, weil sie sich über-, Frauen weil sie sich unterschätzen.

(...)

Nach meiner Theorie geht es auch da wieder zu wie im richtigen Leben: Männer können die Verhaltens- und Reaktionsweisen von Frauen nur schlecht verstehen und so gut wie gar nicht vorhersagen. Das gilt für den Straßenverkehr und für Beziehungen. Wenn eine Frau links blinkt, gehen Männer kurioserweise davon aus, dass sie auch nach links abbiegen wird. Wenn eine Frau auf die Frage "Ist was mit dir?" antwortet "Nein, was soll denn sein?", gehen Männer davon aus, dass nix ist.

(...)

Etliche tausend Jahre leben wir nun schon zusammen auf Mutter Erde, und noch immer glauben die Männchen, die Weibchen würden sagen, was sie wollen. Das ist keine besondere Intelligenzleistung.

(...)

Ich finde nicht, dass Frauen sagen sollen, was sie wollen. Aber sie sollten, da muss ich wirklich mein eigenes Geschlecht rügen, nicht rechts blinken und links abbiegen. Für den Straßenverkehr bedeutet das nämlich, dass Frauen sehr viele Unfälle provozieren, an denen sie laut Straßenverkehrsordnung entweder nicht schuld oder aber überhaupt nicht beteiligt sind. Sie tuckern davon und merken gar nicht, was für ein Chaos sie hinter sich angerichtet haben.

(...)

Meine Vergangenheit nimmt zu. Und meine Zukunft ab. Ich bin kinderlos und unbemannt und sagenhaft unglücklich. Im Grunde bin ich in den letzten Jahren keinen Schritt weitergekommen. Bloß älter geworden.

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Julius ist viel zu sehr von sich selbst überzeugt, als dass er es noch nötig hätte, arrogant zu sein.

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Ich schalte mein Handy aus, lasse mich zurückfallen auf mein Badetuch, schaue in den wolkenlosen, zärtlichen, weichen Sommerabendhimmel.

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Und in meinen Augen beginnt es zu regnen. 

(...)

Ich weiß nicht, ist Eifersucht eine schlechte Eigenschaft? Ich persönlich finde Eifersucht immer dann in Ordnung, wenn sie unbegründet ist. 

(...)

Im Grunde habe ich mir die Eifersucht angeschafft, um diesen erquickenden und ergiebigen Quell interessanter Dramen zu haben. Diesen Ausschnitt menschlicher Abgründe wollte ich keinesfalls brachliegen lassen.

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Ich heulte drei Nächte lang – als hätten geschwollene Backen nicht schon gereicht. Ich sah aus wie ein Ochsenfrosch kurz vor der Explosion.

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Fremdgehen ist wie onanieren, sagte schon der von mir ansonsten sehr geschätzte Howard Carpendale.

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Ich bin sicher, dass Herr Carpendale mit seiner Onanie-Theorie vielen Männern aus den Abgründen ihrer Seelen gesprochen hat. Merkwürdigerweise wird Frauen diese Art der Selbstbefriedigung am lebenden Objekt nicht so gerne zugestanden. Bei Frauen muss es immer gleich was zu bedeuten haben.

(...)

Na, ich weiß nicht. Habe gelesen, dass mittlerweile mehr Frauen ihre Männer betrügen als andersrum. Das hat mich irgendwie gekränkt, weil ich diesen Trend anscheinend verpasst habe. Ich bin zwar nicht aus Prinzip treu, sondern eher aus Schüchternheit – aber das Ergebnis ist schließlich dasselbe.

(...)

Ich persönlich halte ja sehr viel von Ablenkung und Verdrängung. Das Talent, verdrängen zu können, kann gar nicht hoch genug bewertet werden und ist etwas, was Männer ungerechterweise können und Frauen erst mühsam lernen müssen.

(...)

Freundinnen: Ich habe den ultimativen Rat: Behaltet eure Probleme. Verdrängt sie einfach. Ab damit in den Hinterkopf, von wo aus sie sich nach längerfristiger Nichtbeachtung beleidigt ins Unterbewusstsein zurückziehen. Da versuchen sie dann ein bisschen Schaden anzurichten, was ihr natürlich nicht bemerkt, weil ihr mit was anderem beschäftigt seid.

(...)

Männer sind Meister der Ablenkung. Die merken ja oft gar nicht, dass sie ein Problem haben, weil sie ständig irgendwelche Termine haben. 

(...) 

Männer lenken sich von unerwünschten Gefühlen ab. Frauen kosten sie aus. Ja, sie legen sich sogar bei Kerzenschein in die Badewanne und hören Lieder, die alles nur noch schlimmer machen. Sie hören sie laut, und sie hören sie immer wieder.

(...) 

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich in meinem Leben nie viel gelogen habe. Früher war ich zu brav und zu feige. Nun ja, eigentlich bin ich das heute noch. Ich habe zum Beispiel sehr gesunde Zähne, weil ich mich als Kind nie getraut habe, vor dem Schlafengehen zu behaupten, ich hätte meine Zähne schon geputzt.

(...)

Um nicht missverstanden zu werden: Ich lüge natürlich ständig. Aber das sind keine mutigen, aufsässigen, eigennützigen, Karriere fördernden Lügen. Mein Metier sind die feigen, die bequemen, aber immerhin auch die menschlich wertvollen Unwahrheiten.

(...)

Ich antworte immer "Danke, sehr gut", wenn mich ein Kellner fragt, ob es mir geschmeckt hat. Selbst wenn das Essen bloß fußwarm war und so eklig schmeckte, dass ich es stehen lassen musste, sage ich noch: "Es war sehr lecker, bloß ein bisschen zu viel."

(...)

Philipp belüge ich in dieser Hinsicht übrigens nicht. Aber den liebe ich ja auch nicht so, wie er ist. Einige hässliche Hosen, von denen er partout nicht lassen wollte, habe ich einfach heimlich weggeschmissen.

(...)

Er sucht bis heute nach ihnen, und ich helfe ihm dabei mit Unschuldsmiene. 

(...)

Und New York fiel mir ein, weil mir New York immer als Erstes einfällt, wenn ich an Sehnsuchts-Städte denke. Ich war noch nie da. Und ich bin die Einzige, die ich kenne, die noch nie da war.

(...)

Ich habe Erfahrung. Jawohl. Habe nach meiner Berechnung mit mindestens dreiundzwanzig Männern geschlafen. Und dabei hauptsächlich gelernt, was ich nicht mag

(...) 

Das darf doch wohl nicht wahr sein. Warum? Warum zum Teufel müssen solche Sachen immer mir passieren?

(...)

Bei meinem ersten Open-Air-Festival warf eine Horde Betrunkener ein Dixie-Klo um, auf dem bedauerlicherweise gerade ich saß.

(...)

Beim ersten Sex fragte mich  mein Bettgefährte, ob ich dabei immer die Strümpfe anlassen würde. Von da an rasierte ich mir die Beine. 

(...)

Schon in diesem Moment bedauerte ich, dass eine Schwangerschaft nur neun Monate dauert. Ein herrlicher Zustand. Du kannst essen, was du willst, weil deine Figur ja sowieso ruiniert ist. Jede Launenhaftigkeit wird dir verziehen, jeder Wunsch erfüllt. Du hast Anspruch auf Mitleid, ständige Aufmerksamkeit, stundenlange Fuß- und Rückenmassagen und kannst alle Disney-Filme auf Video sehen und dabei heulen, ohne dass dich jemand schief anschaut. Es sind ja die Hormone. 

(...)

Was ist eigentlich schwerer zu bedienen: ein Mann oder ein CD-Brenner? Ich weiß es nicht. Ich komme mit beiden nur stümperhaft zurecht, und es reicht mit Ach und Krach für die Standardfunktionen.

(...)

Ach ich liebe es, mir meine eigene Beerdigung farbenprächtig auszumalen. All die verzweifelten, schuldigen Menschen, denen ich meinen Tod von Herzen gönne. Das haben die jetzt davon! Zu spät, sich zu entschuldigen! Selber schuld!

(...)

Bedauerlich an diesen Phantasien, die mir immer wieder viel Freude bereiten, ist die Tatsache, dass der Tod mir persönlich ja viel zu endgültig ist und dass man bei der eigenen Trauerfeier zwar die Hauptperson, aber tot ist.

(...)

Als ich ging, tanzte sie immer noch. Renate, Petra oder Monika Schmitt. Eine Frau, deren Vornamen man sich nicht merken kann und deren Nachnamen ihrem Mann gehört.

(...)

Was für ein schönes Gefühl:

(...) 

Du hast ein Spiel gespielt, das du nicht verlieren konntest. Hast viele beeindruckt, weil du niemanden beeindrucken musstest.

(...)

 

 

Delphine
(Hans Kruppa)
 

Lächelnd ging ich ins Dachzimmer zurück, wo ich mich in den Sessel sinken ließ, auf dem Delphine gesessen hatte. Er war noch ein bisschen warm. Ich lehnte mich zurück und schloss die Augen, um das sonnige Gefühl auszukosten, das sie mir zu ihrem Geburtstag geschenkt hatte. Ich fühlte mich leicht, wie auf einer Wolke schwebend. Mir kamen lebendige Erinnerungen an meine Kindheit, von schönen Gefühlen begleitete Bilder des unbekümmerten Lebens von Augenblick zu Augenblick.
Mit ihrer arglosen, unschuldigen Art hatte Delphine das Kind in mir, das ich mit Mühe und Not durch die Tücken und Härten des Älterwerdens gerettet hatte, erfrischt und gestärkt, und dafür war ich ihr dankbar.
Ich habe mein inneres Kind bestimmt nicht immer so gut behandelt, wie ich es hätte tun sollen, aber wenn es hart auf hart kam, stand ich auf seiner Seite. Schließlich ging es um Leben oder Tod, denn das Kind in mir ist die Quelle meiner Lebensfreude. Und ein Leben ohne Lebensfreude ist der Tod vor dem Tod.
Delphine hatte mich zum Lachen und Staunen gebracht, sie hatte mich heiter und übermütig gemacht mit ihrem leichten, hellen Lebensgefühl. Sie war schon achtundzwanzig und besaß immer noch einen ungetrübten Kinderblick, als hätte das Schicksal vergessen, ihr die obligatorischen Schläge zu verpassen, die angeblich die Persönlichkeit reifen lassen...
Ich schloss die Augen und sah Delphine vor mir, ihre fröhlichen Blicke, ihr hinreißendes Lächeln. In einer Stadt der frustrierten Mienen war ihr Gesicht eine Blüte auf einem kahlen Ast. Nicht nur ihr Gesicht, ihre ganze Persönlichkeit war eine ebenso seltene wie erfreuliche Erscheinung. Delphines Charme diente nicht (wie bei vielen Menschen) irgendwelchen Zwecken, er war ein natürlicher Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Die Lebendigkeit ihrer Ausstrahlung hatte etwas Überwältigendes, von Grund auf Belebendes. Ich hatte mit meinen sechsunddreißig Lenzen genug Erfahrungen gesammelt, um erkennen zu können, dass Delphine etwas Besonderes war, als Frau und als Mensch.
Mir gefiel und imponierte ihre Denkweise. Es war ein Denken, das sich nicht auf Bücherwissen stützte, das keine Lehren brauchte und keinen ideologischen Ballast mit sich herumschleppte. Delphine dachte frei, autonom, ihre Einsichten und Ansichten waren dem Leben selbst abgewonnen. Ihre Unbefangenheit, ihre Natürlichkeit und die Fähigkeit, ganz im Augenblick aufgehen zu können, zogen mich immer aufs neue in den Bann, ließen mich die Zeit vergessen...
Es gibt Tage im Leben, an denen mehr geschieht als sonst in einem ganzen Monat. ‚Mehr’ ist nicht das richtige Wort, es sind eher die Qualität und Intensität des Geschehens, die uns das Gefühl vermitteln, dass so unglaublich viel passiert. Im Grunde geschieht vor allem Neues, Unverhofftes, das uns von unseren Trampelpfaden durch den Alltag weglockt und Mut zum Erkunden neuer Wege macht. An solchen Tagen werden die Weichen gestellt für künftige Möglichkeiten und Entwicklungen...
Manche Menschen lächeln aus Berechnung. Delphines Lächeln kam von innen. Es war ein Ausdruck ihres Lebensgefühls und beseelte ihr Gesicht, gab ihm Glanz und Ausstrahlung. Delphine glich einer Blume, die genauso schön duftet, wie sie aussieht. Ihr Seelenduft war eine harmonische Komposition aus Frische, Seinsfreude und Helligkeit. Ich inhalierte ihn tief, und er verwandelte mich, stärkte mich, öffnete meine psychischen Poren, legte Glanz in meine Augen, Zärtlichkeit in meine Stimme und hob mein Lebensgefühl auf eine höhere Ebene. Delphines Wirkung auf mich war so stark, dass ich manchmal Mühe hatte, ihren Worten zu folgen, weil ich kaum fassen konnte, wie sehr mich ihre bloße Nähe veränderte. Je länger ich in Delphines Gegenwart badete, desto mehr verlor ich den Boden unter den Füßen, ich wurde leichter und näherte mich dem euphorischen Gefühl, das ich aus manchen herrlichen Träumen kannte, in denen ich schweben und fliegen konnte, hoch über Städten und Landschaften. Was mochte das für eine Frau sein, die mich mit ihrer bloßen Anwesenheit den Glücksgefühlen meiner Träume nahe brachte? Ich hatte schon seit langer Zeit Sehnsucht nach einer magischen, inspirierenden, über das Alltagseinerlei erhebenden Liebe. War Delphine die Frau, mit der ich sie vielleicht erleben konnte?
Ich spürte, dies war einer jener kostbaren magischen Momente, die ein Leben verändern können. Meine Hand legte sich zärtlich auf Delphines Schulter, dann auf ihren Hals, während wir uns fortwährend in die Augen sahen. Wie von selbst fanden sich unsere Lippen zu einem überwältigenden Kuss. Er war eine gegenseitige Verzauberung. Ich hatte schon oft, aber noch nie so geküsst, hatte es gar nicht für möglich gehalten, dass eine Frau und ein Mann sich solche starken, überwältigenden Gefühle mit einem bloßen Kuss schenken können. Wenn ich bis dahin über die Bedeutung unserer Begegnung noch im unklaren gewesen war, so gab es für mich jetzt keinen Zweifel mehr: Sie war der Beginn eines neuen Lebens. Unser Kuss hatte es besiegelt...
In früheren Jahren war ich gelegentlich so übermütig, vom Leben zu erwarten, dass es mich unterhält, dass es mir etwas bietet. Um Realisten machte ich einen Bogen. Sie mochten sich in der Welt auskennen, aber sie wirkten unglücklich. Die Realität, die ich suchte, sollte stark und froh machen.
Ich lasse mich auch heute nicht von der Realität vereinnahmen und lebe im Grenzgebiet zwischen Phantasie und Wirklichkeit. Manchmal, leider zu selten, verschwimmen die Grenzen: das Phantastische wird real, und das Reale wird phantastisch. Solche Momente waren und sind die Sternstunden meines Lebens.
Als Delphine ihre Wohnungstür öffnete und wir uns in die Augen sahen, war ein solcher Augenblick. Die Zeit blieb stehen. Alles in uns und um uns herum war still und bestaunte ungläubig die Schönheit unserer Begrüßung. Auch wenn es übertrieben klingen mag: Mir war, als würde ein Licht auf meine Seele fallen, in dem ich die wahre Schönheit des Lebens erkannte. Es war ein lautloses Jubeln, eine herrliche Bestätigung meines unverwüstlichen Glaubens, dass hinter den Kulissen des Alltäglichen kleine Wunder versteckt sind, die auf glückliche Entdecker warten.
Kaum waren wir in Delphines Wohnung, küssten wir uns, bis meine Knie so weich wurden, dass ich mich nur mit Mühe auf den Beinen halten konnte. Spätestens jetzt wurde mir klar, dass Delphine ein Kussgenie war. Ihr Mund hatte magische Fähigkeiten, ihre Küsse waren purer Zauber. (Später fiel mir ein, dass Französinnen als besonders gute Liebhaberinnen gelten. Eins war sicher: So hatte mich noch keine Frau geküsst, mit der Energie eines Wasserfalls, der Hitze eines karibischen Sommertages und der Klarheit eines Bergsees.)
Man ist ja fähig, sich in punkto Liebe einiges vorzumachen. Man kann sich Liebe einbilden, weil man sie unbedingt braucht oder sich einbildet, sie unbedingt zu brauchen. Was ich fühlte, war aufregend real, voller Kraft und über jeden Zweifel erhaben. Delphine hatte das pure Leben in sich. Jede Minute mit ihr stärkte meine Überzeugung, dass ich mich in sie verliebt hatte, und dass dies das beste war, das mir seit sehr langer Zeit geschehen war...
Delphines Küsse waren warme, prickelnde Wellen in meinem Körper, die immer höher, immer stärker wurden. Ich hatte noch nie so starke Glücksgefühle beim Küssen erlebt. Wir sanken aufs Bett und hörten nicht auf, uns zu küssen, als hätten unsere Lippen ein Leben lang darauf gewartet, sich zu berühren, sich zu spüren. Wir atmeten den berauschenden Duft einer sich erfüllenden Sehnsucht. Ich war fasziniert von Delphines Leidenschaft, der Weichheit und dem Duft ihrer Haut, der Frische und Schönheit ihres Körpers. Ihr Herz klopfte, als wolle es zerspringen. Ich spürte, dass wir uns liebten, und eine unbeschreibliche Freude durchströmte mich. Und ich wusste wieder, was Glück bedeutet. Ich hatte es vergessen, weil ich zu lange nicht mehr glücklich gewesen war. Es bedeutet mehr als alles andere auf der Welt, es ist das eigentliche Leben.

 






Am Ufer des Rio Piedra
(Paulo Coelho)

 

Auszug aus dem Buch:

 

Seine Stimme war dieselbe. Seine Worte hingegen waren es nicht.

 

Man muss Risiken eingehen, sagte er. Wir können das Wunder des Lebens nur richtig verstehen, wenn wir zulassen, dass das Unerwartete geschieht.

Jeden Tag lässt Gott die Sonne aufgehen und schenkt uns jeden Tag einen Augenblick, in dem es möglich ist, alles das  zu ändern, was uns unglücklich macht. Tag für Tag übergehen wir diesen Augenblick geflissentlich, als wäre das Heute wie gestern und das Morgen auch nicht anders. Aber derjenige, der seinen Tag bewusst lebt, nimmt den magischen Augenblick wahr. Er kann in dem Moment verborgen sein, in dem wir morgens den Schlüssel ins Schlüsselloch stecken, im Augenblick des Schweigens nach dem Abendessen, in den Tausenden von Dingen, die uns alle gleich anmuten.

Diesen Augenblick gibt es – den Augenblick, in dem alle Kraft der Sterne uns durchdringt und uns Wunder vollbringen lässt.

Manchmal ist das Glück ein Geschenk – doch zumeist will es erobert werden. Der magische Augenblick eines Tages hilft uns, etwas zu verändern, lässt uns aufbrechen, um unsere Träume zu verwirklichen.

Wir werden leiden, werden schwierige Momente durchmachen, werden viele Enttäuschungen erleben – doch all dies geht vorüber und hinterlässt keine Spuren. Und später können wir stolz und vertrauensvoll zurückblicken.

Weh dem, der sich davor fürchtet, ein Risiko einzugehen. Vielleicht wird er nie ernüchtert oder enttäuscht und auch nicht leiden wie jene, die träumen und diesen Träumen folgen. Doch wenn er dann zurückblickt – und wir blicken immer zurück -, wird er hören, wie sein Herz ihm sagt: "Was hast du aus den Wundern gemacht, die Gott über deine Tage verteilt  hat? Was hast du mit den Talenten gemacht, die dir dein Meister anvertraut hat? Du hast sie in einer Grube vergraben, weil du Angst hattest, sie zu verlieren. Und so ist dies nun dein Erbe: die Gewissheit, dass du dein Leben vergeudet hast."

Weh dem, der diese Worte hört. Denn nun wird er an Wunder glauben, doch die magischen Augenblicke seines Lebens werden bereits verstrichen sein.

 

Manchmal erfüllt uns eine Traurigkeit, gegen die wir nichts tun können, sagte er. Uns wird bewusst, dass der magische Augenblick eines bestimmten Tages vorbei ist und wir ihn nicht ergriffen haben. Dann verbirgt das Leben seine Magie und seine schöpferische Kraft.

Wir müssen auf das Kind hören, das wir einmal waren und das es immer noch in uns gibt. Dieses Kind erkennt die magischen Augenblicke. Wir können zwar sein Weinen ersticken, doch seine Stimme können wir nicht zum Schweigen bringen.

Dieses Kind, das wir einst waren, ist immer da. Selig sind die Kinder, denn das Himmelreich ist ihrer.

Wenn wir nicht aufs neue geboren werden, wenn wir das Leben nicht wieder mit der Unschuld und der Begeisterung der Kindheit betrachten können, hat das Leben keinen Sinn mehr.

Es gibt viele Arten, sich selbst zu töten. Diejenigen, die versuchen, ihren Körper zu töten, übertreten Gottes Gesetz. Diejenigen, die versuchen, ihre Seele zu töten, übertreten auch Gottes Gesetz, obwohl dieses Verbrechen für das menschliche Auge weniger sichtbar ist.

Wir sollten auf das hören, was das Kind sagt, das wir in unserer Brust tragen. Wir sollten uns seiner nicht schämen. Wir sollten nicht zulassen, dass es sich fürchtet, weil es allein ist und wir ihm fast nie zuhören.

Wir sollten ihm die Zügel unseres Daseins überlassen. Wir sollten ihm Vergnügen bereiten – auch wenn dies bedeutet, dass wir anders handeln, als wir es gewohnt sind, auch wenn es in den Augen der anderen dumm erscheinen mag.

Vergesst nicht, dass die Weisheit des Menschen vor Gott Torheit ist. Wenn wir auf das Kind hören, das wir in der Seele tragen, werden unsere Augen wieder leuchten. Wenn wir den Kontakt zu diesem Kind nicht verlieren, verlieren wir auch nicht den Kontakt zum Leben.

 

Son locos que inventaron el amor.

Verrückt sind die, die Liebe erfanden.

 

Con un poema y un trombón a develarte el corazón

Mit einem Gedicht und einer Posaune rauben sie dem Herzen den Schlaf.

 

Die Liebe hat viele Fallstricke. Wenn sie sich uns zeigt, sehen wir nur ihr Licht und nicht ihre Schattenseiten.

 

Bis zu diesem Augenblick hatte ich mich im Griff. Jetzt sollte ich ihm besser sagen, was ich auf dem Herzen habe.

"Du glaubst, du weißt alles", sage ich. "Verstehst was von magischen Augenblicken, vom inneren Kind. Ich weiß überhaupt nicht, warum du mit mir hier sitzt!"

Er lacht.

"Ich bewundere dich", sagt er. "Ich bewundere den Kampf, den dein Verstand gegen dein Herz führt."

"Was für ein Kampf?"

"Ach nichts", antwortet er.

Doch ich weiß, was er meint.

"Mach dir nichts vor", antworte ich. "Wenn du willst, reden wir darüber. Du irrst dich in bezug auf meine Gefühle."

Er hört damit auf, das Glas in seiner Hand zu drehen, und sieht mich an:

"Das tue ich nicht. Ich weiß, dass du mich nicht liebst."

Jetzt bin ich noch verwirrter.

"Doch ich werde darum kämpfen", fährt er fort, "es gibt Dinge im Leben, für die zu kämpfen es sich bis zum Schluss lohnt."

Seine Worte machen mich sprachlos.

"Für dich lohnt es sich", sagt er.

 

Er hätte ein bekanntes Lied singen können, eines, das ich schon tausendmal gehört habe, aber er musste natürlich eins nehmen, das ich noch nie gehört hatte.

Es ist eine Falle. Denn wenn dieses Lied später einmal im Radio gespielt wird oder jemand diese Platte auflegt, werde ich mich an ihn erinnern, an Bilbao, an die Zeit, in der der Herbst meines Lebens wieder zum Frühling wurde. Ich werde mich an die Erregung, an das Abenteuer, an das Kind in mir erinnern, das, Gott allein weiß, woher, wieder aufgetaucht war.

Er hat das alles bedacht. Er ist klug, erfahren und weiß, was er tun muss, um die Frau zu erobern, die er begehrt.

"Ich werde noch verrückt", sage ich mir. "Ich glaube, ich bin Alkoholikerin, weil ich zwei Tage hintereinander etwas getrunken habe. Ich bin sicher, er kennt alle Tricks. Mit seiner sanften Art hat er mich fest im Griff."

"Ich bewundere den Kampf, den dein Verstand mit deinem Herzen ausficht", hat er im Restaurant gesagt.

Aber er irrt sich. Denn ich  habe bereits gekämpft und mein Herz schon vor langer Zeit besiegt. Ich werde mich nicht in das Unmögliche verlieben. Ich kenne meine Grenzen und die Grenzen meiner Leidensfähigkeit.

 

Ein Mann trifft einen alten Freund, der erfolglos versucht hatte, es im Leben zu etwas zu bringen. "Ich werde ihm ein bisschen Geld geben", denkt er. Doch er erfährt noch in derselben Nacht, dass sein alter Freund reich war und beschlossen hatte, alle Schulden zurückzubezahlen, die er in den Jahren gemacht hatte.

Die beiden gehen in eine Bar, die sie früher immer gemeinsam besucht hatten, und er gibt eine Runde aus. Als er gefragt wird, wie er solchen Erfolg haben konnte, antwortet er, dass er bis vor einigen Tagen der Andere gewesen sei.

"Wer ist der Andere?" fragen sie ihn.

"Der Andere ist der, den sie mich zu sein gelehrt haben, der ich aber nicht bin. Der Andere glaubt, dass der Mensch sein ganzes Leben lang nur daran denken muss, wie er so viel Geld zusammenbekommt, dass er nicht Hungers stirbt, wenn er alt ist. Er denkt so viel und macht so viele Pläne, dass er erst, als seine Tage auf Erden schon gezählt sind, entdeckt, dass er lebt. Doch da ist es schon zu spät."

"Das bist du, nicht wahr?"

"Ich bin wie jeder andere, wenn ich auf mein Herz höre. Ein Mensch, der staunend die Mysterien des Lebens betrachtet, ist offen für die Wunder; das, was er tut, löst Freude und Begeisterung in ihm aus. Nur der Andere lässt ihn aus Angst, enttäuscht  zu werden, nicht handeln.

"Aber es gibt doch das Leiden", sagen die Leute in der Bar.

"Es gibt Niederlagen. Niemand ist gegen sie gefeit. Deshalb ist es besser, im Kampf um seine Träume ein paar Schlachten zu verlieren, als besiegt zu werden, ohne zu wissen, wofür man kämpft."

"Ist das alles?" fragen die Leute in der Bar.

"Ja. Als ich das entdeckt habe, bin ich aufgewacht und habe beschlossen, der zu sein, der ich in Wahrheit immer sein wollte. Der Andere blieb dort in meinem Zimmer und sah mich an, doch ich habe ihn nie wieder hereingelassen, obwohl er immer wieder versucht hat, mich zu erschrecken, mich auf das Risiko aufmerksam zu machen, das ich einging, wenn ich nicht mehr an die Zukunft dachte. In dem Augenblick, als ich den Anderen aus meinem Leben vertrieben habe, hat die Kraft Gottes begonnen, ihre Wunder zu tun."

 

Die Liebe entdeckt man, indem man liebt.

 

"Ich liebe dich", hörte ich ihn sagen.

"Ich bin dabei zu lernen, dich zu lieben", antwortete ich.

Er zündete sich eine Zigarette an.

"Glaubst du, dass der richtige Augenblick kommen wird?" fragte er.

Ich wusste, was er meinte. Ich stand auf und setzte mich bei ihm auf die Bettkante.

Die Glut der Zigarette beleuchtete hin und wieder sein Gesicht. Er hielt meine Hand, und wir verharrten eine Weile so. Dann streichelte ich sein Haar.

"Du solltest mich nicht fragen", antwortete ich.

"Die Liebe fragt nicht viel, denn wenn wir anfangen zu denken, bekommen wir gleich Angst. Es ist eine unerklärliche Angst, es lohnt nicht, sie in Worte zu fassen. Vielleicht ist es die Angst, abgewiesen zu werden, nicht angenommen zu werden, den Zauber zu brechen. Es mag lächerlich sein, aber es ist so. Deshalb fragt man nicht – man handelt. Man wagt's, wie du selber gesagt hast."

"Ich weiß. Früher habe ich auch nie gefragt."

"Mein Herz besitzt du schon", antwortete ich, indem ich so tat, als hätte ich seine Worte nicht gehört. "Morgen kannst du gehen, und wir werden uns immer an das Wunder dieser Tage erinnern. Die romantische Liebe, die Möglichkeit, den Traum. Aber ich glaube, in seiner unendlichen Weisheit hat Gott die Hölle mitten im Paradies versteckt. Damit wir immer wachsam bleiben. Damit wir, wenn wir die Freude der Barmherzigkeit erleben, Gottes Strenge nicht vergessen."

Seine Hände streichelten mein Haar nun kräftiger.

"Du lernst schnell", sagte er.

Ich wunderte mich über das, was ich gesagt hatte. Doch wenn du dein eigenes Wissen akzeptierst, wirst du am Ende wirklich wissen sein.

 

 

S. 93

Die Liebe ist immer neu. Gleichgültig, ob wir einmal, zweimal oder zehnmal im Leben lieben – jedes Mal sehen wir uns vor eine Situation gestellt, die wir nicht kennen. Die Liebe kann uns in die Hölle führen oder ins Paradies, doch sie führt uns immer irgendwohin. Man muss sie annehmen, weil sie die Nahrung unseres Lebens ist. Verweigern wir uns, so sterben wir Hungers, während wir auf die von Früchten schweren Äste de Lebensbaumes blicken, jedoch den Mut nicht aufbringen, diese Früchte zu pflücken. Man muss die Liebe suchen, wo auch immer sie sich befindet, selbst wenn dies bedeutet, dass wir Stunden, Tage, Wochen voller Enttäuschung und Traurigkeit durchleben müssen.

Denn in dem Augenblick, wo wir uns auf die Suche nach der Liebe machen, macht auch sie sich auf, uns zu finden.

Und rettet uns.

 

S. 221

An jenem Abend legte ich mich auf die gefrorene Erde, und die Kälte betäubte mich bald. Ich dachte kurz daran, dass ich sterben würde, wenn ich mir nicht etwas Wärmendes zum Zudecken suchte – doch wozu? Alles, was mir im Leben wichtig war, war mir großzügig in einer Woche gegeben – und in einer Minute, ohne dass ich Zeit gehabt hätte, etwas zu sagen, wieder genommen worden.

Mein Körper begann vor Kälte zu zittern, doch ich kümmerte mich nicht darum. Irgendwann würde er schon damit aufhören, weil er all seine Energie in dem Versuch aufgebraucht haben würde, mich zu wärmen, und nun nichts mehr tun konnte. Dann würde men Körper zu seiner gewohnten Ruhe zurückkehren und der Tod mich umfangen.

Ich zitterte über eine Stunde lang. Und dann kam der Friede.

Bevor ich die Augen schloss, hörte ich die Stimme meiner Mutter. Sie erzählte eine Geschichte, die sie mir als Kind erzählt hatte, doch damals ahnte ich nicht, dass sie einmal meine Geschichte sein würde.

 

S. 226

Die Frau sah ich an, ohne ein Wort zu sagen. Dann ging sie hinaus und kam kurz darauf mit einem Block Papier und einem Stift wieder.

"Gehen wir hinaus", sagte sie.

Wir gingen zusammen hinaus. Es begann zu tagen.

"Atmen Sie tief ein", bat sie mich. "Lassen Sie diesen neuen Morgen in Ihre Lungen und durch Ihren ganzen Körper strömen. Mir kommt es so vor, als hätten Sie sich gestern nicht zufällig verlaufen."

Ich sagte nichts.

"Außerdem haben Sie weder die Geschichte, die Sie mir gerade erzählt haben, noch ihre Bedeutung richtig begriffen", fuhr sie fort. "Sie haben nur den traurigen Schluss behalten und die heiteren Augenblicke vergessen, die Sie erlebt haben. Sie haben das Gefühl vergessen, das so war, als wären die Himmel herabgestiegen, und wie schön es war, all das mit ihrem..."

Sie hielt inne und lächelte.

"...Jugendfreund erlebt zu haben", sagte sie und zwinkerte mir zu. "Jesus hat gesagt: Lasst die Toten die Toten begraben. Denn Er weiß, dass es den Tod nicht gibt. Das Leben existiert bereits, bevor wir geboren werden, und es existiert weiter, wenn wir diese Welt verlassen."

Meine Augen füllten sich mit Tränen.

"Dasselbe geschieht mit der Liebe" fuhr sie fort.

"Es gab sie vorher, und es wird sie immer weiter geben."

"Es ist, als kennten Sie mein Leben", sage ich.

"Alle Liebesgeschichten haben etwas gemeinsam. Ich habe dies auch schon in meinem Leben durchgemacht. Doch daran denke ich nicht mehr.

Ich erinnere mich daran, dass die Liebe in der Gestalt eines anderen Mannes, in der Gestalt neuer Hoffnungen, neuer Träume wiederkam."

Sie reichte mir das Papier und den Stift.

"Schreiben Sie alles auf, was Sie fühlen. Holen Sie es aus Ihrer Seele, vertrauen Sie es dem Papier an, und werfen Sie es dann fort. Die Legende besagt, dass der Rio Piedra so kalt ist, dass alles, was in ihn hineinfällt – die Blätter, die Insekten, die Federn der Vögel -, sich in Steine verwandelt. Wer weiß, vielleicht ist es ja eine gute Idee, das Leid in sein Wasser zu werfen."

Ich nahm das Papier, sie küsste mich und sagte, ich könne, wenn ich wollte, zum Mittagessen wiederkommen.

"Vergessen Sie eines nicht", rief sie mir nach.

"Die Liebe bleibt. Nur die Männer ändern sich!"

Ich lachte, und sie winkte.

Ich sah lange auf den Fluss. Weinte, bis ich keine Tränen mehr hatte.

Dann begann ich zu schreiben.

 

 




 

Solange Du da bist
(Marc Levy)

    

 

Eine ganz unglaubliche Geschichte und geheimnisvolle Lovestory! Eine Begegnung, die von allen Beteiligten Vertrauen, Mut und grenzenlosen Glauben fordert, und das Eintauchen in Welten, die uns scheinbar fremd, unbegreiflich und doch so vertraut sind. "Solange du da bist" zählt zu den Romanen, die viel auslösen: Zuversicht und den Glauben an die Macht der Liebe.

 

Der Roman umarmt einen. Er schenkt Gefühle und Hoffnung, aber auch Verdruss und Leid. Man erlebt alle Höhen und Tiefen vom Schönsten, was es gibt auf der Welt, der Liebe. Keine Sekunde kann man ausbrechen aus dem Bann, in den Levy einen zieht.

 

"Das einzig Wichtige ist die Phantasie und die Lust, Dinge zu verwirklichen, die angeblich unmöglich sind", schreibt Marc Levy und präsentiert uns in seinem Roman eine so unglaubliche, so anrührende Liebesgeschichte, dass sie vielleicht doch wahr ist. Arthur, ein erfolgreicher Architekt, findet in seinem Kleiderschrank eine höchst lebendige Frau, die eigentlich nicht dort sein kann, weil sie nach einem Autounfall seit Monaten im Koma liegt. Aber: Erst sieht er sie, dann... liebt er sie, und als die Ärzte sie schon aufgegeben haben, beginnt er um ihr Leben zu kämpfen.

  

Ziemlich schnell ist Arthur von dem absolut Unglaubwürdigen überzeugt: Die Frau, die in seinem Badeschrank sitzt, ist nur ihr Geist. Sie ist ein Phantom! Ihr Körper liegt nach einem schweren Autounfall im Krankenhaus. Unbegreiflicherweise scheinen ihr Geist und ihr Körper getrennt zu sein, und, was noch irritierender ist, Arthur ist der einzige Mensch, der mit ihr Kontakt aufnehmen kann. Er lässt sich auf sie ein, recherchiert tiefschürfend die Koma-Problematik, erlebt mit Lauren, die immer an seiner Seite ist komische, manchmal peinliche Situationen. Und er verliebt sich in sie! Während seine Umwelt um seinen Geisteszustand fürchtet, ist er immer fester davon überzeugt, dass die Hirntote eines Tages wieder aufwachen wird. Als die lebenserhaltenden Maßnahmen abgestellt werden sollen, handelt er und entführt mit Hilfe seines Freundes den Körper Laurens in das Haus seiner verstorbenen Mutter.

 

Auszug aus dem Buch: 

Die beiden saßen sich seit einer Weile schweigend gegenüber, als Lili ihren Sohn eindringlich ansah und mit einem ungewöhnlichen Klang in der Stimme fragte: "Arthur, du weißt, dass ich nicht schwimmen kann. Was würdest du tun, wenn ich ins Wasser fallen würde?" – "Ich würde hinterher springen und dich rausholen", antwortete das Kind. Da wurde Lili wütend: "Das ist Unsinn, was du da sagst!" Arthur erstarrte vor Schreck angesichts dieser heftigen Antwort.

"Du würdest versuchen, an Land zu rudern!" Lili schrie ihn regelrecht an. "Nur dein Leben ist wichtig, vergiss das nie, und maße dir niemals an, dieses einzigartige Geschenk aufs Spiel zu setzen. Schwöre es!"

"Ich schwöre es", erwiderte das Kind erschrocken. "Verstehst du", fügte sie, nun wieder sanfter, hinzu, "du wirst mich ertrinken lassen."

Da fing der kleine Arthur an zu weinen. Mit dem Rücken ihres Zeigefingers sammelte Lili die Tränen von seiner Wange.

"Manchmal können wir einfach nicht tun, was wir möchten, was uns notwendig erscheint oder wozu es uns drängt, und das quält uns entsetzlich. Dieses Gefühl wird dich dein ganzes Leben lang begleiten, manchmal wirst du es vergessen, manchmal wirst du wie besessen davon sein. Wie glücklich wir unser Leben meistern, hängt auch davon ab, ob wir gegen unsere Ohnmacht anzukämpfen verstehen. Das ist schwer, weil Ohnmacht oft auch Angst hervorbringt. Sie vermindert unsere Reaktionsfähigkeit, trübt unser Denkvermögen und unseren gesunden Menschenverstand und bereitet so der Schwäche den Weg. Du wirst noch viele Ängste kennenlernen. Kämpfe gegen sie an, aber ersetze sie nicht durch allzu langes Zögern. Überlege, entscheide und handle!

Lass die Welt, lass deine Welt sich drehen! Sieh diese Landschaft an, die vor dir liegt, sieh, wie fein die Küste ziseliert ist, wie eine kostbare Spitze, könnte man meinen, und all die schillernden Lichtpunkte darin, die die Sonne hineinwebt. Jeder Baum wiegt sich in seinem eigenen Takt unter dem sanften Hauch des Windes.

Doch das Allerschönste auf der Welt, das, was uns als Menschen auszeichnet, ist die Freude, zu teilen. Wer nicht teilen kann, ist unfähig, seine Gefühle zu leben. 

Lili starb ebenso elegant, wie sie gelebt hatte. Am Morgen ihres Todes war der Junge an das Bett seiner Mutter getreten.

"Warum?" Der Mann neben dem Bett sagte nichts, er hob den Blick und sah das Kind an.

"Wir hatten uns so lieb, wieso hat sie mir nicht auf Wiedersehen gesagt? Ich hätte so etwas nie getan. Warum ist sie einfach gegangen, während ich schlief?"

Ein Blick aus Kinderaugen weckt oft so weit zurückliegende Erinnerungen in uns, dass wir nicht umhinkönnen, ihnen eine Antwort zu geben. Antoine legte ihm die Hände auf die Schultern. "Sie konnte nicht anders, man bittet den Tod nicht zu kommen, er kommt, wann er will. Deine Mutter ist mitten in der Nacht mit furchtbaren Schmerzen aufgewacht, sie wartete auf den Sonnenaufgang, doch obwohl sie mit aller Macht wach bleiben wollte, ist sie langsam eingeschlafen."

"Also ist es meine Schuld, ich habe geschlafen." "Nein, natürlich nicht, so darfst du es nicht sehen, willst du den wahren Grund wissen, warum sie gegangen ist, ohne sich zu verabschieden?" "Ja." "Deine Mutter war eine große Dame, und alle großen Damen verstehen es, würdevoll abzutreten und die, die sie lieben, sich selbst zu überlassen."

Der Junge sah in den Augen des Mannes, wie bewegt er war. Mit den Blicken folgte er der Träne, die sich zwischen den Bartstoppeln hindurch seine Wange hinunterschlängelte. Der Mann fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen.

"Du siehst mich weinen, das solltest du auch tun, die Tränen nehmen der Trauer den Schmerz und spülen ihn weit fort." "Ich werde später weinen", sagte der kleine Mann, "dieser Schmerz verbindet mich noch mit ihr, ich will ihn noch eine Weile bewahren. Sie war mein ganzes Leben."

"Nein, mein Kleiner, dein Leben liegt vor dir, nicht in deinen Erinnerungen, das ist es, was sie dir beigebracht hat. Halte dich daran, Arthur, vergiss nie, was sie dir gestern noch gesagt hat: "Jeder Traum hat seinen Preis." Mit ihrem Tod zahlst du für die Träume, die du von ihr bekommen hast."

"Diese Träume sind ganz schön teuer, Antoine. Bitte lass mich allein", sagte das Kind.

"Du bist schon allein mit ihr. Schließ deine Augen, und du wirst vergessen, dass ich da bin, das ist die Macht der Gefühle. Du bist jetzt ganz allein, das hier ist erst der Anfang eines langen Weges."

"Ist sie nicht schön? Ich dachte, dass der Tod mir angst machen würde, aber ich finde, sie sieht schön aus."

Er nahm die Hand seiner Mutter, führte sie an sein Gesicht und streichelte langsam seine Wange, dann drückte er einen Kuss in ihre Handfläche. Welcher Kuss eines Mannes hätte je so innig sein können?

"Arthur?" sagte Antoine. "Ja." "Dieser Brief ist für dich. Ich lasse dich jetzt allein."

Einmal nur roch Arthur an dem Umschlag und atmete den Duft ein, der an ihm haftete, dann riss er ihn auf.

 

Mein großer Arthur,

 

Wenn Du diesen Brief liest, wirst Du tief in Dir furchtbar böse auf mich sein, weil ich Dir solch einen üblen Streich gespielt habe. Arthur, mein Herz, dies  hier ist mein letzter Brief, und er ist zugleich das Vermächtnis meiner Liebe.

Getragen von all der Freude, die Du  mir gegeben hast, schwebt meine Seele leicht davon. Das Leben ist wunderbar, Arthur, das merkt man erst, wenn es sich fortschleicht, doch man muss es jeden Tag in vollen Zügen genießen.

In manchen Momenten lässt es uns an allem zweifeln, gib Dich aber niemals geschlagen, mein Herz. Von dem Tag an, an dem Du geboren wurdest, habe ich in Deinen Augen dieses Licht gesehen, das Dich von anderen kleinen Jungen unterscheidet. Ich habe Dich hinfallen und mit zusammengebissenen Zähnen wieder aufstehen sehe, wo jedes andere Kind geweint hätte. Dieser Mut ist Deine Stärke, aber auch Deine Schwäche.

Denke immer daran, Gefühle sind dazu da, geteilt zu werden, Kraft und Mut sind wie zwei Stöcke, die sich gegen den wenden können, der sie nicht richtig gebraucht. Auch Männer dürfen weinen, Arthur.

Von nun an werde ich nicht mehr da sein, um Dir Deine Fragen zu beantworten, jetzt ist der Moment für Dich gekommen, ein großer Mann zu werden.

Verliere auf der langen Reise, die Dich erwartet, niemals Deine Kinderseele, vergiss nie Deine Träume. Sie sind es, die Dein Leben bewegen werden, sie werden der Geschmack und der Duft eines jeden Morgens sein.

Bald wirst Du eine andere Form der Liebe kennenlernen als die, die Du für mich empfindest. Teile sie mit der Frau, die Dich lieben wird; die Träume, die man gemeinsam erlebt, werden zu den schönsten Erinnerungen. Die Einsamkeit aber ist ein Garten, in dem die Seele verdorrt, und die Blumen, die dort wachsen, duften nicht. Die Liebe ist köstlich, denke immer daran, dass man geben muss, um zu empfangen; denke daran, dass man eins mit sich sein muss, um lieben zu können.

Höre auf Deine innere Stimme, mein Junge, sei Deinem Gewissen und Deinen Gefühlen treu, lebe Dein Leben, Du hast nur eines. Von nun an bist Du für Dich selbst verantwortlich und für die Menschen, die Du lieben wirst. Sei aufrichtig, liebe, und bewahre Dir diesen Blick, der uns verband, wenn wir zusammen die Morgendämmerung erlebten.

Erinner Dich an die Stunden, die wir gemeinsam damit zugebracht haben, die Rosen zu schneiden, den Mond zu betrachten, uns die Düfte der Blumen einzuprägen, den Geräuschen des Hauses zu lauschen, um sie zu verstehen. Das sind sicher einfach, manchmal altmodische Dinge, aber lass nicht zu, dass verbitterte oder hochmütige Menschen dem, der sie zu genießen versteht, diese magischen Augenblicke vergällen. Es gibt einen Namen für solche Momente, Arthur: "Erstaunen", und es liegt nur an Dir, ob Du Dir die Fähigkeit dazu Dein Leben lang erhalten wirst. Das ist der größte Reiz an der langen Reise, die Dich erwartet.

Mein kleiner Mann, ich verlasse Dich jetzt, halte fest an dieser wunderschönen Welt. Ich liebe Dich, mein Schatz, Du warst mein Grund zu leben. Ich weiß auch, wie sehr Du mich liebst, und ich scheide ruhigen Herzens. Ich bin stolz auf Dich.

 

Deine Mama

 

Der kleine Junge faltete den Brief zusammen und steckte ihn in die Tasche. Er küsste seine Mutter auf die eisige Stirn und verließ das Zimmer mit festem Schritt, wie sie es ihm immer gesagt hatte. "Ein Mann, der geht, darf sich niemals umdrehen."

 

(...)

 

"Gerade jetzt will mir das aber nicht gelingen. Ich schaffe es nicht mehr, den Augenblick zu genießen, ohne an den folgenden zu denken. Wie machst du das nur?"

"Ich denke an die Minuten, die jetzt verstreichen, sie sind unendlich lang."

Sie beschloss, ihm eine Geschichte zu erzählen, ein Spiel, so sagte sie, um ihn zu zerstreuen. Er sollte sich vorstellen, dass er bei einem Wettbewerb folgenden Preis gewonnen hätte: Jeden Morgen würde ihm bei einer Bank ein Konto mit 86400 Dollar zur Verfügung stehen Doch wie jedes Spiel hatte auch dieses seine Regeln.

"Die erste Regel ist, dass dir alles, was du im Laufe des Tages nicht ausgegeben hast, wieder weggenommen wird, du kannst nicht schummeln, du kannst das Geld nicht auf ein anderes Konto überweisen, du kannst es nur ausgeben. Aber jeden Morgen, wenn du erwachst, eröffnet die Bank für dich ein neues Konto mit neuen 86400 Dollar für den kommenden Tag.

Zweite Regel: Die Bank kann das Spiel ohne Vorwarnung beenden; zu jedwedem Zeitpunkt kann sie dir sagen, dass es vorbei ist, dass sie das Konto schließt und du kein neues mehr bekommen wirst. Was würdest du tun?"

Er verstand nicht so recht.

"Dabei ist es ganz einfach, es ist ein Spiel. Jeden Morgen beim Aufwachen bekommst du 86400 Dollar, mit der einzigen Auflage, dass du sie im Laufe des Tages ausgeben und das übrige Geld, wenn du zu Bett gehst, wieder zurückgeben musst. Aber dieses Geschenk des Himmels oder dieses Spiel kann jeden Moment zu Ende sein, verstehst du? Die Frage ist jetzt: Was würdest du mit so einem Geschenk tun?"

Er antwortete, ohne nachzudenken, dass er jeden Dollar dafür verwenden würde, sich selbst und den Menschen, die er liebte, eine Freude zu machen. Mit jedem Cent, den er von der magischen Bank erhielte, würde er sein Leben und das der Menschen in seiner Umgebung verschönern. "Auch das von Leuten, die ich nicht kenne, ganz gewiss, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es schaffen würde, allein für mich und meine Freunde 86400 Dollar pro Tag auszugeben. Aber worauf willst du hinaus?"

"Wir alle haben so eine magische Bank", erwiderte Lauren, "es ist die Zeit! Das Füllhorn der Sekunden, die verstreichen! Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, bekommen wir 86400 Sekunden Leben für den Tag, und wenn wir am Abend einschlafen, wird uns die übrige Zeit nicht gutgeschrieben. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, gestern ist vergangen. Jeden Morgen beginnt der Zauber von neuem, aber die Bank kann unser Konto  zu jeder Zeit ohne Vorwarnung auflösen: Das Leben kann jeden Moment zu Ende sein. Was machen wir also aus unseren 86400 täglichen Sekunden? Sind sie nicht viel mehr wert als die gleiche Menge Dollars?"

Seit ihrem Unfall wurde ihr jeden Tag aufs neue bewusst, wie wenige Menschen den Wert der Zeit zu bemessen und zu schätzen verstanden. Und sie erzählte ihm das Fazit ihrer Geschichte.....

 


 

 

Elf Minuten
(Paulo Coelho)

 

 

Ihr Leben war, trotz der vermeintlichen Freiheit, ein endloses Warten auf ein Wunder gewesen, auf die wahre Liebe oder wenigstens ein Liebesabenteuer mit Happy-End, wie im Film oder wie in den Romanen, die sie gelesen hatte. Ein Schriftsteller hatte behauptet, dass nicht die Zeit den Menschen verändere und auch nicht die Weisheit – das einzige, was jemanden verändern könne, sei die Liebe. So ein Unsinn! Wer das geschrieben hatte, kannte nur die halbe Wahrheit.

Natürlich konnte die Liebe das Leben eines Menschen von einem Augenblick auf den anderen ganz und gar verändern. Doch nicht nur die Liebe brachte den Menschen dazu, ungewohnte Wege einzuschlagen, sondern auch die Verzweiflung. Ja, vielleicht konnte die Liebe jemanden verändern, aber Verzweiflung schafft es schneller.....

 

 

Wenn ich heute jemandem mein Leben erzählen sollte, könnte ich es so drehen, dass man meinen könnte, ich sei eine unabhängige, mutige und glückliche Frau. Nichts davon ist wahr: Ich darf das einzige Wort nicht erwähnen, das viel wichtiger ist als die elf Minuten – Liebe.

Mein ganzes Leben lang habe ich unter Liebe eine Art selbstgewählter Sklaverei verstanden. Ich habe mich getäuscht: Freiheit gibt es nur dort, wo Liebe ist. Wer sich vollkommen hingibt, wer sich frei fühlt liebt am meisten.

Und wer am meisten liebt, der fühlt sich frei.

Was auch immer ich erleben, tun, herausfinden kann, nichts hat einen Sinn ohne Liebe. Ich hoffe, dass diese Zeit schnell vorbeigeht, damit ich die Suche nach mir selbst wiederaufnehmen kann – die sich in einem Mann widerspiegelt, der mich versteht, der mir nicht weh tut.

Aber was sage ich da? In der Liebe kann keiner dem anderen weh tun; für seine Gefühle ist jeder selbst verantwortlich, und wir können nicht die anderen dafür verantwortlich machen.

Ich habe gelitten, als ich die Männer verlor, in die ich mich verliebt hatte. Heute bin ich überzeugt, dass man niemanden verlieren kann, ganz einfach weil man niemanden besitzt. Das ist die wahre Erfahrung von Freiheit: das Wichtigste auf der Welt zu haben, ohne es zu besitzen....

 

 Was gehörte für sie zu einer ersten Begegnung?

"Ein Geschenk", sagte Maria....

 

"Die Person, die bei dir ist, muss spüren, dass sie für dich existiert. Denk an sie! Denk darüber nach, ob sie Whisky oder Gin oder Kaffee möchte. Frag, was sie möchte!"...

 

Sie kramte in ihrer Handtasche und fand einen Kugelschreiber, den sie in einem Supermarkt gekauft hatte.

"Der ist für dich. Ich habe ihn gekauft, um damit meine Ideen für meine Farm aufzuschreiben. Drei Tage habe ich geschrieben und geschrieben, bis ich nicht mehr konnte. Es klebt ein wenig von meinem Schweiß, meiner Konzentration, meinem Willen daran, und darum schenke ich ihn dir jetzt."

Sanft legte sie den Kugelschreiber in seine Hand.

"Anstatt dir etwas zu kaufen, was du vielleicht gern hättest, gebe ich dir etwas, was wirklich mir gehört. Ein Geschenk. Als Zeichen meiner Achtung vor dem Menschen, der vor mir sitzt, damit er versteht, wieviel es mir bedeutet, bei ihm zu sein. Jetzt hast du einen kleinen Teil von mir, den ich dir freiwillig und spontan gegeben habe."

Ralf erhob sich, ging zum Bücherregal und kam mit einem Gegenstand zurück. Er reichte ihn Maria:

"Das ist der Waggon einer elektrischen Eisenbahn, die ich als kleiner Junge hatte. Ich durfte nie allein damit spielen, weil mein Vater sie dafür zu kostbar fand. Also musst eich immer warten, bis er Lust hatte, die Eisenbahn aufzubauen – hier in diesem Zimmer. Normalerweise verbrachte er seine Sonntage damit, Opern zu hören. Daher hat die Eisenbahn meine Kindheit überlebt, aber sie hat mir keine Freude gebracht. Im ersten Stock habe ich alle Schienen aufbewahrt, die Lokomotive, die kleinen Bahnhöfe, sogar die Gebrauchsanleitung; weil ich eine Eisenbahn hatte, die mir nicht wirklich gehörte, mit der ich nicht spielte. Es wäre besser gewesen, sie wäre kaputtgegangen wie andere Spielsachen, die ich als Kind bekommen habe und an die ich mich nicht mehr erinnern kann, weil ich sie kaputtgemacht habe, weil man als Kind die Welt voller Leidenschaft entdeckt und dabei vieles kaputtmacht. Diese unversehrte Eisenbahn jedoch erinnert mich immer an einen ungelebten Teil meiner Kindheit, weil die Eisenbahn zu wertvoll oder mein Vater anderweitig beschäftigt war. Oder vielleicht weil mein Vater jedes Mal, wenn er die Eisenbahn aufbaute, Angst hatte, mich seine Liebe spüren zu lassen."

Maria starrte ins Feuer. Etwas war geschehen – aber es lag nicht am Wein oder der gemütlichen Atmosphäre. Es hing mit der Übergabe der Geschenke zusammen.

Ralf wandte sich dem Kamin zu. Sie schwiegen und lauschten dem Knistern des Feuers. Sie tranken Wein, als wäre es nicht wichtig, etwas zu sagen, zu reden, zu tun. Einfach nur dasein, einer beim anderen und in dieselbe Richtung schauen.

"Ich habe viele unversehrte Eisenbahnen in meinem Leben", sagte Maria nach einer Weile. "Eine davon ist mein Herz. Ich habe auch damit gespielt, wenn die anderen die Schienen aufbauten, und es war nicht immer der richtige Moment."

"Aber du hast geliebt?"

"Ja, ich habe geliebt, ich habe sehr geliebt. Ich habe so sehr geliebt, dass ich, als ich meiner ersten Liebe nicht gegeben habe, was sie wollte – einen Bleistift -, geflohen bin."

"Das verstehe ich nicht."

"Das brauchst du auch nicht. Ich bringe dir etwas bei, was auch ich erst lernen musste: Schenken. Das Schenken von etwas, was einem gehört. Einem anderen etwas geben, bevor man ihn um etwas Wichtiges bittet. Du hast meinen Schatz: Den Kugelschreiben, mit dem ich einige meiner Träume aufgeschrieben habe. Ich habe deinen Schatz: Einen Eisenbahnwagen, einen Teil deiner Kindheit, den du nicht gelebt hast.

Ich habe jetzt einen Teil deiner Vergangenheit und du einen Teil meiner Gegenwart. Und das ist schön."

Sie sagte das alles wie selbstverständlich, ohne sich über sich selbst zu wundern, als hätte sie schon lange gewusst, dass dies die beste und einzige Art zu handeln war.....

 

"Obwohl wir uns nicht ausgezogen haben und ich nicht in dich eingedrungen bin, dich nicht einmal angefasst habe, haben wir uns geliebt."

Sie lachte. Er erbot sich, sie nach Hause zu bringen, aber Maria lehnte ab.

"Ich werde dich morgen im >Copacabana< besuchen."

"Tu's nicht. Warte eine Woche. Ich habe gelernt, dass Warten das Schwierigste ist, und möchte mich auch daran gewöhnen; ich möchte spüren, dass du bei mir bist, selbst wenn ich dich nicht an meiner Seite habe."....

 

Auszug aus Marias Tagebuch, an dem Abend geschrieben, als sie den Eisenbahnwaggon geschenkt bekam:

Das tiefe Begehren, das realste Begehren ist dann in einem, wenn man  zum ersten Mal auf jemanden zugeht. Das löst das Knistern aus. Danach erst kommen Mann und Frau ins Spiel. Aber das, was zuvor geschah – was die gegenseitige Anziehung auslöste -, kann man nicht erklären. Es ist das Begehren in seiner ursprünglichen, reinsten Form.

Wenn das Begehren in diesem ursprünglichen Zustand ist, verlieben sich Mann und Frau in das Leben, kosten sie jeden Augenblick ehrfürchtig und ganz bewusst aus und feiern jeden dieser Augenblicke wie eine Segnung.

Solche Menschen kennen keine Eile, sie überstürzen nichts, tun nichts Unbedachtes. Sie wissen, dass das Unausweichliche geschieht, dass die Wahrheit immer wirksam wird. Sie packen jede Gelegenheit beim Schopf und lassen keinen magischen Augenblick ungenutzt verstreichen, weil sie wissen, wie wichtig jede einzelne Sekunde ist......

 

 

Aus Marias Tagebuch, gleich nachdem sie das langweilige Buch zur Seite gelegt hat:

Ich bin einem Mann begegnet und habe mich in ihn verliebt. Ich habe es aus einem einfachen Grund zugelassen: Ich erhoffe mir nichts. Ich weiß, dass ich in drei Monaten über alle Berge sein werde. Ralf wird dann nur noch eine Erinnerung sein. Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten ohne Liebe; ich bin an meine Grenzen gestoßen.

Ich schreibe gerade eine Geschichte für Ralf. Ob er je wieder in den Nachclub kommen wird, weiß ich nicht, aber zum ersten Mal in meinem Leben ist mir das vollkommen egal. Es reicht, dass ich ihn liebe, in Gedanken bei ihm bin, in dieser schönen Stadt, die er mit seinen Schritten, seinen Worten, seiner Zärtlichkeit lebendiger macht. Wenn ich dieses Land verlasse, wird es ein Gesicht, einen Namen haben und in meiner Erinnerung mit einem Abend am Kaminfeuer verbunden sein. Alles, was ich sonst hier erlebt habe, wird neben dieser Erinnerung verblassen.

Ich würde mich gern für das bei ihm revanchieren, was er für mich getan hat. Ich habe lange nachgedacht und herausgefunden, dass ich nicht zufällig  in dieses Cafe gegangen bin; die wichtigsten Begegnungen sind von den Seelen abgemacht, noch bevor die Körper sich sehen.

Im allgemeinen ereignen sich diese Begegnungen, wenn wir an eine Grenze gelangen, wenn wir emotional sterben und wiedergeboren werden müssen. Die Begegnungen warten auf das – aber meistens versuchen wir zu verhindern, dass sie sich ereignen. Wenn wir verzweifelt sind und nichts mehr zu verlieren haben oder wenn wir  begeistert sind, dann manifestiert sich das Unbekannte, und unser Universum ändert seine Wegrichtung.

Alle können lieben, denn sie wurden mit dieser Gabe geboren. Einige Menschen lieben von Anfang an richtig, aber die meisten müssen es erst wieder lernen, müssen sich daran erinnern, wie man liebt, und ausnahmslos alle müssen auf dem Scheiterhaufen ihrer vergangenen Gefühle brennen und Freuden und Schmerzen, Höhen und Tiefen wiedererleben, bis sie den roten Faden erkenn, der unsere Begegnungen miteinander verknüpft; ja, es gibt diesen roten Faden.

Und dann lernen die Körper die Sprache der Seele: Sex. Damit kann ich mich bei dem Mann revanchieren, der mir meine Seele zurückgegeben hat, obwohl er nicht weiß, wie wichtig er für mein Leben geworden ist. Er hat mich darum gebeten, und ich werde es ihm geben; ich möchte, dass er sehr glücklich wird.

 

 

  

 

 

 Wer liebt, dem wachsen Flügel
(Gabriel Barylli)

 

 

Gabriel Barylli zeigt, dass es sich immer lohnt, für das Wunder der Liebe zu kämpfen.

 

Der Mensch hat eine Ursehnsucht danach, in ein anderes Paar Menschenaugen zu blicken. Er will die Wärme einer menschlichen Haut, er will Atemzüge hören, eine Stimme vibrieren fühlen, er will Nähe und Distanz, Auseinandersetzung und Hingabe (...)

Es ist glutvolles Leben, das uns herausfordert und nicht zulässt, dass wir in unseren Isolationskuppeln verkümmern. All das ist die wahre Menschensehnsucht, und all das heißt: Leben

 

Die Liebe ist absolut. Die Liebe ist die Sonne der Seele. Die Seele ist absolut. Alles, was wir brauchen, ist Liebe. Alle scheitern nur an der Liebe. Warum? Weil wir die Formen der Liebe mit der Liebe an sich verwechseln. Wir verwechseln die Art und Weise, wie wir das Gefühl der Liebe leben, mit der Liebe.

 

Für alle, die sich die Liebe als wundervolles Geschenk des Lebens bewahren wollen.

 

 

 

 

Glauben Sie an Schicksal? Ich schon... Wir könnten uns jetzt lange darüber unterhalten, was wir darunter verstehen - Sie sind vielleicht abweichender Meinung im Vergleich zu meiner Definition - aber - lassen Sie es mich so sagen: Ich glaube, dass das Leben zumindest schicksalhaft in Sprüngen vor sich geht. Sie kennen ja sicher die Einsicht der Atomwissenschaft, die erkannt hat, dass Elektronen auf Bahnen um ihren Atomkern kreisen... Gut...

Wenn man nun einem Atom Energie zuführt, springt das Elektron von einer Umlaufbahn auf die nächsthöhere. Das nennt man den berühmten Quantensprung. Hört man mit der Energiezufuhr wieder auf, fällt das arme Elektron auch sofort wieder in seine Ausgangsposition zurück. Ich glaube fest daran, dass es im menschlichen Leben Zeiten gibt, in denen uns das, was man das Schicksal nennen könnte, eine neue Dimension eröffnen will. Auf einem nicht zu benennenden Weg erhalten wir auf unserem Lebensflug mit einem Mal einen Energieschub, und die Formen des alltäglichen Lebens verändern sich dramatisch auf eine andere Ebene hin. Für diesen Vorgang, der sich sehr unbemerkt im Inneren der Seele eines Menschen abspielt, hält das Leben auf unserem materiellen Planeten dann lustigerweise äußere Zeichen bereit, an denen man ablesen kann, dass ein Mensch soeben einen seelischen Quantensprung vollzogen hat.

 

 

Wie diese Metamorphose zustande kommt, entzieht sich meiner Erkenntnis, es ist nur tatsächlich so, dass die Füllung in der Sekunde, in der sich die Lippen schließen, im Mund weich, sanft und zu einer fast flüssigen Creme mutiert. Diese Creme entfaltet ein Aroma aus Vanille, Milch, feinem Zucker und ein bis zwei Gewürzen, die seit vielen Jahren geheim gehalten werden. Ist eine minimalste Prise Kardamom dabei? Ich werde es nie erfahren. Einmal habe ich versucht, den Besitzer im Lauf eines langen Gespräches über die antiken Bilder an den Wänden seines Etablissements unmerklich zur Preisgabe der Rezeptur zu drängen. Mit verstehendem Lächeln ist er elegant ausgewichen und hat mich darüber belehrt, dass es manchmal so ist, dass Nichtwissen ein größeres Vergnügen bereiten kann, als die bis ins Allerheiligste vordringende Analyse. Ich habe diesem Mann nach einem ersten Sträuben recht gegeben. Was würde es mir auch bringen, die letzten Geheimnisse des Café Tomaselli zu erfahren? Würde ich hingehen, um diese Cremeschnitte bei mir nachzukochen? Nein. Würde ich das Rezept veröffentlichen, damit einige Dilettanten in billigen Wirtshäusern sich mit der Original-Tomaselli-Cremeschnitte brüsten könnten? Nein. Also - wozu, wozu muss ich alles wissen?

Ist es nicht viel schöner, jedes Mal aufs neue eine Pilgerschaft anzutreten, um diesem Geheimnis zu begegnen? Ist es nicht viel aufregender, nach vielen, vielen Jahren immer noch nicht alles zu wissen von dem Gegenstand der Begierde? Ist es nicht anspornend, immer wieder aufs neue zu vermuten und zu hoffen, anstatt alles zu wissen? Und ist es mit einer Beziehung zu einem Menschen, den man liebt, nicht genauso? Ist ein Mensch, den man liebt,  nicht mit einer Blume zu vergleiche, deren Duft uns über die Mühsal des Lebens auf diesem Planeten hinwegfliegen hilft? Wenn wir staunend den Duft einer Rose wahrnehmen, die strahlend auf unserer Lebenswiese glüht, gehen wir dann hin und suchen den Duft? Gehen wir hin und versuchen, das Rätsel des Duftes durch analysierendes Anstarren zu lösen? Gehen wir hin und reißen der Rose jedes einzelne ihrer Blütenblätter aus und zerlegen dann das innerste, geheimnisvollste, verborgene Herz der Blume, um zu wissen, wie das Geheimnis ihres Duftes buchstabiert werden kann?

 

 

  

 

 

Kafka am Strand
(Haruki Murakami)

 

 

Kafka am Strand ist der ungewöhnlichste Entwicklungs- und Liebesroman, den wir bisher von Japans Kultautor gelesen haben: zeitlos und ortlos, voller Märchen und Mythen, zwischen Traum und Wirklichkeit – und dabei voller Weisheit.
Kafka am Strand ist in Japan seit seinem Erscheinen ein Bestseller. In Deutschland wird die erste Übersetzung erscheinen.


„Als mein fünfzehnter Geburtstag gekommen war, ging ich von zu Hause fort, um in einer fernen, fremden Stadt in einem Winkel einer kleinen Bibliothek zu leben. Wenn ich alles der Reihe nach erzähle, brauche ich dafür wahrscheinlich eine Woche. Wenn ich stattdessen zunächst nur die wichtigen Punkte aufführe, dauert es ungefähr genauso lange. Das klingt vielleicht wie der Beginn eines Märchens. Aber es ist kein Märchen. In keinem Sinne.“

Der Erzähler dieser Zeilen heißt Kafka Tamura und seine Reise führt in Wirklichkeit aus der realen Welt hinaus in sein eigenes Inneres, entlang an den Ufern des Bewusstseins. Eine schicksalhafte Prophezeiung, der Geschichte von Ödipus gleich, lenkt Kafkas labyrinthischen Weg.
„Kafka am Strand“ heißt das Bild an der Wand von Saeki, der rätselhaften Leiterin jener kleinen Bibliothek. Und „Kafka am Strand“ heißt auch der Song aus der Zeit, als Saeki noch Pianistin war und einen jungen Mann leidenschaftlich liebte, sie waren ein Paar wie Romeo und Julia.
Die Wege des Erzählers Kafka kreuzen sich auf geheimnisvolle Weise mit den ihren und denen eines alten Mannes, der die Sprache der Katzen versteht und Spuren folgt, die in eine andere Welt weisen.

 

 

Leseprobe:

 

Der Junge namens Krähe

»An Geld bist du jetzt auch irgendwie gekommen, ja?«, sagt der Junge namens Krähe in seiner üblichen, etwas schwerfälligen Sprechweise, als wäre er gerade aus dem Tiefschlaf erwacht und als funktionierten seine Sprechmuskeln noch nicht richtig. Aber das ist reine Attitüde, in Wirklichkeit ist er hellwach. Wie immer.
Ich nicke.
»Wie viel ungefähr?«
Ich überschlage die Summe noch einmal im Kopf.
»Ungefähr 400 000* in bar. Außerdem kann ich noch ein bisschen mit der Karte vom Bankkonto ziehen. Natürlich wird das nicht ewig reichen, aber für den Anfang geht’s doch, oder?«
»Nicht schlecht«, sagt Krähe. »Für den Anfang …«
Ich nicke.
»Aber das ist doch nicht das Geld, das dir der Weihnachtsmann letztes Jahr gebracht hat, oder?«
»Nein«, sage ich.
Krähe verzieht ironisch die Lippen und sieht sich um. »Es stammt aus irgendjemandes Schublade hier – könnte das sein?«
Ich gebe keine Antwort. Natürlich weiß er ganz genau, woher das Geld kommt. Er braucht gar nicht so drumherum zu fragen. Das tut er nur, um mich aufzuziehen.
»Schon gut«, sagt Krähe. »Du brauchst ja Geld. Dringend. Irgendwie musstest du es ja in die Finger bekommen. Leihen, erschwindeln, stehlen… egal wie. Es gehört doch sowieso deinem Vater. Für den Anfang wirst du schon zurechtkommen. Aber was gedenkst du zu tun, wenn die 400 000 aufgebraucht sind? Geld wächst nicht von alleine im Portemonnaie nach wie Pilze im Wald. Du musst essen und irgendwo schlafen. Irgendwann ist es dann alle.«
»Das überlege ich mir, wenn es so weit ist«, sage ich.
»Das überlege ich mir, wenn es so weit ist«, äfft Krähe mich nach und breitet die Handflächen aus, wie um das Gewicht meiner Worte zu ermessen.
Ich nicke.
»Zum Beispiel Arbeit suchen oder was?«
»Vielleicht.«
Krähe schüttelt den Kopf. »Dazu musst du das Leben erst mal besser kennen. Wie soll denn ein fünfzehnjähriger Junge in einer fremden Gegend einen Job finden? Du hast ja nicht mal die Schulpflicht erfüllt. Wer wird so jemanden schon einstellen?«
Ich erröte ein bisschen. Ich werde immer gleich rot.
»Ist ja schon gut«, sagt Krähe. »Außerdem bringt die ganze Schwarzseherei nichts, wenn man noch nicht mal angefangen hat. Du hast dich entschieden, jetzt musst du deinen Entschluss in die Tat umsetzen. Schließlich ist es dein Leben. Konkret bleibt dir nichts anderes übrig, als das zu tun, was du vorhast.«
Genau, immerhin ist das mein Leben.
»Aber vor allem musst du jetzt stark werden.«
»Ich gebe mir Mühe.«
»Stimmt«, sagt Krähe. »In den letzten Jahren bist du ganz schön kräftig geworden. Das kann ich nicht leugnen.«
Ich nicke.
»Allerdings bist du erst fünfzehn«, sagt Krähe. »Dein Leben hat, gelinde ausgedrückt, gerade erst begonnen. Die Welt ist voll von Dingen, denen du noch nie begegnet bist. Von denen du überhaupt noch keine Vorstellung hast.«
Wie üblich sitzen wir nebeneinander auf dem alten Ledersofa im Arbeitszimmer meines Vaters. Krähe schätzt diesen Raum sehr. Er liebt die kleinen Gegenstände, die es hier gibt. Gerade spielt er mit einem gläsernen Briefbeschwerer, der die Form einer Biene hat. Natürlich lässt er sich nicht blicken, wenn mein Vater zu Hause ist.
»Eins steht jedenfalls fest«, sage ich, »ich muss hier raus. Daran ist nicht zu rütteln.«
»Mag sein«, pflichtet Krähe mir bei. Er legt den Briefbeschwerer auf den Tisch und verschränkt die Hände hinter dem Kopf. »Aber das ist keine Lösung für alles. Ich will deinen Entschluss nicht ins Wanken bringen, aber ich weiß nicht, ob du dem Ganzen wirklich entkommen kannst, auch wenn du noch so weit fährst. Du solltest dir nicht allzu viel von der Entfernung versprechen.«
Ich denke über die Entfernung nach. Krähe drückt sich seufzend die Fingerkuppen auf beide Augenlider. Dann spricht er mich aus dem Dunkel seiner geschlossenen Augen an.
»Spielen wir unser Spiel?«
»Einverstanden.« Ich schließe ebenfalls die Augen und atme langsam und tief ein.
»Also gut, stell dir einen grausamen Sandsturm vor«, sagt er. »Und vergiss alles andere.«
Wie geheißen, stelle ich mir einen tobenden Sandsturm vor. Und vergesse alles andere. Sogar mich selbst. Ich werde völlig leer. Sofort taucht er vor mir auf. Wie schon so oft erleben Krähe und ich so etwas gemeinsam auf dem alten Ledersofa im Arbeitszimmer meines Vaters.
Hin und wieder hat das Schicksal Ähnlichkeit mit einem örtlichen Sandsturm, der unablässig die Richtung wechselt, erklärt mir Krähe.

Hin und wieder hat das Schicksal Ähnlichkeit mit einem örtlichen Sandsturm, der unablässig die Richtung wechselt. Sobald du deine Laufrichtung änderst, um ihm auszuweichen, ändert auch der Sturm seine Richtung, um dir zu folgen. Wieder änderst du die Richtung. Und wieder schlägt der Sturm den gleichen Weg ein. Dies wiederholt sich Mal für Mal, und es ist, als tanztest du in der Dämmerung einen wilden Tanz mit dem Totengott. Dieser Sturm ist jedoch kein beziehungsloses Etwas, das irgendwoher aus der Ferne heraufzieht. Eigentlich bist der Sandsturm du selbst. Etwas in dir. Also bleibt dir nichts anderes übrig, als dich damit abzufinden und, so gut es geht, einen Fuß vor den anderen zu setzen, Augen und Ohren fest zu verschließen, damit kein Sand eindringt, und dich Schritt für Schritt herauszuarbeiten. Vielleicht scheint dir auf diesem Weg weder Sonne noch Mond, vielleicht existiert keine Richtung und nicht einmal die Zeit. Nur winzige, weiße Sandkörner, wie Knochenmehl, wirbeln bis hoch hinauf in den Himmel. So sieht der Sandsturm aus, den ich mir vorstelle.


Ich stelle mir diesen Sandsturm vor. Ein bleiche Windhose steigt in den Himmel wie ein dickes gerades Seil. Mit beiden Händen halte ich mir Augen und Ohren zu, damit die winzigen Sandkörner nicht in meinen Körper eindringen. Der Sandsturm rast auf mich zu, sodass ich den Luftdruck schon von Weitem auf meiner Haut spüren kann. Schon droht er, mich zu verschlingen.
Nach einer Weile legt Krähe sacht seine Hand auf meine Schulter. Der Sandsturm verebbt, doch ich halte die Augen weiter geschlossen.
»Von nun an musst du der stärkste fünfzehnjährige Junge auf der Welt werden. Komme, was wolle. Eine andere Überlebenschance hast du nicht. Du musst begreifen, was Stärke wirklich bedeutet. Verstehst du?«
Ich antworte nicht. Am liebsten würde ich, seine Hand auf meiner Schulter, behaglich einschlafen. Ich spüre einen sanften Flügelschlag an meinem Ohr.
»Von nun an wirst du zum stärksten Fünfzehnjährigen der Welt«, sagt Krähe mir noch einmal leise ins Ohr, derweil ich schon in den Schlaf hinüber gleite. Doch seine Worte sind mir wie mit dunkelblauen Zeichen ins Herz tätowiert.
Natürlich kommst du durch. Durch diesen tobenden Sandsturm. Diesen metaphysischen, symbolischen Sandsturm. Doch auch wenn er metaphysisch und symbolisch ist, wird er dir wie mit tausend Rasierklingen das Fleisch aufschlitzen. Das Blut vieler Menschen wird fließen, auch dein eigenes. Warmes, rotes Blut. Du wirst dieses Blut mit beiden Händen auffangen. Es ist dein Blut und das der vielen.

Und wenn der Sandsturm vorüber ist, wirst du kaum begreifen können, wie du ihn durchquert und überlebt hast. Du wirst auch nicht sicher sein, ob er wirklich vorüber ist. Nur eins ist sicher. Derjenige, der aus dem Sandsturm kommt, ist nicht mehr derjenige, der durch ihn hindurchgegangen ist. Darin liegt der Sinn eines Sandsturms.

Als mein fünfzehnter Geburtstag gekommen war, ging ich von zu Hause fort, um in einer fernen, fremden Stadt in einem Winkel einer kleinen Bibliothek zu leben.
Um alles der Reihe nach zu erzählen, brauche ich wahrscheinlich eine Woche. Auch nur die wichtigsten Punkte aufzuführen, würde ungefähr genauso lange dauern. Als mein fünfzehnter Geburtstag gekommen war, ging ich von zu Hause fort, um in einer fernen, fremden Stadt in einem Winkel einer kleinen Bibliothek zu leben. Das klingt vielleicht wie der Beginn eines Märchens. Aber es ist kein Märchen. In keinem Sinne.


Als ich fortgehe, nehme ich nicht nur, ohne zu fragen, Geld aus dem Arbeitszimmer meines Vaters, sondern auch ein kleines goldenes Feuerzeug (dessen Design und Gewicht mir gefallen) und ein Klappmesser mit einer scharfen Schneide. Es dient zum Häuten von Hirschen und liegt gut und schwer in der Hand. Die Klinge ist zwölf Zentimeter lang. Vielleicht ein Souvenir von einer Auslandsreise. Außerdem nehme ich noch eine starke Taschenlampe aus der Schreibtischschublade. Seine Sonnenbrille brauche ich, um mein Alter zu kaschieren. Eine dunkelblaue Rebo-Sonnenbrille.
Ich überlege, ob ich auch die geliebte Sea Oyster-Rolex meines Vaters mitnehmen soll, entscheide mich aber am Ende dagegen. Die Schönheit der Uhr als Maschine verlockt mich, aber ein so kostspieliges Ding kann unnötige Aufmerksamkeit erregen. Vom praktischen Standpunkt genügt die Plastik-Casio mit Stoppuhr und Wecker, die ich ständig am Arm trage. Sie ist auch leichter zu bedienen. Ich lege die Rolex wieder in die Schublade zurück.
Außerdem nehme ich ein Kinderfoto von mir und meiner älteren Schwester mit, das sich ebenfalls in der Schreibtischschublade befindet. Wir beide stehen an einem Strand und lachen vergnügt. Meine Schwester schaut zur Seite, und die eine Hälfte ihres Gesichts liegt im Schatten. Deshalb erscheint es wie in der Mitte geteilt. Wie eine griechische Theatermaske, von der ich ein Bild in einem Schulbuch gesehen habe, trägt ihr Gesicht zwei Bedeutungen. Licht und Schatten. Hoffnung und Verzweiflung. Lachen und Trauer. Vertrauen und Einsamkeit. Ich hingegen blicke unbefangen direkt in die Kamera. Außer uns beiden ist an dem Strand niemand zu sehen. Wir haben Schwimmkleidung an, meine Schwester einen rotgeblümten Badeanzug und ich eine schäbige, blaue, ausgeleierte Badehose. Ich halte etwas in der Hand, das aussieht wie ein Plastikstock. Der weiße Schaum der Wellen umspült unsere Füße.
Wer wohl dieses Foto wo und wann aufgenommen hat? Warum mache ich ein so vergnügtes Gesicht? Warum hat mein Vater gerade dieses Foto aufbewahrt? Rätsel über Rätsel. Ich bin wahrscheinlich drei und meine Schwester ungefähr neun. Offensichtlich haben wir uns sehr gut verstanden. Ich habe nicht die geringste Erinnerung an einen Familienausflug ans Meer. Überhaupt erinnere ich mich nicht daran, jemals irgendwohin gefahren zu sein. Keinesfalls will ich meinem Vater die alte Fotografie lassen, also stecke ich sie in meine Brieftasche. Von meiner Mutter gibt es keine Aufnahmen. Wahrscheinlich hat mein Vater sie alle weggeworfen.
Nach kurzem Zögern beschließe ich, auch das Mobiltelefon mitzunehmen. Wahrscheinlich wird mein Vater, wenn er sein Fehlen bemerkt, den Vertrag bei der Telefongesellschaft sowieso gleich kündigen. Es wäre dann zu nichts mehr nütze. Dennoch packe ich es in meinen Rucksack. Das Ladegerät nehme ich auch mit. Immerhin ist das Zeug leicht. Wenn ich merke, dass das Handy tot ist, kann ich es immer noch fortwerfen.

Ich will nur das Allernotwendigste mitnehmen. Am schwierigsten ist die Kleiderfrage. Wie viel Unterwäsche werde ich brauchen? Wie viele Pullover? Hemden, Hosen, Handschuhe, Schal, Shorts, einen Mantel? Nachdem ich einmal angefangen habe, darüber nachzudenken, wird die Liste immer länger. Eins ist jedoch klar: Schleppe ich zuviel mit mir herum, wird man mir den Ausreißer gleich ansehen. So kann ich nicht in einer fremden Gegend herumlaufen, ohne sofort Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Dann werde ich von der Polizei aufgegriffen und postwendend nach Hause zurückgeschickt. Oder ich falle irgendwelchen Finsterlingen in die Hände.
Lieber nicht in eine kalte Gegend fahren, ist meine nächste Schlussfolgerung. Ganz einfach. Also begebe ich mich eben in wärmere Gefilde. Dann brauche ich auch keinen Mantel. Handschuhe auch nicht. Wenn ich mich nicht vor Kälte schützen muss, reduziert sich die Menge der notwendigen Kleidungsstücke um die Hälfte. Ich wähle möglichst leichte, dünne Sachen, die sich problemlos waschen lassen und schnell trocknen, und stopfe sie klein gefaltet in den Rucksack. Außer den Sachen zum Anziehen nehme ich meinen Drei-Jahreszeiten-Schlafsack mit, den ich so fest zusammenrolle, dass keine Luft mehr darin ist, einen einfachen Waschbeutel, ein Regencape, Heft und Kugelschreiber, einen Mini-Discman von Sony, mit dem man aufnehmen kann, zehn CDs (Musik brauche ich unbedingt) und einen Extrasatz aufladbare Batterien. Auf einen Campingkocher verzichte ich. Zu schwer und zu sperrig. Lebensmittel kann ich im Supermarkt kaufen. Es dauert eine Weile, bis die Liste der Dinge, die ich mitnehmen werde, auf annehmbare Länge geschrumpft ist. Ein ums andere Mal schreibe ich Dinge dazu, bloß um sie wieder zu streichen.

Mein fünfzehnter Geburtstag erscheint mir als ein passender Zeitpunkt für meine Flucht. Davor ist es zu früh, danach vielleicht zu spät.
In den zwei Jahren, die ich bis jetzt auf der Mittelschule bin, habe ich intensiv für diesen Tag trainiert. Seit der Grundschule bin ich in einem Judo-Verein, den ich auch als Mittelschüler weiter besuche. An den sportlichen Aktivitäten an meiner Schule nehme ich allerdings nicht teil. Wenn ich Zeit habe, drehe ich einsame Runden auf dem Sportplatz, schwimme oder treibe Kraftsport an den Geräten im kommunalen Turnverein. Die jungen Trainer dort zeigen mir, wie man richtig dehnt und an den Geräten arbeitet. Wie kann ich die Leistung aller meine Muskeln gleichmäßig steigern? Welche Muskeln benutze ich im täglichen Leben und welche kann ich nur durch Kraftsport aufbauen? Was ist die korrekte Haltung auf den Bänken? Glücklicherweise bin ich von Natur aus groß, und dank meines täglichen Trainings habe ich breite Schultern und einen muskulösen Brustkorb entwickelt. Fremde würden mich mittlerweile wahrscheinlich auf mindestens siebzehn schätzen. Mit der äußeren Erscheinung eines Fünfzehnjährigen bekäme ich garantiert überall Probleme.
Außer mit den Trainern im Sportverein und der Haushaltshilfe, die jeden zweiten Tag zu uns kommt und ein paar beiläufige Worte mit mir wechselt, sowie bei ein paar unvermeidlichen Gesprächen in der Schule, rede ich mit fast niemandem. Meinen Vater bekomme ich seit eh und je nur selten zu Gesicht. Obwohl wir in einem Haus leben, haben wir einen sehr unterschiedlichen Lebensrhythmus. Mein Vater ist fast den ganzen Tag in seinem Atelier. Unnötig zu erwähnen, dass ich stets darauf bedacht bin, ihm so wenig wie möglich zu begegnen.
Die Schule, auf die ich gehe, ist eine Privatschule, die zum Großteil von Kindern aus besseren oder zumindest wohlhabenden Familien besucht wird. Solange man keinen allzu großen Unsinn fabriziert, kann man sie bis zum Abitur besuchen. Alle dort haben gerade Zähne, sind adrett gekleidet und reden langweiliges Zeug. Natürlich bin ich in meiner Klasse bei keinem beliebt. Um mich herum habe ich eine hohe Mauer gezogen, hinter der ich mich verschanze. Anderen verweigere ich jeden Zutritt. So einen mag natürlich niemand. Meine Mitschüler meiden mich und betrachten mich mit Argwohn. Oder sie finden mich unangenehm oder fürchten sich vielleicht sogar ab und zu vor mir. Aber eigentlich bin ich fast dankbar, wenn niemand mich beachtet. Denn das, was ich allein tun muss, türmt sich vor mir auf wie ein Berg. Meine Freizeit verbringe ich in der Schulbibliothek, wo ich ein Buch nach dem anderen verschlinge.
Dem Unterricht hingegen folge ich mit großem Eifer, denn das hat mir Krähe besonders ans Herz gelegt.

Wahrscheinlich bist du der Ansicht, dass das Wissen und die Fähigkeiten, die an der Mittelschule gelehrt werden, dir für dein gegenwärtiges Leben nichts nützen. Und dass die meisten deiner Lehrer Volltrottel sind. Kann ich verstehen. Du hast sogar Recht, aber: Du wirst von zu Hause fortgehen. Deshalb solltest du, solange sich dir noch die Gelegenheit bietet, sicherheitshalber so viel Stoff abspeichern, wie du kannst, ob es dir nun gefällt oder nicht. Wie Löschpapier aufsaugen. Was du davon behältst und was du verwirfst, kannst du später immer noch entscheiden.

 

 

 

 

Wie ein einziger Tag

(Nicholas Sparks)

 

Als Noah und Allie sich nach Jahren der Trennung begegnen, fühlen sie sich sofort wieder leidenschaftlich zueinander hingezogen. Aber inzwischen ist Allie mit Lon verlobt, einem erfolgreichen Anwalt. Drei Wochen vor ihrer Hochzeit sieht sich Allie vor einer schweren Entscheidung: Soll sie der Stimme der Vernunft oder ihres Herzens folgen? Das Wiedersehen von Noah und Allie steht am Anfang einer dramatischen Liebesgeschichte, die schließlich eine unerwartete Wendung nimmt. Dabei zeigt sich die Liebe in ihrer reinsten Form, voller zärtlicher Momente und tiefer Gefühle.

Wie ein einziger Tag – eine Liebesgeschichte voller Poesie.

 

 

Leseprobe:

 

S. 133

Sie dachte an den Abend zurück, als sie sich zum letzten Mal so in den Armen gehalten hatten. Sie saßen auf dem Flussdeich des Neuse River, und sie weinte, weil sie meinte, nie wieder so glücklich sein zu können. Statt zu antworten, hatte er ihr einen Zettel in die Hand gedrückt, den sie auf der Heimfahrt gelesen hatte. Sie hatte ihn aufbewahrt und immer wieder gelesen, vor allem eine Passage daraus. Und die Zeilen, die sie wohl hundertmal gelesen hatte und fast auswendig kannte, kamen ihr jetzt in den Sinn. Sie lauteten:

Dass die Trennung so wehtut, liegt daran, dass unsere Seelen verbunden sind. Vielleicht haben wir tausend Leben vor diesem gelebt und haben uns in jedem Leben gefunden. Und vielleicht sind wir in jedem dieser Leben aus dem gleichen Grund getrennt worden. Das würde bedeuten, dass dieser Abschied zugleich ein Abschied der letzten Zehntausende von Jahren ist und ein Vorspiel zu dem, was vor uns liegt.

Wenn ich dich anschaue, sehe ich deine Schönheit und Anmut und weiß, dass du mit jedem gelebten Leben stärker geworden bist. Und ich weiß, dass ich dich in jedem Leben gesucht habe. Nicht jemanden wie dich, sondern dich, denn deine Seele und die meine sind dazu bestimmt, sich immer wiederzufinden. Doch aus einem Grund, den keiner von uns versteht, sind wir gezwungen, Abschied zu nehmen.

Ich würde dir gern sagen, dass sich alles für uns zum Guten wendet, und verspreche dir, mein Möglichstes dafür zu tun. Aber wenn wir uns trotzdem nicht wiedersehen und dies ein Abschied für immer ist, so weiß ich doch, dass wir uns in einem anderen Leben wieder begegnen werden Wir werden uns wiederfinden, und vielleicht stehen die Sterne dann günstiger für uns, und wir werden uns dann nicht nur dieses eine Mal lieben, sondern immer und ewig.

War das möglich? fragte sie sich. Könnte er recht haben?

Sie hatte es nie als unmöglich abgetan, hatte Halt gesucht an dieser Hoffnung, einer Hoffnung, die ihr über eine schlimme Zeit hinweggeholfen hatte. Aber ihr jetziges Beisammensein schien die Theorie bestätigen zu wollen, dass es ihnen bestimmt war, für immer getrennt zu sein. Es sei denn, die Sterne standen günstiger für sie als bei ihrem letzten Beisammensein.

 

S. 169

"Ich möchte dich noch etwas anderes fragen", sagt sie.

"Was immer es ist, ich versuche, eine Antwort darauf zu geben."

"Es ist aber schwer."

Sie schaut mich nicht an, und ich kann ihre Augen nicht sehen. Das ist ihre Art, ihre Gedanken vor mir zu verbergen. Manche Dinge ändern sich nie.

"Nimm dir Zeit", sage ich. Ich weiß, was sie fragen wird.

Schließlich wendet sie sich mir zu und schaut mir in die Augen. Sie schenkt mir ein sanftes Lächeln, ein Lächeln wie für ein Kind, nicht für einen Liebenden.

"Ich möchte deine Gefühle nicht verletzen, weil du so nett zu mir gewesen bist, aber..."

Ich warte. Ihre Worte werden mir weh tun. Sie werden ein Stück aus meinem Herzen reißen und eine Wunde hinterlassen.

"Wer bist du?"

 

S. 177

Meine Welt drehte sich im Kreise, und ich spürte, wie Allie meinen Arm immer fester umklammerte. Sie flüsterte, wie zu sich selbst: "O Noah..., Noah..."

Und als ihre Tränen zu fließen begannen, hörte ich wieder die Worte.

 

"...Alzheimer..."

 

Es ist eine öde Krankheit, leer und leblos wie eine Wüste. Sie ist ein Dieb, stiehlt Herz, Seele und Gedächtnis. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, als sie an meiner Brust schluchzte, darum hielt ich sie nur umschlungen, wiegte sie stumm hin und her.

Der Arzt war ein guter Mann, und dies war schwer für ihn. Er war jünger als mein jüngster Sohn, und ich fühlte mein Alter in seiner Gegenwart. Mein Geist war verwirrt, meine Gefühle erschüttert, und das einzige, was ich denken konnte, war:

 

Kein Ertrinkender hat je erkannt, durch welchen Tropfen sein Atem schwand.

 

Worte eines klugen Dichters, und doch waren sie mir kein Trost. Ich wusste weder, was sie bedeuten, noch, warum sie mir eingefallen waren.

 

S. 199

Als die Kerzen schon auf ein Drittel heruntergebrannt sind, bin ich so weit, das Schweigen zu brechen. "Ich liebe dich von ganzem Herzen", sage ich.

"Und ich hoffe, du weißt das."

"Natürlich weiß ich das"; sagt sie atemlos. "Ich habe dich immer geliebt, Noah."

"Noah", hallt es in meinem Kopf wider. "Noah".

Sie weiß es, denke ich im stillen. Sie weiß, wer ich bin...

Sie weiß es...

Eine Kleinigkeit nur, dieses Wissen, für mich aber ist es ein Geschenk Gottes, ist es alles, was mir in unserem gemeinsamen Leben noch etwas bedeutet.

"Noah, mein liebster Noah", murmelt sie.

Und ich, der ich die Worte der Ärzte nicht akzeptieren wollte, ich habe wieder einmal gesiegt, wenigstens für einen Augenblick. Ich verzichte auf alle Verstellung, küsse ihre Hand, führe sie an meine Wange und flüstere ihr ins Ohr: "Du bist das Schönste, das mir je im Leben widerfahren ist."

"O Noah", sagt sie mit Tränen in den Augen. "Ich liebe dich auch."

 

Wenn es doch nur so enden würde, ich wäre ein glücklicher Mensch.

Doch es wird so nicht enden, das weiß ich, denn mit der Zeit entdecke ich wieder die ersten Anzeichen von Unruhe in ihrem Gesicht.

"Was ist?" frage ich, und ihre Antwort ist fast ein Flüstern.

"Ich habe solche Angst. Angst, dich wieder zu vergessen. Es ist so grausam; ich will das hier nicht aufgeben."

Ihre Stimme bricht, und ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß, dass der Abend seinem Ende zugeht und dass ich nichts tun kann, um das Unvermeidliche aufzuhalten. Hier bin ich machtlos.

"Ich werde dich nie verlassen", antworte ich schließlich. "Was wir erlebt haben, ist ewig."

 

S. 201

Ich beteuere ihr zum letzten Mal an diesem Abend, dass ich sie liebe.

Und der Dieb erscheint.

Ich bin immer erstaunt, wie schnell es vor sich geht. Selbst jetzt noch, nach all dieser Zeit. Denn während sie mich noch umart hält, beginnt sie plötzlich  zu blinzeln und den Kopf zu schütteln. Dann starrt sie in eine Ecke des Zimmers, Angst in den Augen.

Nein! schreit es in mir. Noch nicht! Nicht jetzt, wo wir uns so nahe sind! Nicht heute Abend! Jeden anderen Abend, aber nicht jetzt... Bitte! Die Worte hallen in mir. Ich ertrage es nicht! Warum nur? Warum?

Aber wieder einmal ist es vergeblich.

 

 

 

 

 

Rezensionen:

 

... es ist soooo schön!


Manchmal im Leben gibt es Phasen, da sucht man Bücher, wie dieses. Sie sind Balsam für die Seele. Sie sind die Hoffnung, dass es doch so etwas wie die wahre, die bedingungslose Liebe gibt. Nicholas Sparks versteht es meisterlich, ein Thema zu verarbeiten, bei dem leicht Kitsch das Ergebnis sein kann. Bei ihm nicht! Er schafft es, die Hoffnung zu nähren, dass sich die Suche nach der Erfüllung all unserer Träume lohnt. Sparks hat ein Buch geschrieben, mit dem man sich gemütlich bei einer Kanne heißen Tees in sein Bett kuschelt und erst nach 204 Seiten, das Bewusstsein wieder erlangt, dass es eine andere Welt als die von Noah und Allie gibt ... die eigene ... und das Träumen kann beginnen.

 

 

 

 

 

Einfach unbeschreiblich schön...... Wahnsinn......


Dieses Buch gelesen zu haben, ist eine wahre Bereicherung gewesen. Noch nie wurde ich schon ab der ersten Seite von einer Geschichte so in ihren Bann gezogen; Noch nie hat es ein Buch geschafft mich so zu fesseln wie dieses! Sparks beschreibt damit das schönste Gefühl des Lebens so ergreifend, dass es schon unheimlich wird und man zum Schluss gar nicht glauben will, dass hier das Ende ist.
Noch nie hat es eine Geschichte geschafft, mich so zu berühren, mir so nahe zu gehen, dass ich das Buch nicht mehr weg legen wollte. Dieses Buch beschreibt das, wonach wohl jeder von uns in diesem Leben auf der Suche ist- die wahre und einzige Liebe. Und es lehrt uns sie nie wieder gehen zu lassen, wenn man sie einmal gefunden hat.
Sparks hat es mit seinem Buch geschafft, dass jeder von uns wieder ein bisschen hoffen darf, dass es sie gibt, die geheimnisvolle und wohl einzigartige Liebe- die große Liebe?
Er hat erreicht, dass wir alle wieder daran glauben, dass auch wir sie eines Tages finden können- unsere Liebe für's Leben!!

 

 

 

 

 

Wie kann ein Mann so etwas Schönes schreiben?


Faszinierend. Rührend. Einzigartig. Herzerweichend. Traumhaft schön. .....

Es gibt gar nicht genug Worte, mit denen man dieses Buch beschreiben könnte. Sparks beschreibt die einzigartige Liebe zwischen Noah und Allie so intensiv, dass man mit lebt. Man fühlt sich in die Welt der beiden versetzt und kann bis zum Ende nicht glauben, dass auch diese Liebe nicht gegen Krankheit und Tod resistent ist.

Aber nach den vielen Tränen, die ich am Ende des Buches vergossen habe, glaube ich fest daran, dass eine solche Liebe über unser Leben hinaus dauert. Und das schenkt uns Hoffnung, dass auch unser Leben und unsere Liebe nicht durch den Tod in dieser Welt beendet werden.

Nur eines kann ich immer noch nicht glauben: Ist es wirklich ein Mann, der in der Lage ist, eine solch schöne Geschichte auf diese Weise zu erzählen? Wenn ja, dann hat er mit einem Buch Tausenden Frauen auf der Welt das Herz gebrochen...

 

 

Nur mit Dir
(Nicholas Sparks)

Manchmal schweifen ihre Blicke in weite Ferne. dann reagiert sie verhalten, wenn mehr Leichtigkeit und Freude zu erwarten wäre. Jamie ist immer freundlich, manchmal bis zur Schmerzgrenze nett und hilfsbereit. Von Gleichaltrigen wird sie belächelt und von den Erwachsenen für ihre Güte bewundert... Landon, ein ziemlich cooler Klassenkamerad am College, stellt skeptisch fest, dass sie mal diese und mal jene Wirkung auf einen hat, aber nie eine normale. Jamie ist mit ihrer geradezu heiligen Aura, ihrer häufigen Entrücktheit und ihrem ätherischen Wesen schwer zu begreifen. Niemals hätte Landon gedacht, dass er sich in ein so seltsames Mädchen verlieben würde. Landon, der es liebt, Streiche auszuhecken, mit seinen Kumpels nachts auf Grabsteinen zu lümmeln und Erdnüsse zu essen oder den Pfarrer (der Jamies Vater ist) wegen seiner harschen Predigten gegen die Unzucht zu verlachen.

Doch das Unmögliche geschieht. Jamie stellt sich, während er, jetzt 57, in der Rückschau erzählt, als die größte Liebe seines Lebens heraus. Tragischer Weise ist ihr Glück nur von kurzer Dauer. Dann legen sich schwere dunkle Wolken über die Süße der zarten Regungen, wie sie nur die erste große Liebe kennt. Jamies unterschwellige Traurigkeit, die ihm schon öfter Rätsel aufgab, hat einen tragischen Namen. Jamie trägt ein entsetzliches Geheimnis mit sich herum.

 

 

 

 

 

Die Brücken am Fluss
(Robert James Waller)

 

Wallers Erzählung ist voller Ruhe und vermittelt die ganze Schönheit der Liebe und ist dennoch voller Traurigkeit. Einer der schönsten Liebesromane unserer Zeit. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Buch zum Verlieben.

 

Robert James Waller ist mit dem Buch "Die Brücken am Fluss" wirklich eine berührende Liebesgeschichte gelungen.
Obwohl es kein Happy-end gibt, gehört die Geschichte zum Feinsten, was es in diesem Genre gibt.
Zwei Menschen, sie verheiratete Farmersfrau und Mutter halbwüchsiger Kinder, er herumzigeunernder Fotograf, lernen einander zufällig kennen und verbringen 4 intensive Tage miteinander.
Es folgt ein Abschied ohne Wiedersehen.
Beide bewahren ihr Leben lang Erinnerung und Liebe, ohne einander jemals wiederzusehen.
Wie ist so intensives Erleben in nur 4 Tagen möglich ?
Das ist das Geheimnis dieses Buches . . . .  

 

 

 

 

Inhalt:


Sie sind nicht mehr jung, aber mutig genug, sich auf eine große, wunderbare, aussichtslose Liebe einzulassen: Robert, der Fotograf und Magier des Lichts, und Francesca, die ein stilles Eheglück genießt und doch die Erinnerung an die Träume ihrer Jugend nicht vergessen kann. Vier Tage und drei Nächte verwerfen sie alle Mahnungen der Vernunft und tauchen ein in eine Liebe bis ans Ende aller Grenzen.

 

 

 

Der Fotograf Robert Kincaid, zweiundfünfzig Jahre alt, hat die ganze Welt gesehen. Noch immer zieht er unstet durch die Lande, allein, einsam, auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Motiv, nach ein wenig Unbeschwertheit und Glück. Als er sich eines Tages nach dem Weg zu einer alten versteckten Brücke von fast vergessener Schönheit erkundigt, begegnet er der Farmersfrau Francesca Johnson. Nach landläufigen Maßstäben glücklich verheiratet, kann sie doch nicht von den Träumen ihrer Jugend lassen. Robert und Francesca sind mutig genug, sich auf eine große, wunderbare, aussichtslose Liebe einzulassen. Vier Tage und drei Nächte lang tauchen sie ein in eine Liebe bis an das Ende aller Grenzen.

 

 

 

 

 

 

Rezensionen:

 

Robert Kincaid, ein alternder 52jähriger Fotograf durchstreift einsam die Welt, auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Motiv, auf der Flucht vor der rationalen Welt, von sich selbst als „Sackgasse der Evolution“ sprechend.

Eines Tages im Jahr 1965 kommt er nach Madison County, um sieben überdachte Brücken zu fotografieren, wovon er die letzte nicht entdecken kann.
Als er eine Farmersfrau, Francesca Johnson, nach dem Weg zur unentdeckten „Roseman Bridge“ fragt, nimmt das Schicksal seinen Lauf, zwei Lebenslinien verändern für 4 Tage ihren Lauf, um nie wieder richtig in ihren alten zurückzukehren.

So tauchen die beiden 4 Tage und 3 Nächte ein in eine Liebe, die im Laufe der Geschichte alles überwinden wird, Raum und Zeit und Wirklichkeit, sogar die Grenzen dieser beiden Individuen, die gemeinsam ein neues Wesen erschaffen, auch lebenslanges Getrennt-Sein, alles kann sie überwinden, nur eines nicht - Francescas Pflichtgefühl verbunden mit einer Angst, dass eine Flucht aus der Realität ihrer Verantwortung sie für immer verändern könnte.

Robert James Waller beginnt dieses Meisterwerk eines Liebesromans mit dem Entstehen und den Schwierigkeiten bei den Recherchen zu diesem Buch.
Ähnlich wie bei Bernoite Groults „Salz auf unserer Haut“ könnten die Hauptdarsteller Robert und Francesca nicht unterschiedlicher sein. Robert, der weltgewandte Fotograf, der als Kind aufgrund seiner Intelligenz alles hätte werden können, sich aber für die Magie in seinem Leben entschied, die er versucht in Bildern auszudrücken, Robert, der nie sesshaft werden konnte trotz einer gescheiterten Ehe und die Farmersfrau Francesca Johnson, die mit 25 drei Jahre nach ihrem Studium ihre Welt hinter sich ließ, um mit dem amerikanischen Soldaten Richard nach Kriegsende von Neapel nach Iowa zu gehen, mit ihm 2 Kinder zu haben und eine Farm zu bewirtschaften.

Ein Mann, der seine Träume lebte und dennoch suchte und nicht wusste wonach, und eine Frau, die schon mit 25 aufgehört hatte zu träumen. Sie begegnen sich und erleben eine Verschmelzung miteinander, die niemand besser beschreiben kann als Robert Kincaid selbst. Er beschreibt dieses Wesen WIR auf eine derart wundervolle Art und Weise, jeder oder jede, die dies schon einmal empfunden hat, weiß, dass es keine anderen, keine treffenderen Worte dafür gibt: „Ich habe nur eines zu sagen, nur dieses eine; ich werde es nie wieder sagen, zu niemandem, und ich bitte dich, es nie zu vergessen: In einem Universum voller Zweideutigkeit begegnet einem eine derartige Gewissheit nur einmal und dann nie wieder, egal wie viele Leben man lebt“.

Dieser Satz von Robert kommt relativ spät gegen Ende des Buches hin und doch arbeitet der ganze Plot des Buches auf diese Szene hin.
Mit jeder Faser kann der Leser in den einzelnen Kapiteln mitverfolgen, wie es hierzu kommt.
Umrahmt wird diese einzigartige Liebesgeschichte von den Notizen der Francesca, die von ihren erwachsenen Kindern Michael und Carolyn nach dem Tode ihrer Mutter gefunden werden, und den Recherchen des Autor des Buches über Robert Kincaid.

Die Faszination des Buches liegt neben der Geschichte dieser lebenslangen Liebe, die nur in 4 Tagen zweier Leben gelebt werden konnte und dann nie wieder, in den permanenten Sicht- und Zeitenwechseln der einzelnen Kapitel.

So beginnt das Buch mit der IST-Beschreibung von Robert Kincaid im Jahre 1965, als sich die beiden Hauptfiguren kennen lernen. Im 2. Kapitel stellt sich Francesca näher vor, in Form einer Erinnerung, als sie bereits Witwe und auch ihre große Liebe überlebt habend, an einem ihrer Geburtstage zurückblickt, und ein immer wiederkehrendes Ritual durchführt, beginnend mit dem Öffnen eines Briefes von Robert, endend in eben dieser nie enden wollenden Erinnerung an 4 Tage in ihrem Leben, in denen sie wirklich gelebt hat. Sie haben sich nach diesen 4 Tagen nämlich nie wieder gesehen, was das Buch wesentlich von Benoite Groults "Salz auf unserer Haut" unterscheidet.

Das Buch endet nach Beschreibungen der beiden Personen und ihrer 4 gemeinsamen Tage, ihren weiteren Leben zum einen in einem Brief Francescas an ihre Kinder, aus dem ich etwas herausgreifen möchte, was mich beeindruckte, weil es in seiner Paradoxität doch wieder Sinn ergibt:

„Wärt da nicht ihr und Eure Vater gewesen, ich wäre diesem Mann bis ans Ende der Welt gefolgt, und das ohne zu zögern. Er hat mich gebeten, mit ihm zu gehen, angefleht hat er mich. Aber ich wollte nicht, und er war zu empfindsam und hatte mich zu gern, um sich danach auch nur noch ein einziges Mal in unser Leben zu drängen.
Das Paradoxe an der ganzen Geschichte ist: Hätte es Robert Kincaid nicht gegeben, ich bin nicht sicher, ob ich es all diese Jahre auf der Farm hätte aushalten können. In vier Tagen hat er mir ein ganzes Leben geschenkt, ein Universum, und aus meinen einzelnen Teilen ein Ganzes geschaffen. Ich habe nie aufgehört, an ihn zu denken, nicht für einen Augenblick. Wenn ich nicht bewusst an ihn gedacht habe, so konnte ich ihn immer noch spüren, er ist immer bei mir gewesen“.

Was dieses Buch, das ich vor vielen Jahren zum ersten Mal las, für mich persönlich bedeutete, war etwas besonderes. Manchen Menschen mag es ein einfacher Liebesroman sein, kompliziert aufgebaut noch dazu, weil hin und her springend zwischen Zeiten und Personen, Lebensgeschichten und Hoffnungen.
Für mich war es ein weiteres Indiz dafür, dass es sie geben musste, die Dualseele, die andere Hälfte im Leben, die irgendwo auf der Welt wartet, gefunden zu werden, nicht um zusammen im Alltag zwangsweise zu leben, sondern um miteinander zu verschmelzen für immer, und sei es nur für eine Sekunde, so wird es doch andauern eine Ewigkeit. Wenn man Glück hat im Leben, dann teilt man auch seine Realität mit diesem Menschen, wenn nicht, so ist man doch auf ewig miteinander verbunden.
Wie Robert Kincaid so schon formuliert: „Ich bin mir nicht sicher, ob du in mir bist oder ich in dir oder ob du mir gehörst. Zumindest will ich dich nicht besitzen. Ich glaube, wir stecken beide in einem anderen, von uns geschaffenen Wesen namens >Wir<. Das heißt, wir sind nicht wirklich in ihm drin. Wir sind dieses Wesen. Wir haben uns beide verloren und etwas Neues geschaffen, etwas, das nur als Verflechtung unserer beiden Seelen existiert. Herrgott noch mal, wir lieben uns. So tief und aufrichtig, wie man sich nur lieben kann“.

Welche Ermutigung braucht man noch, wenn man selbst suchend ist? Welche Bestätigung, wenn man meint, gefunden zu haben? Und für alle anderen bleibt es ein wunderschöner Liebesroman.

Gewidmet allen Suchenden und allen, die gefunden haben
...und einem ganz besonderen Menschen.
supervizor1

Der Film wurde übrigens mit Meryl Streep und Clint Eastwood gedreht. Ich habe ihn mir nie angesehen, denn jedes Bild kann in diesem Fall die Welt zerstören, in die einen das Buch mitnimmt, und das wollte ich nicht riskieren.

supervizor1

 

 

 

 

 

~Leseprobe~

...ich bin mir nicht sicher, ob du in mir bist, oder ich in dir oder ob du mir gehörst.....

...die Gewissheit, jemanden so zu lieben, hat man im Leben nur einmal...

---mehr möchte ich über den Inhalt nicht preisgeben, denn sonst lohnt ja das Lesen nicht.

~Buch zum Film~

Das Buch hält sich überraschend gut an den Film - oder auch umgekehrt. Wenn man vor dem Lesen den Film gesehen hat, so spiegeln sich immer wieder die Gesichter von Meryl Streep und Clint Eastwood in die Gedanken des Lesers. Die beiden Schauspieler sind die perfekteste Besetzung für diese Rollen, die ich mir vorstellen kann.

~Kalte Fakten zum Buch~

ISBN 3-442-41498-9 - bei Amazon.de für 7,50 Euro im Taschenbuchformat - so liegt es hier vor mir

Es gibt noch eine Fortsetzung, von der ich aber eben erst erfahren habe, daher noch nicht mehr berichten kann außer: "Der Weg der Liebe" - ebenfalls bei Amazon.de erhältlich für 7,90 Euro

Sandy.Mannes

 

 

 

 

 

Die Geschichte um das kurze Glück dieses Liebespaares verzaubert mich immer wieder aufs neue.
Voller Wärme und Zärtlichkeit erzählt Waller, wie der einsame Fotograf Robert Kincaid auf einer seiner Fotoreisen die verheiratete Farmersfrau Francesca kennen- und lieben lernt. Da ihre Familie verreist ist, verleben Francesca und Robert vier wundervolle Tage und Nächte lang das Wunder der vollkommenen aber dennoch aussichtslosen Liebe. Wallers Erzählung ist voller Ruhe und vermittelt die ganze Schönheit der Liebe und ist dennoch voller Traurigkeit. Einer der schönsten Liebesromane unserer Zeit. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Buch zum Verlieben. Ich empfehle dieses Buch jedem, der für eine kurze Zeit in den Rausch der Liebe und Gefühle eintauchen will.

maryshelley

 

 

 

 

 

Der Dämon und Fräulein Prym

(Paulo Coelho)

 

Ein Ort in den Pyrenäen, gespalten von Habgier, Feigheit und Angst. Ein Mann, der von den Dämonen seiner schmerzvollen Vergangenheit nicht loskommt.

Eine junge Frau auf der Suche nach ihrem Glück.

Sieben Tage, in denen das Gute und das Böse sich einen erbitterten Kampf liefern und in denen jeder für sich entscheiden muss, ob er bereit ist, für seinen Lebenstraum etwas zu riskieren und sich  zu ändern.

 

Mit diesem Roman schließt Coelho seine Trilogie über Liebe (Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte), Tod (Veronika beschließt zu sterben) und Macht (Der Dämon und Fräulein Prym) ab – drei große Antriebskräfte, die das Leben dreier Frauen in nur sieben Tagen grundlegend verändern.

 

"Der Dämon und Fräulein Prym ist ein Roman über Veränderungen, die auch den Leser am Ende verändert zurücklassen." Corriere della Sera, Mailand

 

"Paulo Coelho ist der Meister der Sinnsucher-Fabeln." Der Spiegel, Hamburg

 

"Der Dämon und Fräulein Prym trifft mitten ins Herz der aktuellen Welt- und Wertekrise." Christina Maid-Zinke/Süddeutsche Zeitung, München

 

"Ein Buch voller kleiner Lebensweisheiten, wunderbar leicht und klar erzählt. Eine Geschichte auch, die von den Mythen vergangener Tage lebt, von übersinnlichen und magischen Kräften. Schön ist dieser Roman zu lesen." Silke Arning/Südwestdeutscher Rundfunk, Stuttgart

 

"Der Dämon und Fräulein Prym gehört zu den Büchern, bei denen einem während des Lesens vieles bekannt und manches selbstverständlich vorkommt. Doch nach der Lektüre spürt man, wie es in der Seele nachhallt." Arno Renggli/Neue Luzerner Zeitung

 

 

 

  

 

Veronika beschließt zu sterben

(Paulo Coelho)

 

Veronika, die schwarzhaarige junge Slowenin mit den grünen Augen, träumt von einer Pianistenkarriere. Doch sie hat ihren Lebenstraum einem ereignislosen Alltag im Nachkriegs-Ljubljana geopfert, ohne Herausforderung, ohne Risiko, ohne Passion.

Eines Morgens beschließt sie, diesem Leben ein Ende zu machen. Doch die Überdosis Schlaftabletten befördert sie nicht, wie erhofft, in den Tod, sondern in eine Irrenanstalt. Als sie erwacht, teilen ihr die Ärzte mit, sie sei herzkrank und habe nur noch wenige Tage zu leben. Angesichts des Todes lernt Veronika nicht nur zu überleben, sondern mit allen Fasern zu leben: Binnen weniger Tage durchmisst sie, umgeben von ihren Mit-Patienten, alle Höhen und Tiefen des Lebens , beginnt für ihre Zukunft zu kämpfen und verliebt sich zum ersten Mal.

 

"Coelho erzählt von elementaren Erfahrungen, und die Leser erkennen sich darin wieder: mit ihren Schwächen und Ängsten ebenso wie mit ihren Sehnsüchten und Träumen. Sein neues Buch, sagt Coelho, handle vor allem "vom Recht, anders zu sein. Ich wollte zu meinen Lesern und zu mir davon sprechen, wie wichtig es ist, ein paar Kämpfe durchzustehen – nicht als Opfer, sondern als Abenteurer." Rainer Traub/Der Spiegel, Hamburg

 

 

 

 

 

Der Alchimist

(Paulo Coelho)

 

Santiago, ein andalusischer Hirte, hat einen wiederkehrenden Traum: Am Fuß der Pyramiden liege ein Schatz für ihn bereit. Soll er das Vertraute für möglichen Reichtum aufgeben? War er nicht zufrieden mit seiner bescheidenen Existenz? Santiago ist mutig genug, seinen Traum nicht einfach beiseite zu wischen. Er wagt sich hinaus und begibt sich auf eine Reise, die ihn nicht nur von den Souks in Tanger über Palmen und Oasen bis nach Ägypten führt, er findet in der Stille der Wüste auch immer mehr zu sich selbst und erkennt, was das Leben für Schätze bereithält, die nicht einmal mit Gold aufzuwiegen sind.

 

"Ein Märchen mit orientalisch-südländischem Charme, einfach und bezwingend in der Sprache, ein Seelenbalsam in unsicheren Zeiten. Hoffnungsvoller könnte ein Buch nicht sein." Focus, München

 

"Paulo Coelho ist neben Gabriel García Márquez der meistgelesene lateinamerikanische Schriftsteller der Welt." The Economist, London

 

 

 

 

 

 

Bekenntnisse eines Suchenden

Juan Arias im Gespräch mit

Paulo Coelho

 

Paulo Coelhos Leben liest sich wie einer seiner Romane:

Dreimalige Zwangseinweisung in die Psychiatrie.

Erfolgreicher Pop-Poet libertärer Songtexte.

Dreimalige Verhaftung und Folterung durch die brasilianische Militärjunta.

Experimente mit verschiedensten Weltanschauungen von Hare Krishna bis Schwarzer Magie.

Mit 34 Jahren: finanzielle Unabhängigkeit, Weltreise.

Wanderung auf dem mittelalterlichen Pilgerpfad nach Santiago de Compostela – die spirituelle Erfahrung geht ein in die ersten Bücher Auf dem Jakobsweg (1987) und Der Alchimist (1988).

Der Rest ist Legende.

In seiner direkten, schmucklosen Sprache zeichnet Coelho hier ein Leben, das sich in vielen Abwegen und Abkürzungen verlief, ehe es seine eigene Reiseroute fand – jene zu sich selbst.

 

"Die Achterbahn seines eigenen Lebens schildert Paulo Coelho dem spanischen Journalisten Juan Arias ohne Filter in einem erstaunlich offenen Gespräch: Bekenntnisse eines Suchenden.

Coelhos Welterfolg wurde möglich, weil er die traumatischen Erlebnisse und Rückschläge und die Glücksmomente seiner Biographie zu einer denkbar konzentrierten Botschaft verdichtet und gedichtet hat: (Folge deinen Träumen.)" Rainer Traub/Der Spiegel, Hamburg

 

 

 

 

 

Was der Seele gut tut

Im richtigen Rhythmus leben

 

(Johannes Pausch & Gert Böhm)

 

Richtiges Leben geht nur, wenn man bestimmte Gesetze kennt und befolgt, wenn unserem Verhalten bestimmte Haltungen zugrunde liegen, wenn wir unser Leben gestalten. Diese Regeln und Gesetzmäßigkeiten vergessen wir im Alltag oft genug. Das gilt für alle, ganz besonders aber für Menschen, die unter dem Druck und in der Hektik vielfacher Anforderungen leben. Ihnen zeigt dieses Buch ganz konkret und au eine den Alltag inspirierende Weise Gesetzmäßigkeiten und Lebensregeln auf, die – wenn sie eingehalten werden – auch als Gesundheitsvorsorge verstanden werden können und zu einer ganzheitlichen Lebensführung verhelfen, in der leib-seelische Einheit konkret wird.

In der Gestaltung der Zeiten – des Tages, der Woche, des Jahreskreises – und in der Einübung und im bewusst gestaltenden Vollzug von Haltungen und Resonanzen zeigen die Autoren, wie körperliche, seelische und spirituelle Ebene des Lebens sich durchdringen und wie wir auf diese Weise authentisch leben können.

Ein Inspirationsbuch aus der bewährten Praxis eines erfahrenen Begleiters und Kenners der menschlichen Seele.

 

 

Auszug aus dem Buch:

 

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Rhythmus: Leben ist Rhythmus. Jeder Mensch hat den Rhythmus in seinem Körper und genauso in der Seele – und weil sich Körper und Seele nicht voneinander trennen lassen, ist der gemeinsame Rhythmus so wichtig.

Rhythmus versetzt Körper und Seele in Schwingungen, in Bewegung, und nur dadurch hat der Mensch die Chance, sich weiterzuentwickeln.

 

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Rhythmus ist ein Geschehen in Raum und Zeit. Körper und Seele gleichen einem Orchester: Wenn alle Instrumente harmonisch aufeinander abgestimmt sind, dann kann alles gespielt werden – ein Triumphmarsch ebenso wie eine Trauermelodie.

 

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Zum Rhythmus gehört auch die Pause. Mehr noch: Erst die Pause macht den Rhythmus, und sie ist höchst kreativ.

 

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Bewegung: Bewegung ist die Voraussetzung für jede Veränderung. Das heißt: Jemand muss seinen Standort verlassen und sich – Schritt für Schritt – in andere, neue Positionen begeben. Das geht einher mit Berührungen, ob es die Luft ist oder ob es Menschen sind, denen man in der Bewegung begegnet, oder ob es eine inner Berührung des Herzens ist: Jede Bewegung ist ein Zeichen des Lebens – und je rhythmischer sie ist, desto besser für den Körper und die Seele.

Der Mensch wird also geprägt von seinen inneren Rhythmen und von den Rhythmen, die er als Rhythmen in der Natur, in der Schöpfung erlebt. Alle diese Rhythmen haben ihren besonderen Takt. Solange der Mensch nicht bewusst damit umgeht, führt jeder Rhythmus ein Eigenleben, ohne sich um die anderen zu kümmern. Erst die bewusste Wahrnehmung aller Takte, die im Körper und in der Seele, oft kaum hörbar, schlagen, versetzt den Menschen in die Lage, lenkend einzugreifen – und diese unterschiedlichen Rhythmen harmonisch aufeinander einzustimmen.  Erst das bewusste, geduldige Einschwingen der einzelnen Rhythmen, innerer wie äußerer, zu einem großen, umfassenden Menschenrhythmus führt  zu heiterer Gelassenheit. Dieser Menschenrhythmus hebt über bloße Selbsterkenntnis weit hinaus. Wer aufmerksam wahrnimmt und einschwingt in das große Ganze der Schöpfung und des Lebens, erfährt nämlich nicht nur sich, sondern auch den Schöpfer, den Urheber des Lebens – Gott selbst.

 

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Atem ist Leben: Nur selten achten wir auf unseren Atem. Die meisten Menschen beachten ihren Atemrhythmus genauso wenig wie den Herzschlag und nehmen ihn gar nicht bewusst wahr. Sie spüren deshalb auch nicht, dass sich dieser Rhythmus je nach der eigenen Befindlichkeit, nach der Tageszeit und Tätigkeit dauernd verändert – und doch immer bleibt. Der Atem ist da, Tag und Nacht, er lässt sich nicht einfach abschalten.

Man atmet ein und dann wieder aus; das Einatmen ist ein Aufnehmen, das Ausatmen ein Abgeben und Loslassen. Das ist die gängige Vorstellung vom Atemrhythmus, und so ist es auch. Aber man vergisst dabei, dass es beim Atmen noch etwas Drittes gibt: eine Ruhephase, die Umkehr, die Atemwende.

 

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Einatmen und Ausatmen: Manchen kommt die Frage in den Sinn, was wohl wichtiger ist: Einatmen oder Ausatmen.

Beim Einatmen nimmt der Mensch Leben auf, beim Ausatmen gibt er Leben ab. So könnte man vermuten, dass Einatmen wichtiger sei, aber das stimmt nicht. Denn beim Ausatmen schafft man Raum, damit sich die Lunge wieder mit neuem Atem füllen kann. Nur so ist es möglich, dass wieder Leben in den Menschen einströmt. Im Ausatmen, also im Sterben, liegt der Keim fürs neue Leben. Das hat spirituelle Konsequenzen: Nur wer bewusst ausgeatmet, also losgelassen hat, kann eines Tages auch gut sterben. Dann ist der letzte Atemzug nicht das Ende, sondern das Leben geht, in veränderter Form, weiter.

 

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Im Siebener-Rhythmus

14 über 21 bis 28 – auf der Suche nach den Idealen

Die zweite Lebensphase endet mit 14 und wird von einem großen Siebener-Doppelbogen von 14 bis 21 und weiter von 21 bis 28 abgelöst. Dieser zweifache Siebener-Rhythmus ist die Zeit der Pubertät, der Sexualität – und wird vom Bild des Planeten Venus, der Liebesgöttin, regiert.

Die Sexualität ist in dieser Phase besonders wichtig – die jungen Leute probieren alles aus, und die erste Liebe ist oft die heißeste Liebe.

Nun leuchtet zum ersten Mal das Ich auf: Die Identität als Mann oder als Frau wird bewusst empfunden. Die gesamte Zeitphase ist geprägt von der Suche nach Beziehung zum anderen Geschlecht. Die ersten Erlebnisse erscheinen fast unwirklich, wie ein Traum. Erst im zweiten Teil dieses doppelten Siebener-Rhythmus klärt sich diese Sehnsucht allmählich und wird realistischer. Zwischen 14 und 21 entwickelt sich die Jugend zur schönsten Blüte – und dann fängt auch schon der „Ernst des Lebens“ an: Man schließt die Schule ab, die Berufsausbildung beginnt oder wird beendet. Und man denkt auch schon an eine feste Bindung.

Insgesamt ist dieser Zyklus eine Zeit, in der sich der Mensch im Leben einzurichten beginnt. Er baut sich auch körperlich und psychisch auf – in einer Zeit enthusiastischen Wachstums. In der zweiten Venus-Phase zwischen 21 und 28 beginnt eine erste Ernüchterung, die den jungen Menschen aus dem Schwelgen und Schweben in seiner Traumwelt allmählich wieder auf den Boden herabholt. Natürlich möchte man die Blüte des Lebens gerne behalten, aber die überschwänglichen Gefühle werden gegen Ende dieser Phase von einer neuen Wirklichkeit eingeholt. Es ist wichtig, dass ein Mensch diese Emotionen und „Verrücktheiten“ erlebt, die sich in der himmelhoch jauchzenden und zu Tode betrübten Seele abspielen. Wer das nicht lebt, wird wahrscheinlich im späteren Alter nachholen, was er in dieser Zeit versäumt hat.

Der romantische Mensch ist geboren – mit all den Idealen, die er im Kopf und vor allem im Gefühl hat. Wer in diesem Alter keine Ideale hat, wird später, wenn sich die Träume auflösen, schwer u einer echten Begeisterung fähig sein.

 

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Von 28 über 35 bis 42 – mit voller Kraft durchs Leben

Nach dem zweifachen Siebener-Abschnitt zwischen 14 und 28 Jahren, der mit seiner Emotionalität eher einer weiblichen Erfahrung zugeordnet wird, kommt zwischen 28 und 42 erneut ein doppelter Siebener-Bogen, sieben Jahre aufsteigend, dann sieben Jahre absteigend. In der Marsphase sprüht der Mensch vor Energie und Kraft.

 

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Mit Pauken und Trompeten verschafft sich der Mensch nun Gehör – und bläst sich und den anderen den Marsch. Jetzt geht es um Macht, um Karriere, um Durchsetzungskraft und Energie. Zwischen 28 und 35 kämpfen Mann und Frau um ihren Platz im Leben. Es ist die Zeit, in der Träume und Ziele verwirklicht werden.

Wenn der Mensch diese Phase gut bewältigt, gewinnt er – als positive Eigenschaften – Disziplin, innere und äußere Ordnung und die Fähigkeit, zielgerichtet zu arbeiten.

Ein typisches Merkmal am Ende der Mars-Phase: Der Mensch erkennt, dass er trotz mancher Niederlagen sein Leben und auch sein Sterben bejahen muss.

 

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Von 42 über 49 bis 56 – Einsichten und spirituelle Perspektiven

Nach dem 42. Lebensjahr beginnt erneut ein doppelter Siebener-Abschnitt.

Der Mensch spürt, dass seine kämpferischen Bewegungen allmählich zur Ruhe kommen und dass es nicht mehr allein darauf ankommt, in der Auseinandersetzung zu siegen (oder zu verlieren). Er beginnt, über den Dingen zu stehen.

Im ersten Teil dieses Lebensabschnittes, also von 42 bis knapp 50, ahnt er, dass ihm der Kampf der Mars-Phase viele wichtige Dinge im Leben vorenthalten hat. Jett finden Menschen zu sich zurück, werden nachdenklicher, manche finden auch zum Glauben – sie gehen ihren Weg langsamer und betrachten das Leben gelassener.

Auch die Erkenntnis, dass alles Wachsen dem Werden und Vergehen unterliegt, fällt in diese Zeit. Die starken Spannungen lassen nach. Der Mensch fühlt sich nicht mehr so gehetzt und kämpferisch und erkennt in seinem Inneren neue Zusammenhänge. Diese Erfahrungen führen dazu, dass Probleme zwar nicht teilnahmslos, aber doch mit Ruhe und Distanz betrachtet werden. Man lässt sich nicht mehr so leicht „verrückt machen“ und kommt durch zunehmende Lebenserfahrung zu neuen Einsichten und Schlüssen. Das sind erste Schritte auf dem Weg zur Weisheit.

Jenseits der 50 rücken die Ethik und innere Werte neu ins Bewusstsein. Der Blick richtet sich weg von der Erde – zum Transzendenten, zum Himmel. In dieser Phase nimmt die Bereitschaft zu, anderen zu helfen – und zwar aus ehrlicher Überzeugung und nicht aus Berechnung, wie das meist in der Mars-Phase der Fall war.

Der Mensch kann in dieser Phase eine innere Ergriffenheit erleben, weil er eine große Weltordnung erkennt – sein Horizont und sein Herz sind weit geworden.

Die Zeit zwischen 42 und 56 ist für die meisten Menschen der Abschnitt des Lebens mit den tiefsten und nachhaltigsten spirituellen Erlebnissen. Männer und Frauen sind in diesem Alter körperlich noch sehr fit, leiden kaum an Gebrechen – und haben doch viele geistige und seelische Erfahrungen gemacht und integriert, die ihnen beträchtliche Einsichten gestatten. Im besten Fall finden sie zu einem fast idealen Gleichgewicht zwischen körperlicher und geistiger Energie.

 

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Gegen die Beschleunigung:

Es scheint ein Gesetz unserer Welt zu sein, dass alles immer schneller wird – im Sport, bei der Arbeit, beim Essen, mit dem Auto. Ist wirklich eine Geschwindigkeitsbegrenzung notwendig, wenn ich mit 180 Sachen so schön auf der Autobahn meines Lebens dahinfahren kann? Viele meinen, dass die Menschheit mit der Beschleunigung doch ganz gut zurecht- und vorangekommen sei.

Aber die Seele reist langsam. Sie scheint sich umso schneller zu entwickeln, je langsamer das Tempo ist. Dem nach Erlebnissen hungernden Körper gefällt es vielleicht, wenn er sich immer schneller bewegt, doch der Seele tun Höchstgeschwindigkeiten nicht gut. Durch Beschleunigung kann man bei vielen Tätigkeiten die Quantität erhöhen, aber die Qualität bleibt auf der Strecke. Das mag bei Maschinen anders sein, wenn sie Massenprodukte herstellen. Auf den Menschen lässt sich dieses Prinzip jedoch nicht übertragen; bei ihm entsteht vielmehr eine Wirkung wie bei der Fliehkraft: Je schneller sich die Scheibe dreht, desto stärker wird der Druck auf die Seele und den Geist. Und die Gefahr wächst, dass sich Seele und Geist gleichsam lösen und herausfliegen.

Je rasanter die Beschleunigung ist, desto mehr nutzt sich der Mensch ab. Menschliches Leben wird schneller verschlissen, und zwar der Körper ebenso wie die Seele.

Wenn der Mensch sein Leben intensivieren und die humane Qualität steigern will, muss er es ent-schleunigen.

 

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Der volle Terminkalender ist die schlimmste Beschleunigungsmaschine – er stiehlt Zeit und zwingt dazu, von einer Begegnung zur anderen zu hasten. Und während man den einen Termin wahrnimmt, ist man gedanklich schon beim nächsten, weil die Zeit drängt. In Wahrheit ist man gar nicht präsent.

 

Die modernen Telekommunikationsmittel, vom Handy bis zur E-Mail, beschleunigen noch einmal. Alle telefonieren und verschicken Nachrichten, Jeder will mit jedem sprechen. Bei vielen ist dauernd besetzt, weil sie selber herumtelefonieren oder vor Erschöpfung und Überdruss ihr Handy aus- und die Mailbox eingeschaltet haben. Diese neue Art der Vernetzung ist mehr Verstrickung als Beziehung. Sie gibt uns nicht etwa Zeit zurück, sondern beschleunigt. Auf den Datenautobahnen scheint es keine Geschwindigkeitsbegrenzungen mehr zu geben. Und dazwischen steht der Mensch, der unverändert nur zwei Augen hat, zwei Ohren, ein Hirn – und hoffentlich noch sein Herz.

 

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Spannung und Entspannung:

Ähnlich wie mit Ruhe und Bewegung ist es auch mit Spannung und Entspannung. Der Mensch braucht sie beide. In der Körperzelle, im Herzen, beim Atem – überall gibt es Anspannen und Loslassen.

 

Spannung lässt das Leben klingen – oder zerreißt es

Spannung ist notwendig, weil sie Menschen und Dinge zum Klingen bringt. Nur aus der gespannten Saite steigt ein Ton auf, der in der Entspannung wieder verklingt. Ohne Entspannung endet alles in der Verkrampfung und zerreißt. Entspannung allein macht jeden Vorgang langweilig, lasch, leblos.

Deshalb ist der Rhythmus beider so wichtig.

 

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Vom Evangelisten Johannes wird erzählt, dass er in seiner Höhle auf Patmos saß und mit einem Rebhuhn spielte. Da kam ein Jäger des Wer große Denker und Mystiker, seine Zeit mit einem Rebhuhn vertue. Johannes zeigte auf den Bogen des Jägers und fragte: "Was passiert, wenn du deinen Bogen ständig gespannt hältst?" "Dann", antwortete der Jäger, "zerbricht er."

Die Geschichte zeigt, dass permanente Spannung ebenso zerstörerisch ist wie dauernde Entspannung. Erst der Rhythmus beider ergibt Leben und Lebendigkeit.

 

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Grenzen achten

Wer Beziehungen hat, hat auch Grenzen, die er beachtet – oder missachtet.

 

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Es kann aber auch sein, dass man sich selber nicht gut genug ist und dauernd nach jemandem oder etwas sucht, dass man also mit sich selbst nicht zufrieden ist. Menschen, die sich in fremde Beziehungen einmischen, die ständig sozusagen auf Liebesjagd sind, haben mit sich selber noch keinen Frieden gefunden. Dann leben sie leicht auf Kosten anderer. Vielleicht ist es manchmal unvermeidbar, auf Kosten anderer zu leben, aber es müssen dabei Grenzen gewahrt werden.

 

 

 

Gleichmut und Liebe

Gleichmütig zu sein ist ein wunderbarer Zustand. Der gleichmütige Mensch nimmt sein Leben an, egal, was auf ihn zukommt: Sonne oder Regen, eine Krankheit, den eigenen Weg mit seinen Freuden und Lasten. Was in sein Leben tritt, hat für ihn die "gleiche Gültigkeit" und ist ihm gleich viel wert. Er nimmt die Dinge ist gleichem Mut. Die abgestumpfte Form dieser Tugend ist die Apathie, die Trägheit, die Wurstigkeit.

Die Zwillingstugend des Gleichmuts ist die Liebe. Sie lässt sich schwer beschreiben – am ehesten vielleicht an einem symbolischen Bild.

 

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Ein Brautpaar bat den Pfarrer, er möge in seiner Hochzeitspredigt erklären, was Liebe ist. Weil der Geistliche glaubte, dass Worte dafür nicht ausreichen, wollte er sich dem Paar und den Hochzeitsgästen auf andere Weise verständlich machen. Er brachte drei Zeichen mit in die Kirche.

Das erste war ein Kräuterlikör. "Liebe ist wie Kräuterlikör", sagte er, "manchmal ein bisschen bitter, manchmal süß – und wenn die Menschen zu viel davon nehmen, werden sie berauscht. Der Kräuterlikör entsteht aus einer Synthese von Heilkräften der Natur – auch Liebe ist die Essenz von Heilkräften, die sich miteinander verbinden."

Als zweites Symbol hatte der Pfarrer zwei Hefeteig-Krapfen mit zum Altar gebracht. "Mehl und Hefe kommen zusammen und gehen erst einmal auf – wie auch bei der Liebe. Dann kommt Schmalz dazu und der Teig wird gebacken. Liebe braucht immer ein wenig Schmalz. Zum Schluss wird der Krapfen noch mit Zucker bestreut, damit alles schön süß schmeckt."

Das dritte Symbol war ein großer Regenschirm, unter dem zwei Menschen Platz hatten – gemeinsam gut beschützt, falls die Sonne nicht scheint und unfreundliches Regenwetter den Tag verdirbt. Der schönste Schirm, den Menschen sich schenken können, ist die Liebe: einmal muss ihn der eine halten, einmal der andere. Und der beste Schirm ist der Schutz Gottes, der sich in der Liebe, auch in der gegenseitigen Liebe, zeigt.

 

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Rituale – Brücken in andere Welten

Rituale sind nicht nur alltägliche Handlungen, die stets den gleichen Ablauf haben. Ein Ritual ist eine äußere Handlung, die einen neuen Sinn bekommen hat. Für die, die daran teilnehmen, verbindet das Ritual die verschiedenen Erfahrungsebenen des Lebens miteinander – die menschliche, soziale, psychische und spirituelle.

 

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Rituale hatten immer das Ziel, dem Leben und Tod des Menschen einen Sinn zu geben. Der physische Prozess, dass ein Mensch auf die Welt kommt, arbeitet, sich ernährt und am Ende stirbt, ergibt ja keinen Sinn. Immer haben sich Menschen mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, nach dem Woher und Wohin beschäftigt. Man kann das auch nur mit dem Verstand tun – große Köpfe haben zu allen Zeiten darüber philosophiert. Aber die Menschen haben sich auch Rituale geschaffen, die ihnen durch sehr persönliche Erfahrungen einen Lebenssinn zugänglich machten. Die Rituale sind Brücken, über die der Mensch in eine transzendente Wirklichkeit gehen kann. Er überschreitet seine eigene Begrenztheit und betritt neue Räume oder versucht wenigstens, sie zu erahnen. Jedes Ritual will in letzter Konsequenz auf grundlegende Fragen menschlichen Seins eine Antwort finden: Warum lebe ich? Warum sterbe ich? Wie bekommen mein Leben und mein Sterben einen Sinn? Die Antworten, die der Mensch im Ritual erfährt, helfen, das Leben und vor allem den Tod zu bewältigen.

Viele fragen sich: Hat Gott den Menschen erschaffen oder – umgekehrt – hat der Mensch aus Angst vor dem Tod Gott erschaffen, weil er ohne eine Jenseits-Vorstellung nicht leben kann?

Es ist nicht auszuschließen, dass die Menschen Gott erfunden und durch ihr Suchen gefunden haben. Denn in tiefen Grenzerfahrungen, beim Gebet, in der Meditation, in Visionen und Offenbarungen haben Menschen Gottes Existenz als "inneres Wissen" erfahren. Das nennen wir Glauben. Natürlich kann so ein Blick durchs Fenster in die Ewigkeit auch in einem Buch oder im Gespräch vermittelt werden. Aber besser als intellektuelle, theoretische Mitteilungen ist persönliche Erfahrung.

Im Ritual feiert der Mensch den Sinn des Lebens und des Todes als Fest. Er bringt sein Leben und sein Sterben in eine Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zu Gott – darin liegt der Sinn seines Menschseins. Rituale helfen dem Menschen also, sich selbst zu verstehen.

 

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Das innere Wissen und eine zunehmende Sicherheit, was Leben und Tod bedeuten, werden dem Menschen durch das Ritual geschenkt. Das schließt nicht aus, dass dieser Mensch, der sich durch Rituale stabilisiert, trotzdem noch in Krisensituationen hineingerät. Denn erst durch Krisen hat ein Mensch die Chance, sich weiterzuentwickeln.

 

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Oft werden Rituale mit Magie verwechselt. Die Grenze ist auch tatsächlich schwer zu ziehen. Aber Magie bleibt immer auf einer äußeren Ebene stehen.

   

 

 

 

 

Der Zahir

(Paulo Coelho)

 

Der Zahir ist die Geschichte eines Mannes, dessen Frau verschwindet. Alles hält er für möglich – Entführung, Erpressung, nur nicht, dass Esther ihn ohne ein Wort verlassen, sich ihm entzogen haben könnte. Die Irritation, die sie verursacht, ist so stark wie die Anziehung, die sie ausübt. Was für eine Form des Lebens führt sie, welches besondere Glück ist ihr, fern von ihm, beschieden?

Das Verschwinden von Esther gerät zu etwas, das die Gedanken des Mannes bis  zur Besessenheit ausfüllt; es erlaubt auch keine Nähe zu der schönen Marie, die sich in ihn verliebt hat.

Der Mann weiß, nur wenn er Esther findet, kann er die Obsession überwinden.

 

Paulo Coelhos Bücher haben auf Millionen Menschen einen magischen Effekt.

(The Times, London)

 

 

 

 

Prolog: Dem Schriftsteller Jorge Luís Borges zufolge entstammt die Vorstellung vom Zahir der islamischen Tradition und kam wahrscheinlich um das 18. Jahrhundert auf. Zahir bedeutet auf arabisch sichtbar, gegenwärtig, augenfällig. Eine Sache oder eine Person, welche, sind wir erst einmal in Kontakt mit ihr getreten, ganz allmählich unsere Gedanken ausfüllt, bis wir uns auf nichts anderes mehr konzentrieren können. Dies kann als Heiligkeit oder als Wahnsinn aufgefasst werden.

(Faubourg Saint-Pères, Enzyklopädie des Phantastischen, 1953)

 

 

 

 

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Ich heirate meine erste Frau. Sie ist älter als ich, ich lerne viel von ihr – Liebe machen, Auto fahren, Englisch, lange schlafen -, aber dann trennen wir uns doch, weil ich, wie sie meint, „emotional unreif, hinter jedem Mädchen mit großen Brüsten her“ se. Ich heirate ein zweites und ein drittes Mal, Frauen, von denen ich glaube, sie könnten mir innere Stabilität geben: ich bekomme, was ich möchte, finde aber heraus, dass die erträumte Stabilität mit einer tiefen Langeweile einhergeht.

Noch  zwei Scheidungen. Erneut die Freiheit, aber das ist nur ein Gefühl; Freiheit ist nicht das Fehlen von Verpflichtungen, sondern die Fähigkeit, zu wählen – und mich auf das einzulassen, wovon ich glaube, dass es das Beste für mich ist.

 

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Ich hatte herausgefunden, dass viele der Rituale tatsächlich funktionierten. Aber ich hatte auch herausgefunden, dass diese selbsternannten Meister, die behaupteten, um die Geheimnisse des Lebens zu wissen, Techniken zu kennen, die jedem Menschen die Fähigkeit verleihen, alles zu erreichen, was er will, die Verbindung zu den Lehren der Alten bereits verloren hatten. Auf dem Jakobsweg zu gehen, mit ganz gewöhnlichen Menschen zusammenzukommen und zu entdecken, dass das Universum eine eigene Sprache spricht (die Sprache der Zeichen) und wir, um sie zu verstehen, nur mit wachem Geist das anzuschauen brauche, was um uns herum geschieht – all das hat mich daran zweifeln lassen, dass der Okkultismus wirklich das einzige Tor zu diesen Mysterien ist, In meinem Buch über den Jakobsweg beginne ich nun, über andere Möglichkeiten des Wachsens nachzudenken, und komme zu dem Schluss: „Es reicht, aufmerksam zu sein; die Lektionen kommen immer dann, wenn du bereit bist und offen für die Zeichen, und sie lehren dich alles, was du für den nächsten Schritt brauchst.“

Allerdings gibt es da immer zwei Probleme: Das erste ist, zu wissen, wann man etwas anfängt, das zweite, wann man damit aufhört.

 

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„Wir haben gemeinsam unser Leben aufgebaut. Ich liebe meinen Mann, und er liebt mich, obwohl er nicht der treueste Ehemann ist.“

„Das ist das erste Mal, dass du das erwähnst.“

„Weil es für mich keine Bedeutung hat. Was ist schon Treue? Das Gefühl, dass ich einen Körper und eine Seele besitze, die nicht meine sind?“

 

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„Was stimmt in deinem Leben nicht?“

„Genau dies. Ich habe alles, aber ich bin unglücklich. Und ich bin nicht die einzige: In all den Jahren habe ich alle möglichen Menschen kennen gelernt oder interviewt, reiche, arme, mächtige, wohlhabende. In allen Augen, in die ich geblickt habe, las ich unendliche Bitterkeit. Eine Traurigkeit, die nicht immer akzeptiert, aber stets unterschwellig vorhanden war, unabhängig davon was sie mir sagten.“

 

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„Als du über den Jakobsweg geschrieben hast, bist du zu dem gleichen Schluss gekommen, nicht wahr? Früher glaubtest du, allein eine Gruppe Auserwählter könnte die magischen Symbole deuten. Heute weißt du, dass wir alle diese Bedeutung kennen – auch wenn sie in Vergessenheit geraten ist.“

„Sie zu kennen bringt nichts. Die Menschen geben sich alle Mühe, sich nicht daran zu erinnern, damit sie das ungeheure magische Potential, das sie besitzen, nicht annehmen müssen. Denn das hieße, ihre durchorganisierte Welt aus dem Gleichgewicht zu bringen.“

„Mit anderen Worten, alle haben die Fähigkeit, stimmt’s?“

„Ganz genau. Aber ihnen fehlt der Mut, ihren Träumen und den Zeichen zu folgen. Kommt ihre Traurigkeit etwa daher?“

 

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In Buenos Aires ist der Zahir eine gewöhnliche Münze im Wert von zwanzig Centavos; die Buchstaben NT und die Ziffer 2 sind hineingekerbt wie von einer Rasierklinge oder einem Taschenmesser; auf der Rückseite findet sich die Jahreszahl 1929. In Gujarat, gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts, war der Zahir ein Tiger; in Java ein Blinder aus der Moschee von Surakarta, den die Gläubigen steinigten; in Persien ein Astrolabium, das Naidr Shah auf den Meeresgrund versenken ließ; in den Verliesen des Mahdi, um 1892, war er ein kleiner Kompass, der in einer Turbanfalte steckte und den Rudolf Carl von Slatin angefasst hatte…

 

Ein Jahr später fällt mir beim Aufwachen die Geschichte von Jorge Luís Borges ein: Der Zahir – etwas, was man, hat man es einmal berührt oder gesehen, nie wieder vergisst und was unser ganzes Denken bis zum Wahnsinn besetzt. Mein Zahir sind keine romantischen Metaphern mit Blinden, Kompassen, Tigern oder mit jener Münze.

Mein Zahir hat einen Namen, und sein Name ist Esther.

 

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Aber der Zahir, an den ich anfangs voller Zärtlichkeit oder Zorn gedacht hatte, wuchs in meiner Seele immer weiter. Ich begann Esther in jeder Frau zu suchen, der ich begegnete.

 

Gegen den Zahir, der meine Gedanken ganz einzunehmen begann, brauchte ich ein Gegengift, etwas, was mich davor bewahrte, zu verzweifeln.

Und es gab nur eine mögliche Lösung: eine Freundin zu finden.

 

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Eine Passage aus deinem Buch kenne ich auswendig:

Als ich nichts mehr zu verlieren hatte, habe ich alles empfangen. Als ich aufhörte, der zu sein, der ich war, habe ich mich selber gefunden. als ich Erniedrigung erfuhr und dennoch meinen Weg weiterging, habe ich begriffen, dass ich frei war, mein Schicksal zu wählen. Ich weiß nicht, ob ich krank bin, ob meine Ehe ein Traum war, den ich  nicht verstehen konnte, solange er andauerte. Ich weiß, dass ich ohne sie leben kann, aber ich würde sie gern wieder sehen, um ihr zu sagen, was ich ihr nie gesagt habe, als wir zusammen waren: Ich liebe dich mehr als mich selbst. Wenn ich dies sagen kann, dann kann ich in Frieden weiterziehen – denn diese Liebe hat mich befreit und erlöst.“

 

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Das will der mongolische Mythos sagen: Aus unterschiedlichem Wesen erwächst die Liebe. Aus dem Widerspruch schöpft sie Kraft. Konfrontation und Veränderung erhalten die Liebe.

Die Menschheit hat einen hohen Preis dafür bezahlt, um dahin  zu gelangen, wo sie heute steht.

 

Als der italienische Dichter Dante die „Göttliche Komödie“ schrieb, sagte er er: An dem Tag, an dem der Mensch der wahren Liebe erlaubt, sich zu zeigen, werden die wohlgeordneten Dinge heillos durcheinander geraten und alles aus dem Gleichgewicht bringen, was wir für sicher, für wahr gehalten haben.

Die Welt wird wahr sein, wenn der Mensch zu lieben vermag – bis dahin werden wir in dem Glauben leben, wir würden die Liebe kennen. Wir bringen jedoch nicht den Mut auf, uns der Liebe als dem zu stellen, was sie ist.

Die Liebe ist etwas Wildes. Wenn wir versuchen, sie unter Kontrolle zu halten, zerstört sie uns. Wenn wir versuchen, sie einzusperren, macht sie uns zu Sklaven. Wenn wir versuchen, sie zu begreifen, stehen wir verloren und verwirrt da.

 

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„Niemand ist allein. Weder im Glück noch im Unglück. Es gibt immer jemanden, der genauso denkt, sich freut oder genauso leidet, und das gibt uns Kraft, die Herausforderungen, die vor uns liegen, besser anzugehen.“

„Schließt das mit ein, aus Liebe zu leiden?“

„Das schließt alles mit ein. Leid sollte man besser akzeptieren, denn es verschwindet nicht einfach, wenn man es ignoriert. Auch Freude sollte man lieber akzeptieren, selbst wenn man fürchtet, sie könne eines Tages enden. Es gibt Menschen, denen es nur gelingt, sich durch Opfer und Entsagung mit dem Leben zu verbinden. Es gibt Menschen, denen es nur gelingt, sich als Teil der Menschheit zu fühlen, wenn sie sich „glücklich“ wähnen. Warum fragst du mich dies alles?“

„Weil ich verliebt bin, weil ich Angst habe zu leiden.“

„Hab keine Angst. Leid lässt sich nur vermeiden, wenn man überhaupt nicht liebt.“

 

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Ich habe sie gefragt, was sie so weit weg von  zu Hause wolle. Nach ein paar ausweichenden Antworten erzählte sie mir schließlich, was sie Ihnen auch erzählt haben wird: Sie sei auf der Suche nach dem Ort, an dem das Glück verborgen ist. Ich erzählte ihr von meiner Mission, von der Wiederverbreitung der Energie der Liebe auf Erden. Im Grunde waren wir beide auf der Such nach ein und demselben.

 

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Die Stimme ist die Energie: Sie führt die Menschen zusammen, wenn beide wirklich für diesen Augenblick bereit sind. Dennoch versuchen wir alle, eine Sache  zu forcieren – um dann den Satz zu hören, den wir niemals hören wollten: „Geh weg!“ Wer die Stimme nicht respektiert und früher oder später kommt, als er sollte, wird niemals erreichen, was er will.“

 

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„Fehlt dir ein Kind?“

„Es hat sich nicht ergeben, nicht wahr? Wie kann mir etwas fehlen, was es nicht gibt?“

„Und meinst du, ein Kind hätte unsere Ehe verändert?“

„Wie soll ich das wissen? Ich kann meine Freundinnen und Freunde anschauen: Sind sie wegen der Kinder glücklicher? Einige ja, andere weniger. Mag sein, dass sie wegen ihrer Kinder glücklich sind, doch die Beziehung des Paares wird deswegen weder besser noch schlechter. Beide glauben weiterhin, den anderen kontrollieren zu dürfen. Beide glauben, dass sie am einmal gegebenen Versprechen festhalten müsse, miteinander „für immer glücklich zu sein“, selbst wenn das bedeutet, tagtäglich unglücklich zu sein.“

 

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„Ja, etwas läuft tatsächlich falsch. Wir sind verpflichtet, miteinander glücklich zu sein. Du glaubst, du verdankst mir alles, was du bist, und ich glaube, ich müsste mich glücklich schätzen, einen Mann wie dich an meiner Seite zu haben.“

„Ich habe die Frau, die ich liebe, und weiß es nicht immer zu schätzen, und dann frage ich mich manchmal: „Was ist falsch an mir?“

„Wie gut, dass du das verstehst. Nichts an dir ist falsch und nichts an mir ist falsch. Falsch ist die Art, wie wir uns unsere Liebe zeigen. Wenn wir akzeptieren würden, dass lieben Probleme schafft, könnten wir mit diesen Problemen leben und glücklich sein. Es wäre  zwar ein ständiger Kampf, aber dieser Kampf würde dazu führen, dass wir aktiv, lebendig, begeistert sind, noch viele Welten erobern können. Aber wir bewegen uns auf einen Punkt zu, an dem die Dinge bequem werden. Wo die Liebe aufhört, Probleme zu schaffen, wo sie nicht mehr Auseinandersetzung bedeutet, sondern schließlich nur noch eine Notlösung ist.“

„Und was ist daran falsch?“

„Alles. Ich spüre, wie die Energie der Liebe – auch Leidenschaft genannt – nicht mehr durch meinen Körper und meine Seele strömt.“

„Aber da ist doch noch etwas.“

„Tatsächlich? Muss eigentlich jede Ehe damit enden, dass an die Stelle der Leidenschaft die so genannte „reife Beziehung“ tritt? Ich brauche dich. Ich sehne mich nach dir. Manchmal bin ich eifersüchtig. Es gefällt mir, zu überlegen, was du zu Abend essen wirst, obwohl du manchmal kaum darauf achtest, was du auf dem Teller hast. Aber es fehlt die Freude.“

 

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Eine Frau mit Kinderwagen kam mir auf dem engen Bürgersteig entgegen, und da er zu eng für uns beide war, stieg ich vom Bordstein hinunter auf die Straße, um sie vorbeizulassen.

In diesem Augenblick stellte sich die Welt in Zeitlupe auf den Kopf: Der Boden wurde Himmel, der Himmel Boden. Ich konnte ein paar Details am oberen Teil des Gebäudes an der Ecke erkennen – ich war schon so oft hier gewesen, hatte aber nie nach oben geschaut. Ich erinnere mich daran, wie überrascht ich über den starken Wind war, der in meinen Ohren pfiff, und daran, dass in der Ferne ein Hund bellte. Dann wurde alles dunkel. Ich wurde mit großer Geschwindigkeit in ein schwarzes Loch gestoßen, an dessen Ende ein Licht zu erkennen war. Bevor ich jedoch dort anlangte, holten mich unsichtbare Hände gewaltsam zurück.

 

...

 

Ich kämpfte darum, nicht das Bewusstsein zu verlieren, erwartete einen Schmerz, der nicht kam, versuchte erneut, mich zu bewegen, ließ es dann doch lieber bleiben – spürte eine Art Krampf, Benommenheit. Dann hörte ich in der Ferne eine Sirene und wusste, dass ich nun schlafen konnte, nicht mehr um mein Leben bangen musste, es war verloren oder gewonnen, das lag nicht mehr in meiner Hand, sondern in der Hand der Ärzte, der Krankenpfleger, des Schicksals, des „Es“, in Gottes Hand.

Da hörte ich die Stimme eines Mädchens – das mir seinen Namen sagte, den ich aber nicht behalten konnte, Es bat mich stillzuhalten, versprach, dass ich nicht sterben würde. Ich sollte seinen Worten gern glauben, flehte es an, an meiner Seite zu bleiben, doch es verschwand unvermittelt. Ich spürte, wie man mir etwas aus Plastik um den Hals und eine Maske auf mein Gesicht legte, und danach schließ ich wieder, diesmal traumlos.

Als ich wieder zu mir kam, war da nur ein grässliches Summen in meinen Ohren. Davon abgesehen herrschte vollkommene Stille und vollkommene Dunkelheit. Unvermittelt setzte sich alles in Bewegung, und ich war sicher, dass mein Sarg getragen wurde, ich bei lebendigem Leibe begraben werden würde.

Ich versuchte an die Wände um mich herum zu klopfen, konnte aber keinen Muskel bewegen. Dann wurde ich endlos lange nach vorn geschoben. Da nahm ich all meine Kraft zusammen und stieß einen Schrei aus, der in diesem geschlossenen Raum widerhallte, zu meinen Ohren zurückkehrte und mich fast taub machte. Doch ich wusste, dieser Schrei hatte mich gerettet, denn jetzt erschien Licht bei meinen Füßen: Sie hatten erkannt, dass ich  nicht gestorben war!

Das Licht – das segensreiche Licht, das mich vor der schlimmsten Qual, dem Ersticken, rettete, beschien allmählich meinen ganzen Körper. Der Deckel wurde von meinem Sarg gehoben. Kalter Schweiß bedeckte mich, ich verspürte sehr starke Schmerzen, doch ich war glücklich, erleichtert: Sie hatten ihren Irrtum bemerkt. Welche Freude, wieder in diese Welt zurückzukehren!

Das Licht erreichte schließlich meine Augen: Eine Hand berührte sanft die meine; eine engelsgleiche Gestalt wischte den Schweiß von meiner Stirn.

 

...

 

Da ich in diesem Krankenhauszimmer viel Zeit hatte, rekapitulierte ich mein Leben. Ich habe immer zugleich Abenteuer und Sicherheit gesucht – obwohl ich wusste, dass beides nicht zusammenpasst. Obwohl ich sicher war, Esther zu lieben, verliebte ich mich auch immer schnell in andere Frauen – nur weil es auf der Welt nichts Spannenderes gab als das Spiel der Verführung.

Hatte ich meiner Frau meine Liebe zeigen können? Vielleicht eine Zeitlang, doch später nicht immer. Und warum nicht? Weil ich dachte, es sei nicht notwendig, sie würde es schon wissen, könne keinen Zweifel an meinen Gefühlen haben.

Ich erinnerte mich daran, dass mich viele Jahre zuvor jemand gefragt hatte, was die vielen Freundinnen, die durch mein Leben gegangen waren, gemeinsam hatten. Die Antwort war einfach gewesen. MICH. Und als ich das begriff, sah ich, dass ich bei der Suche nach der richtigen Person viel Zeit Verloren hatte – die Frauen änderten sich, ich dagegen blieb immer derselbe, nahm von dem, was wir gemeinsam erlebte, nichts mit. Ich hatte viele Freundinnen gehabt und wartete trotzdem immer noch auf die Richtige. Ich kontrollierte, wurde kontrolliert, und die Beziehung ging nicht darüber hinaus – bis Esther gekommen war und alles vollkommen verändert hatte.

 

...

 

Man muss immer wissen, wann ein Lebensabschnitt zu Ende geht. Indem man Kreise und Türen schließt, Kapitel abschießt. Gleichgültig, wie man es nennt, wichtig ist, dass man die Augenblicke des Lebens, die bereits vergangen sind, in der Vergangenheit belässt. Ganz allmählich wurde mir klar, das sich nicht zurück und auch nichts dafür tun konnte, dass alles wieder so wurde wie vorher: Diese letzten zwei Jahre, die mir bisher wie eine endlose Hölle vorgekommen waren, begannen mir ihre wahre Bedeutung zu enthüllen.

 

Und diese Bedeutung ging weit über meine Ehe hinaus. Jeder Mann, jede Frau ist mit der Energie verbunden, die viele Liebe nennen, die aber in Wahrheit der Rohstoff ist, aus dem das Universum geschaffen wurde. Diese Energie kann nicht manipuliert werden – sie führt uns sanft, in ihr liegt alles, was wir in unserem Leben lernen. Versuchen wir sie zu lenken, so bleiben wir am Ende verzweifelt, frustriert, enttäuscht zurück – weil sie frei ist und wild.

Wir werden den Rest unseres Lebens damit verbringen, darüber zu reden, dass wir diesen Menschen oder jenes Ding lieben, obwohl wir nur leiden, weil wir, anstatt jemanden oder etwas zu akzeptieren, versuchen, deren Kraft zu drosseln, damit sie in die Welt passt, in der wir zu leben glauben.

 

...

 

Mehr als auf unsere gemeinsamen Gespräche musste ich mich jetzt auf unser Schweigen konzentrieren, weil es mir den Schlüssel zu der Zeit gab, in der die Dinge noch richtig gelaufen waren, und zu dem Augenblick, in dem sie angefangen hatten, falsch zu laufen.

 

„Marie, stell dir einmal vor, zwei Feuerwehrleute gehen in einen Wald, um ein kleines Feuer zu löschen. Als sie wieder herauskommen und an das Ufer eines Baches gelangen, ist das Gesicht des einen mit Russ bedeckt und das Gesicht des anderen vollkommen makellos. Ich frage dich: Welcher der beiden wird sich das Gesicht waschen gehen?“

„Das ist eine alberne Frage: natürlich der, dessen Gesicht voller Russ ist.“

„Falsch: Derjenige, dessen Gesicht voller Russ ist, wird den anderen anschauen und denken, er sähe genauso aus wie der andere. Und umgekehrt. Der mit dem sauberen Gesicht wird sehen, dass sein Kamerad voller Russ ist, und sich sagen: Ich muss auch dreckig sein, ich muss mich waschen.“

 

...

 

Zu meiner Überraschung versteht sie genau, was ich sage. Sie erzählt etwas über ihr Leben, sagt, sie liebe ihren Mann und auch er liebe sie, aber im Laufe der Zeit sei etwas Wichtiges verloren gegangen, sie möchte lieber weit weg sein, als zuzusehen, wie sich ihre Ehe ganz allmählich auflöse. Sie habe alles in ihrem Leben gehabt und sei trotzdem unglücklich gewesen. Obwohl sie für den Rest ihres Lebens hätte so tun können, als gebe es diese Unglücklichsein nicht, macht ihr der Gedanke angst, sie könne in eine Depression verfallen und nie wieder daraus herausfinden.

Also habe sie beschlossen, alles aufzugeben, Abenteuer zu suchen, die verhinderten, dass sie über ihre Liebe nachdenke. Je mehr sie gesucht habe, desto mehr habe sie sich selber verloren, sich desto einsamer gefühlt. Sie habe ihren Weg auf immer verloren, und das, was wir gerade erlebt hätten, habe ihr gezeigt, das sie sich auf dem falschen Weg befinde und darum besser in die Alltagsroutine  zurückkehre.

 

...

 

Esther fragt, warum die Menschen traurig seien.

„Das ist einfach“, antwortet der Alte. „Sie sind an ihre persönliche Geschichte gefesselt. Alle glauben, das Ziel des Lebens bestehe darin, einem Plan zu folgen. Niemand fragt sich, ob es der eigene Plan ist oder ob er von jemand anderem gemacht wurde. Erfahrungen, Erinnerungen, Dinge, Gedanken anderer werden angehäuft, mehr, als die Menschen tragen können. Und daher vergessen sie ihre Träume.“

Esther meint daraufhin, viele Menschen würden zu ihr sagen: „Sie haben Glück, Sie wissen, was Sie vom Leben wollen. Ich weiß nicht, was ich will.“

„Selbstverständlich wissen Sie es“, ist die Antwort des Nomaden. „Wie viele Leute kennen Sie, die ihr Leben lang sagen: Ich habe nichts von dem getan, was ich wollte, aber so sieht die Realität nun einmal aus. Wenn sie sagen, dass sie nicht getan haben, was sie wollten, dann wissen sie doch, was sie wollen.“

 

...

 

„Ich bin frei. Aber beim Erzählen begreift man auch – und darin liegt das Geheimnis -, dass einige Geschichten in der Mitte unterbrochen wurden. Diese Geschichten bleiben gegenwärtiger, und solange wir das Kapitel nicht abschließen, können wir nicht zum nächsten übergehen.“

Mir fällt ein, dass ich im Internet einen Text dazu gelesen habe, der mir zugesprochen wird, obwohl ich ihn nicht geschrieben habe:

 

Deshalb ist es so wichtig, bestimme Dinge gehen zu lassen. Los zu lassen. Sich zu lösen. Niemand spielt in diesem Leben mit gezinkten Karten. Manchmal gewinnen wir, manchmal verlieren wir auch. Erwarte nicht, etwas zurück zu bekommen, erwarte nicht, dass man deine Bemühungen anerkennt, dein Genie entdeckt, deine Liebe begreift. Zyklen beenden. Nicht aus Stolz, Unfähigkeit oder Hochmut, sondern einfach nur, weil sie nicht mehr in dein Leben passen. Schließe die Tür, lege eine andere Platte auf, räum dein Haus auf, schüttele den Staub aus. Höre auf zu sein, der du warst, und werde der, der du bist.

 

...

 

Schlimmer, als allein und elend nachts durch Genf zu flanieren, ist es, jemanden an unserer Seite zu haben und dazu beizutragen, dass dieser Mensch das Gefühl hat, er spiele in unserem Leben keine Rolle.“

 

...

 

„Wir könnten über den Resignationspunkt sprechen: Einen Augenblick in unserem Leben, in dem wir stehen bleiben und uns mit dem zufrieden geben, was wir haben.“

 

...

 

Die Frau, die ich suchte, befand sich in dieser unendlichen Weite, ich konnte ihre Seele berühren, die Melodie hören, die sie beim Teppichweben sang. Jetzt begriff ich, warum sie diesen Ort gewählt hatte. Nichts, absolut gar nichts, konnte in dieser Leere, die sie so sehr gesucht hatte, ihre Aufmerksamkeit ablenken, und der Wind würde ganz allmählich ihren Schmerz wegwehen. Ob sie sich vorstellen konnte, dass ich eines Tages zu Pferd hierher unterwegs sein würde, auf dem Weg zu ihr?

Da senkte sich vom Himmel herab das Gefühl in meine Seele, im Paradies zu sein. Mir war bewusst, dass ich einen unvergesslichen Augenblick erlebte – einen Bewusstseinszustand, den wir oftmals erreichen, wenn ein magischer Augenblick soeben vorbei ist. Ich war ganz dort, ohne Vergangenheit, ohne Zukunft, ganz auf diesen Morgen konzentriert, auf das rhythmische Klappern der Pferdehufe, auf das sanfte Wehen des Windes, er meinen Körper liebkoste, auf die unerwartete Gnade, den Himmel, die Erde und die Menschen betrachten zu dürfen.

 

...

 

Ich zitterte am ganzen Körper, als würden viele Nadeln in meine Haut dringen.

„Konzentriere dich auf die Kälte, bis du aufhörst zu zittern. Lass die Kälte dein ganzes Denken einnehmen, bis kein Raum mehr für etwas anderes da ist, bis sie sich in deinen Gefährten, deinen Freund verwandelt. Versuche nicht, sie zu beherrschen. Denke nicht an die Sonne, sonst wird es noch viel schlimmer – denn dann wird dir bewusst, dass es noch etwas anderes, die Hitze, gibt, und die Kälte wird spüren, dass sie unerwünscht und ungeliebt ist.“

 

...

 

Esther hatte womöglich das gleiche gedacht und sich gesagt: „Was für ein Unsinn, wir sind glücklich, wir können den Rest des Lebens so verbringe.“ Sie hatte ja dieselben Geschichten gelesen, dieselben Filme gesehen, dieselben Fernsehserien, in denen nie die Rede davon gewesen war, Liebe sei mehr als ein Happy-End. Warum sollte man da sich selbst gegenüber nicht toleranter sein?

 

...

 

Ich begriff, warum Esther hierher gekommen war: um leer zu werden wie die Steppe.

 

...

 

Der Raum war lichtdurchflutet. Esther hob den Blick, als ich hereinkam, lächelte und fuhr fort, den Frauen und Kindern, die inmitten von bunten Stoffen auf dem Boden saßen, weiter aus „Zerreißen hat seine Zeit, Zunähen hat seine Zeit“ vorzulesen. Jedes Mal, wenn Esther eine Pause machte, wiederholten sie den Abschnitt, ohne von ihrer Arbeit aufzuschauen.

Ich spürte einen Kloß im Hals, musste mich zusammen nehmen, um nicht sofort in Tränen auszubrechen, und von nun an fühlte ich nichts mehr. Ich schaute nur auf diese Szene, hörte, umgeben von Farben, von Licht, von Menschen, die ganz in ihr Tun versunken waren, meine Worte aus Esthers Mund.

 

Denn letztlich ist, wie ein persischer Weiser gesagt hat, die Liebe eine Krankheit, von der sich niemand befreien will. Wen sie erfasst, der versucht nicht, gesund  zu werden, und wer leidet, will nicht geheilt werden.

 

...

 

„Hallo“, sagte ich.

„Ich habe auf dich gewartet“, sagte sie.

Ich umarmte sie, legte meinen Kopf an ihre Schulter und fing an zu weinen. Sie strich mir übers Haar, und die Art, wie sie mich berührte, ließ mich begreifen, was ich mich u begreifen weigerte, ließ mich akzeptieren, was ich zu akzeptieren mich weigerte.

„Ich habe auf vielerlei Art gewartet“, sagte sie, als sie sah, dass meine Tränen versiegten. „Als verzweifelte Frau, die weiß, dass ihr Mann ihre Schritte nie begriffen hat, nie hierher kommen wird, und die deshalb zurückfliegen musste, um bei der nächsten Krise wieder abzureisen und zurück zu kommen, abzureisen und zurück zu kommen…“

„Ich habe gewartet wie Penelope auf Odysseus. Die Leere der Steppe war voller Erinnerungen an dich, an die Augenblicke, die wir gemeinsam erlebt, an die Länder, die wir zusammen bereist haben, an unsere Freuden, unsere Streitereien. Dann schaute ich zurück auf die Spuren, die meine Schritte hinterlassen hatten, und sah dich nicht.

Ich habe viel gelitten. Mir war klar, dass ich einen Weg ohne Wiederkehr eingeschlagen hatte. Ich bin zu dem Nomaden gegangen, den ich einmal kennen gelernt hatte, bat ihn, mich zu lehren, meine eigene Geschichte zu vergessen, mich der Liebe zu öffnen, die allerorts gegenwärtig ist. Ich begann, die Tengri-Tradition bei ihm zu lernen. Eines Tages blickte ich zur Seite und sah diese Liebe in den Augen eines Malers namens Dos.“

Ich sagte nichts.

„Ich war sehr verletzt, glaubte, nie wieder lieben zu können. Er sagte nicht viel, brachte mir ein paar Brocken Russisch bei und erzählte mir, dass die Menschen in der Steppe, um den Himmel zu beschreiben, immer das Wort blau benutzen, selbst wenn er grau war – weil sie wissen, über den Wolken ist er weiterhin blau. Dos hat mich bei der Hand genommen und mir geholfen, diese Wolken zu durchbrechen. Er lehrte mich, mich selber zu lieben, bevor ich ihn liebte. Er zeigt mir, dass mein Herz in meinem und in Gottes Dienst stand und nicht in dem anderer Menschen.

Dos sagte auch, meine Vergangenheit werde mich immer begleiten, aber je mehr ich mich von den Fakten befreite und mich nur auf die Gefühle konzentrierte, desto besser würde ich verstehen, dass es in der Gegenwart immer Räume gibt, die so groß sind wie die Steppe und die es mit mehr Liebe und mehr Lebensfreude zu füllen gilt.

Schließlich erklärte er mir, dass das Leiden wächst, wenn wir von den anderen erwarten, dass sie uns so lieben, wie wir es uns vorstellen, und nicht so, wie die Liebe sich offenbaren muss – frei, ohne Kontrolle, indem sie uns mit ihrer Kraft leitet und verhindert, dass wir stehen bleiben.“

 

...

 

„Ich bin schwanger.“

Für mich brach eine Welt zusammen. Aber nur eine Sekunde lang.

„Dos?“

„Nein. Jemand, der kam und ging.“

Ich lachte, obwohl mir bang ums Herz war.

 

 

 

 

 

Metamorphosen
(Ovid)

 


Die Metamorphosen zählen neben der Aeneis von Vergil zu den bedeutendsten mythologischen Groß-Epen der Antike. Die rund 250 Verwandlungssagen aus der griechischen und italischen Mythologie, die ein weites Spektrum von Göttern, Menschen, Tieren und Pflanzen umfassen, vermitteln auf lebendige Weise die Welt des Mythos.
Inhalt: Ovid beginnt mit den Mythen der Urzeit, der Weltschöpfung, Götterversammlung und Sintflut, befasst sich im zweiten Hauptteil mit Götter- und Heroensagen (Jupiter, Apollo, Perseus, Theseus, Herkules etc., behandelt den Sagenkreis um den Trojanischen Krieg, nimmt sich italischer Mythen an (Aeneas-Sage und altitalischer Sagenhistorien) und gelangt mit der Apotheose des Augustus, die den krönenden Abschluss des Werks bildet, zu seiner eigenen politisch-historischen Gegenwart.
Ovid stellt die Menschen mit Einfühlung, Ironie sowie mit pointiertem Witz dar und wählt teilweise auch erotische Präsentationen. Mit der Verwandlung in Tier, Baum, Quelle oder Stern lässt Ovid eine umfassende vegetabilisch-animalische Allnatur aufscheinen. In Ovids Metamorphosen wird die alte mythische Tradition aufgehoben, der Mythos erscheint säkularisiert und auf die neutrale Ebene einer poetisch-symbolischen Stoffwelt gehoben. Das antike Epos hat hier seine religiös-kultische Funktionalität verloren. Die Menschen werden hier ausschließlich von psychischen Kräften wie Liebe, Sehnsucht und Wille gesteuert, Natur, Gesetz oder Sitte bilden den Rahmen ihres Lebens.
Aufbau: Das Werk umfasst 15 Bücher zu je 700 bis 900 Hexameterversen. Ovid reiht etwa 250 Verwandlungssagen aneinander, beginnend mit der Entstehung der Welt aus dem Chaos bis zum Anfang der imperialen Ordnung der Augusteischen Epoche. Die kunstvolle Grundidee Ovids, Erzählungen des alten Mythos anhand des Verwandlungsmotivs aneinanderzureihen, entsprach der hellenistischen Lyrik. Die Gelehrsamkeit der Vorbilder ließ Ovid dabei zu Gunsten des eigenen leichten und spielerischen Stils zurücktreten.
Wirkung: Die Metamorphosen haben auf die bildende Kunst und die spätere Dichtung seit zwei Jahrtausenden beträchtlichen Einfluss ausgeübt. In der römischen Kaiserzeit wurde Ovid viel gelesen und nachgeahmt. Die Metamorphosen übertrugen mythologische Bildung von der Antike über das abendländische Mittelalter bis in die Renaissance und das Zeitalter des Rokoko.
Im Mittelalter wurde Ovid nach Vergil am meisten geschätzt. Der byzantinische Gelehrte Manuel Planudes (1255–1310) übersetzte u. a. die Metamorphosen ins Griechische, Dante Alighieri stellte Ovid neben Homer und Horaz. Noch die heutige mythologische Überlieferung gründet sich auf das Werk Ovids. So wird der mythische Begriff des »Chaos« allgemein im Sinne der Metamorphosen verwendet. Viele der bekanntesten mythologischen Bildungsinhalte wurden maßgeblich durch Ovid tradiert wie die Flut des Deukalion oder Auffahrt und Absturz des Phaethon im Sonnenwagen. Ovid ist zu verdanken, dass er so manche mythologische Figur verewigte, so z. B. Narziss oder Pygmalion.

 

 

Kurzbeschreibung:


Diese virtuos verknüpfte Reihe von Götter- und Heldensagen gehört zu den fesselndsten und wichtigsten Werken der antiken Literatur - eine Dichtung, die an Bewegtheit, Farbigkeit und Stil ihresgleichen sucht, und ein Quellenwerk, das uns, vielfach als einziges, weltberühmte Sagen wie die von ' Philemon und Baucis ', ' Venus und Adonis ', ' Perseus und Andromeda ', ' Niobe ' und unzählige andere erhalten hat. Neben den grausigen Mythen der Vorzeit schildert das Werk in strahlenden Bildern Schönheitsrausch und Eros der Antike, dazu lehrt es die Furcht vor den allmächtigen Göttern, die bald lieben, bald hassen, dem Tugendhaften helfen, den Frevler ins Verderben stürzen.

 

 

Autorenporträt:


Publius Ovidius Naso (43 v. Chr. - 18 n.Chr.) stammte aus einer Ritterfamilie. Er gab die politische Laufbahn zugunsten der Dichtung auf, wurde aber wegen moralisch bedenklichen Einflusses seiner Werke von Augustus im Jahr 8 n. Chr. ans Schwarze Meer verbannt. Bis dahin vom Glück verwöhnt, hat Ovid diesen Sturz nie verwunden und starb verbittert im Exil.
 

 

 

 

 

Die Liebesblödigkeit
(Wilhelm Genazino)

 

 

Klappentext:

 

 Wenn man versucht, die Liebe zu begreifen, dann wird das böse enden. Wilhelm Genazinos neuer Roman erzählt von einem Mann, der mit zwei Frauen leben kann, aber mit einer nicht. Und der trotzdem versucht, eine von beiden zu verlassen.

 

„Ich kann die dauerhafte Liebe zu zwei Frauen nur empfehlen. Sie wirkt wie eine wunderbare Doppelverankerung in der Welt. Man wird mit Liebe gemästet, und das ist genau das, was ich brauche. Die Liebe zu zwei Frauen ist weder obszön noch gemein noch besonders triebhaft oder lüstern. Sie ist im Gegenteil völlig normal (und normalisierend), sie ist eine bedeutsame Vertiefung aller Lebensbelange. Ich vergleiche sie oft mit der Elternliebe. Niemand hat je gefordert, dass wir nur die Mutter oder nur den Vater lieben dürfen. Im Gegenteil, alle Welt verlangt von uns, dass wir Mutter und Vater lieben, und  zwar gleichzeitig und stets heftig und ein Leben lang oder sogar länger.“

 

 

 

Hautnah erlebt
(Brigitte Lang)

 

 

 

Die Autorin Brigitte Lang hat schwere Phasen durchlebt. Durch die Geburt ihrer Tochter veränderte sich ihr Leben dramatisch, denn bereits als Säugling litt Bettina an Neurodermitis und Schuppenflechte. Neun Jahre war die ganze Familie davon massiv betroffen, die Frage nach dem "Warum" war ständig präsent. Der letzte Ausweg, um Hilfe zu bekommen, führte zu den Medien. Mit Sendungen im österreichischen und deutschen Fernsehen vor allem "Vera" kam die große Wende. Durch Therapietipps, positive Gespräche und Hinweise auf Behandlungsarten änderte sich die Lebenseinstellung aller Familienmitglieder. Dass Gefühle im Leben so wichtig sind, war Brigitte Lang nie so bewusst wie in der Zeit nach den Medienauftritten

 

 

 

Kurzbeschreibung:

 

Hautnah erlebt: Vorwort von Dr. Franz Witzmann. Persönlichkeitstrainer und Psychotherapeut in Linz/Österreich. Der Inhalt erstreckt sich von Kindheitserlebnissen über den gesamten Weg des Lebens von Brigitte Lang. Bekannt aus den deutschen und österreichischen Medien wie RTL,VERA. Sie schreibt über Dinge, die eigentlich keiner preisgeben will, die innersten Gefühle. Jeder kann sich aufgrund ihrer Erzählungen darin selbst finden! Sie möchte einfach den Menschen Mut geben, auch wenn manches manchmal aussichtslos erscheint, konsequent einen bestimmten Weg einzuhalten, jeden wissen zu lassen, dass es jeder schaffen kann, wenn man nur fest an sich arbeitet. Hautnah erlebt, dieses Buch bietet zuerst Einblick, wie tragisch das Leben verlaufen kann (die Tochter von Brigitte Lang litt 9 Jahre an schwerster Neurodermitis und Schuppenflechte), welche Erfahrungen wurden daraus gemacht und wie kann man eine Wende erzielen! Aus der Verzweiflung und aus Neugierde, wieso und warum etwas im Leben entsteht, wurden von Brigitte Lang viele Ausbildungen absolviert zB. dipl. Ernährungsberaterin.., Therapien wurden konsequent durchgezogen wie Clustertherapie = Vergangenheitsbewältigung, Kurse und Vorträge besucht usw. und sie hat sehr viel daraus gelernt. Diese wertvollen Erfahrungen gibt sie in diesem Buch weiter. Dieses Buch entstand, weil sie das große Bedürfnis hat, ihre Erkenntnisse in die Welt hinaus zu tragen. Sie zeigt auf, was Lebensgewohnheiten auslösen können, dass der Körper uns alle Signale aufzeigt und dadurch die Haut verrückt spielen kann. Wie wichtig Gefühle im Leben sind, wieso Geborgenheit, Liebe usw. das Wichtigste ist, um sich glücklich zu fühlen, bzw. um sich in der Haut wohl zu fühlen.

Auszug aus dem Inhalt: Lebensgeschichte, Lösungsvorschläge, Anstöße zum Umdenken, Aufarbeiten, ein kurzer Anhang von den Erfahrungen aus den Medien, Erfahrung Betroffener, ein Anhang mit Erfahrung zur Ernährung, einfach für Jeden ist etwas dabei. Ob nun wer betroffen ist oder nicht, es ist einfach aus dem Leben gegriffen und für jedermann leicht zum Umsetzen. Das Buch gibt Hoffnung und es möge vielen Menschen einen langen Leidensweg ersparen. Jeder muss sich natürlich bewusst sein, dass nur durch kleine Veränderungen Großes entstehen kann. Man kann den Weg jemandem zeigen, gehen muss man ihn schlussendlich selbst. Geschrieben wurde dieses Buch für ihre Tochter Bettina und für all diejenigen, die ihr Leben besser bewältigen wollen.

 

 

 

 

Auszüge:

 

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Die psychosomatische Therapie ist eine Therapieform, die sich nicht nur auf den Körper konzentriert, sondern Körper, Geist und Seele in den Prozess mit einbezieht. Wir sehen  Krankheit nicht als Übel sondern als deutliches Zeichen einer Beeinträchtigung des inneren Gleichgewichts. Sie ist ein Versuch, die Harmonie wieder herzustellen. Anstoß, uns mit den Problemen, die der Krankheit  zugrunde liegen,  zu beschäftigen. Insofern wirkt sie wie ein Signallicht, das uns anzeigt, dass etwas in Unordnung geraten ist. Eine Erkrankung kann dann ein sehr wichtiger Abschnitt m Leben sein, wenn die Erfahrung des Leidens und der Schwäche zum Ausgangspunkt für Reifung und Neuorientierung wird. Die Krankheit ist kein äußerer Feind, sondern hat mit Ihnen und Ihrem Leben zu tun. Daher geht es nicht darum, die Krankheit „wegzumachen“, sondern zuerst zu verstehen, worauf sie hinweist und darauf zu reagieren, sodann sie wie ein Warnlicht überflüssig wird und erlöschen kann.

  

 

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Die Schlange ist in erster Linie ein Angstsymbol. Die Schlangen sollten den Traum zur Heilung hervorrufen. Nach Artemidor zeigt der Schlangentraum Heilung und Rückkehr der Lebenskraft an. Sie ist ein Unsterblichkeitssymbol, die Häutung bedeutet Wiedergeburt.

 

 

 

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Zu gewissen Zeiten, zum Beispiel im September, erwarteten wir gedanklich immer schon einen Schub, der dann natürlich auch kam.

 

So eine Gegebenheit nennt man „die sich selbst erfüllende Prophezeiung“.

 

Es tritt genau das ein (Prophezeiung), wovor man Angst hat. Wenn Bettina eine Wiese betrat, hatte ich große Angst vor Reaktionen, denn es wurde uns ausdrücklich gesagt, sie dürfe wegen ihrer Gräser- und Pollenallergie nicht ins Gras.

 

  

 

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Bei der Familienaufstellung nach Bert Hellinger heißt es, dass man eine Sache, die man nicht begreift, immer wieder anschauen muss. Das Problem taucht so lange immer wieder auf, bis man es angenommen hat.

 

Es ist schwer, manche Dinge zu vergessen und zu überwinden. Jeden Tag muss man wieder aufs Neue Konflikte lösen, darum sollte man gut mit der Vergangenheit abschießen, sonst wird man von ihr immer wieder eingeholt und mit der Gegenwart nicht fertig.

 

 

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Martha M., Wien

Kaufen Sie sich erst einmal das Buch von der Darmreinigung von Dr. Rauch, Haugh-Verlag. Ich habe dann selbst die Mayr-Kur durchgeführt und nach nur 3 Wochen war ich 80 % geheilt. In den 24 Jahren habe ich wirklich alles versucht, von der Homöopathie bis zum Desensibilisieren (da kann ich nur lachen, sie sagten zu mir, ich sei auf 62 Lebensmittel allergisch) Keine Spur! Glauben Sie nicht so etwas.

 

 

 

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Edith M., Linz, April 1997

Ich möchte Sie in diesem Schreiben auf Dr. Bruker aufmerksam machen. Dr. med. M. O. Bruker ist Arzt für Innere Medizin und war lange Zeit Leiter eines biologischen Krankenhauses in Lahnstein (BRD). Ein Arzt, der nicht die Symptome, sondern die Ursachen bekämpft. In seinen Büchern klärt er die Bevölkerung auf einfache und verständliche Weise über den Zusammenhang von Ernährung und Krankheit auf. An der Universität gibt es kein Fach, an dem dies gelehrt wird. Sodass ein Arzt, der das beste Examen gemacht hat, über die einfachen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheit unter Umständen weniger weiß als jeder an diesen Fragen interessierte Laie. Ein Zustand, der absurd ist, dass man ihn nicht für möglich halten möchte. Hier müsste nun die Aufklärung einsetzen. Doch die Medizin hat die Information auf dem Gebiet der Ernährung völlig der Nahrungsmittelindustrie und deren Interessenvertretern überlassen. Der manipulierte Mensch: Uns wird eingeredet, Margarine sei gesünder als Butter! Wie wertvoll die Milchschnitte und die Fruchtzwerge wären … und Kinder trinken Benco – damit sie stark und schlau werden? Schlau ist der Erzeuger!

 

 

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Hilde D., NÖ, 21.3.1997

Die wichtigste Erkenntnis war, dass alle Menschen mit solchen – und vielen anderen Leiden – Pilze im Körper haben, welche das Ausmaß der Normalität weit übersteigen und pathogen wirken. Das ist eine Begleiterscheinung, denn unser Immunsystem ist durch Umwelteinflüsse geschädigt. Pilze beeinträchtigen das Immunsystem. Man behandelt mit Cortison und Antibiotika – beides Stoffe, von welchen die Pilze erst so richtig lebendig werden. Es wird leider in den meisten Fällen unterlasse, nach einer „harmlosen“ Antibiotikagabe den Darm zu sanieren.

 

 

 

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Hans R. aus OÖ

Hier einen Text für Sie: Aussagen, negative Erwartungshaltungen = Angst zieht Angst an, Ärger, diese Gefühle und Vermutungen sollten der Vergangenheit angehören. Diese Gefühle sind oft so stark, dass sie unsere persönliche Freiheit beeinträchtigen. Veränderungen sind oft nicht sofort möglich, jedes Verhalten oder Verletzung wird in uns gespeichert. Wir können viel ändern, wenn wir nur wollen. Üben Sie sich ebenfalls in Geduld, Ausdauer, haben Sie Vertrauen zu sich und zu den anderen. Seien Sie zuversichtlich, bringen Sie Verständnis auf, haben Sie Freude am Leben, leben Sie bescheiden. Um glücklich zu sein, braucht man nicht viel, seien Sie dankbar jeden Tag für Ihre Gesundheit, denn sie wird eintreten, wenn man alles so akzeptiert, wie es eben ist. Manches kann man beeinflussen, aber manches muss man eben so annehmen wie es ist! Legen Sie Ärger und Bitterkeit ab, alles wird entspannter und einfach. Es geht sicher nicht von heute auf morgen, aber es wird sich alles zum Besten wenden. Die Hilflosigkeit, der Rückzug aus gewissen Bereichen, geht in angenehme Dinge über.

 

 

 

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Der Gedanke!

 

Geist, Seele und Körper sind untrennbar miteinander über mehrere Ebenen verbunden. Während der Körper die stoffliche Ebene darstellt, gibt es noch weitere nicht sichtbare Ebenen, die Aura genannt werden. Sie verbinden uns mit unserem höheren Selbst, mit unserer Seele. Jetzt sind da unsere Gedanken, eine Form von Energie, die in uns selbst entsteht. Jeder unserer Gedanken löst ein Gefühl und dieses Gefühl eine körperliche Reaktion aus. Ist der Gedanke negativ, entsteht in uns ein ungutes, also negatives, Gefühl – Unwohlsein ist die schwächste körperliche Reaktion. Durch negative Gedanken und Gefühle beeinträchtigen wir den Austausch der Energien  zwischen Seele, Geist und Körper, es entstehen Blockaden.

In unserer Gesellschaft sind wir umgeben von Menschen mit Vorurteilen, von Menschen, die fast täglich von ihrer oder Krankheiten anderer sprechen und von Medien, die zu 90 % negatives Gedankengut verbreiten. Lesen oder hören wir einmal etwas Positives, neigen wir dazu, es anzuzweifeln oder bedienen uns selbst der Schwarzmalerei. An uns liegt es, sich negativen Gedanken und Vorstellungen dieser Art zu entziehen. Dunkelheit verscheucht man mit Licht, negative Gedankenmuster schaltet man am wirksamsten aus, indem man sie durch positives Denken ersetzt.

Positives Denken ist nicht bloß irgendein Trend unserer Zeit, es ist der Schlüssel zu einer anderen Lebenseinstellung. Lassen wir uns darauf ein, lassen wir los von negativen, einschränkenden Gedanken. Von einem negativen Gedanken hat noch keiner von uns profitiert.

 

 

 

 

S. 103

Eine Dame aus Linz schickte uns einen Bericht (ÖKOFORUM Nr. 5/97):

Der fatale Kreislauf des Paraffin: Paraffine sind in vielen Kosmetikprodukten enthalten. Positiv an Paraffin ist eigentlich nur eines: der extrem hohe Reinheitsgrad, daher gibt es selten allergische Reaktionen. Da aber Paraffin als Erdölderivat eine fast undurchdringliche Schicht auf der Haut erzeugt, bildet sich – ähnlich wie unter einem Plastiksack – im Unterhautfettgewebe ein Wärmestau, allergische und entzündliche Reaktionen nehmen zu, besonders bei Sonnenbestrahlung. Durch die Paraffinschicht entsteht also für geraume Zeit eine Blockade, irgendwann tritt aber die Entzündung schlagartig hervor, es kommt zu heftigen Beschwerden, sodass nur noch der Weg zum Arzt bleibt. Der kann aber wiederum nur mit klassisch entzündungshemmenden Präparaten helfen, die fast alle auf Paraffinbasis hergestellt sind und Antibiotika oder Cortison enthalten. Danach heilt die Entzündung zwar rasch ab, aber nach einiger Zeit beginnt der Kreislauf von vorne.

 

 

... 

 

Ein anderer Herr schrieb, wir müssten uns selbst erziehen, die Dinge anzunehmen, wie sie sind. Das sei die Kunst des Lebens. Eine optimistische und positive Einstellung sei nur eine Frage der Übung, eine Frage der Zeit. Gesundheit zu sehen, statt ständig die Krankheit zu pflegen. Keine Zweifel aufkommen lassen, das schwäche den Körper erneut, ohne es zu wollen. Mutlosigkeit, Angst und Zweifel seien unsere stärksten Gegner auf unserem Weg Positive Gedanken bringen Mut und Kraft. Nicht von anderen beeinflussen lassen, sonder sich selbst beeinflussen. Selbstvertrauen entwickeln, erkennen, worauf es ankommt.

 

 

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Eine Dame schrieb, der Gedanke oder eine Idee steuert die Gefühle und diese beeinflussen wieder den physischen Körper. Zwischen den Gefühlen und dem Körper befinden sich die Lymphen, die reagieren. Wenn es notwendig ist mit Schwäche = Krankheit. Der Körper ist die letzte Instanz. Alles kommt von der persönlichen Einstellung. Der Körper kann eigentlich nr dann krank werden, wenn eine Störung des Energieflusses besteht. Also wenn Disharmonie vorhanden ist. Körper, Geist und Seele sind im Ungleichgewicht. Körperlich durch falsche Ernährung, Elektrosmog, einen schlechten Schlafplatz, zu wenig Bewegung. Geistig und seelisch durch Angst, Schuldgefühle, Sorgen, Wut, Zweifel, Stress. Jeder unserer Gedanken löst ein Gefühl und dieses Gefühl eine körperliche Reaktion aus. Durch schlechte Gedanken und schlechtes Wohlbefinden entstehen Blockaden, der Energiefluss stimmt nicht mehr. Tauschen Sie einfach die schlechten Gedanken mit guten Gedanken, genießen Sie jeden Auenblick, die schönen Dinge des Lebens. Verlieren Sie nie den Humor, denn Lachen ist gesund und beeinflusst das Immunsystem positiv. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Natürlich kann es immer wieder zu Rückschlägen kommen, wenn wir auf unseren Körper nicht achten. Unser Körper will uns einfach etwas mitteilen. Oft werden schon Kleinigkeiten mit verschiedenen Medikamenten unterdrückt und die Symptome verschwinden für einige Zeit. Wir müssen die Warnhinweise beachten, bei Hautkrankheiten oder anderen Krankheiten passiert es allzu oft, dass wir lange nicht auf die kleinen Signale achten, bis eines Tages ein starker Schub auftaucht.

 

 

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Wir Menschen müssen wieder das Vertrauen gewinne, dass jede Krankheit, jeder Misserfolg zu besiegen ist. Ist das Vertrauen erst einmal zurückgekehrt, dann wendet sich alles zum Guten.

 

 

...

 

Der Körper verfügt über vier große Kläranlagen bzw. Entgiftungsstationen, die ihn von unerwünschtem Ballast befreien. Die Niere, die Lunge, die Haut und das Verdauungssystem.

 

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Was Niere und Blase nicht ausscheiden können, das muss der Darm ausscheiden; was der Darm nicht ausscheiden kann, muss die Lunge ausscheiden; was die Lunge nicht ausscheiden kann, muss die Haut ausscheiden, und was die Haut nicht mehr ausscheiden kann, das führt zum Tod.“

 

 

 

Gabriel Barylli

 

 

 

wurde 1957 in Wien als Sohn eines "Wiener Philharmonikers" und einer Sängerin geboren. Nach seiner Schauspielausbildung am Wiener Reinhardt-Seminar folgte sofort ein Engagement in Berlin und Salzburg.

Heute ist Gabriel Barylli einer der bekanntesten Regisseure, Schauspieler und Buchautoren der Gegenwart.

1989 erschien sein Debütroman "Butterbrot", mit dem er sich in die Herzen seines Publikums schrieb und der längst zum Bestseller geworden ist. Der Roman wurde von ihm selbst verfilmt, sein Theaterstück "Butterbrot" zum meistgespielten Stück der letzten zehn Jahre auf über achtzig Bühnen in Deutschland.

1991 folgte der Roman "Folge dem gelben Steinweg", der zum Kultbuch einer ganzen Generation wurde, 1993 "Honigmond", zu dem Gabriel Barylli ebenfalls ein Theaterstück schrieb und einen Film produzierte, 1997 "Nachmittag am Meer" und 1998 "Denn sie wissen, was sie tun".

 

 

 

Paulo Coelho

Paulo Coelho ist nicht nur einer der meistgelesenen, sondern auch der einflussreichsten Autoren der Gegenwart.
BAMBI-Jury 2001 bei der Überreichung des Kultur-Bambi 2001.

Paulo Coelho, von den einen als Alchimist des Wortes, von den anderen als Phänomen der Massenkultur angesehen, genießt eine Breitenwirkung wie kein anderer Schriftsteller unserer Zeit. Millionen von Lesern aus 150 Ländern, unabhängig von Glauben und Kultur, gilt er als ihr Lieblingsautor.

Seine in 55 Sprachen übersetzten Bücher haben die ersten Plätze der Bestsellerlisten erobert, sie sind nicht mehr nur literarische Ereignisse, sondern weltweit Gegenstand gesellschaftlicher und kultureller Diskussionen. Seine Gedanken, seine Philosophie und die Themen seiner Bücher greifen die Sehnsüchte von Millionen Lesern auf, die nach neuen Wegen suchen, nach einem anderen Verständnis der Welt.

Paulo Coelho wird 1947 in eine gutbürgerliche brasilianische Familie hineingeboren, sein Vater Pedro ist Ingenieur, seine Mutter Lygia Hausfrau.

 

 

 

 

 

Nicholas Sparks

Nicholas Sparks wurde am 31. Dezember 1965 in Omaha, Nebraska, geboren.
Er zieht mit seiner Familie zieht nach Minnesota, Los Angeles und schließlich nach Fair Oaks, Kalifornien.

Er bekommt ein Stipendium für die Universitär Notre Dame und arbeitet nach seinem Abschluss als Immobilienmakler, Hausrestaurator, Kellner und Vertreter von Zahnprodukten. Er stellt Orthopädische Geräte her und arbeitet als Arzneimittelvertreter.

Nebenbei schreibt er Romane, von denen die ersten beiden in der Schublade landen.
Im Mai 1994 beschließt er, noch einen Roman zu schreiben und nach der Geschichte der Großeltern seiner Frau entsteht "Wie ein einziger Tag.
Sein Roman "Weit wie das Meer" wird mit Kevin Costner verfilmt.

Nicholas Sparks lebt mit seiner Familie in South Carolina.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Marc Levy

 

 

Marc Levy wurde 1961 als Sohn eines Verlegers in Frankreich geboren. Er ist von Beruf Architekt und entdeckte schon früh seine Liebe zur Literatur und zum Kino. Sein erster Roman, "Solange du da bist", der von Steven Spielberg verfilmt wird, wurde zu einem internationalen Bestseller. Seit seinem Welterfolg lebt Marc Levy als freier Schriftsteller in London und New York.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Haruki Murakami

 

 

Haruki Murakami wurde am 12. Januar 1949 in Kioto geboren, wuchs aber in einer Vorstadt der Hafenstadt Kobe heran. Sein Vater war Sohn eines Buddhistenpriesters, seine Mutter Tochter eines Händlers in Osaka. Beide unterrichteten japanische Literatur in Kobe.

Aber schon von Kindheit an interessierte Haruki Murakami sich mehr für amerikanische als für japanische Literatur; da Kobe eine Hafenstadt war, viele amerikanische Marinesoldaten hier stationiert waren, hatte er es nicht schwer, in den Second-Hand-Buchläden an amerikanische Paperbacks zu gelangen. 

Nach Studiumsabschluss (Theaterwissenschaft und Drehbuchschreiben) jobbte er erst in einem Plattenladen, ehe er in Tokyo seine erste Jazzbar eröffnete, "Peter Cat", die er von 1974 - 1982 führte. 

Er hatte gleich nach Studienabschluss geheiratet (und ist mit dieser Frau auch immer noch verheiratet, klammert seine Familie bei Interviews jedoch aus) - was bedingte, dass er sich ins Erwerbsleben stürzte. Doch von Anfang an war ihm klar, dass er in einem der japanischen Unternehmen mit der dort üblichen Hierarchie nicht würde arbeiten können. Dazu fühlte er sich zu sehr als Individualist. 

Wie es kam, dass er zu schreiben begann, erzählt er selbst so:  nachdem an einem Aprilabend 1978 der Amerikaner Dave Hilton beim Spiel der Yakult Swallows gegen die Hiroshima Carp zum Schlag ausholte und den Ball extrem weit schlug wusste er, "ich kann einen Roman schreiben". 

1979 erschien dann auch das erste Buch  "Hear the Wind Sing". Dieser Titel wurde zwar ins Englische übersetzt, ist mittlerweile aber nur noch antiquarisch zu erhalten, wie auch der ein Jahr später erschienene Roman "Pinbal, 1973". Da der Autor sich mittlerweile von seinem Frühwerk distanziert und es keine Neuauflagen der englischen Übersetzungen geben wird, besteht für die deutschen Leser wenig Hoffnung, diese Bücher jemals zu Gesicht zu bekommen.

 

 

 

 

 

 

 

Robert Menasse

 

 

Robert Menasse, geboren 1954 in Wien, studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina. Er lebt heute als Romancier und Essayist in Wien und Amsterdam.

Robert Menasse veröffentlichte die Romane "Sinnliche Gewissheit", 1988, "Seelige Zeiten, brüchige Welt", 1991, "Schubumkehr", 1995, und u. a. die Essays "Das Land ohne Eigenschaften", 1995, "Überbau und Underground", 1997, und "Erklär mir Österreich", 2000.

 

 

 

Robert James Waller

Der Autor, Fotograf und Musiker Robert James Waller war Professor für Betriebswirtschaft, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Sein erster Roman „Die Brücken am Fluss“, mit Meryl Streep und Clint Eastwood verfilmt, war ein sensationeller internationaler Bucherfolg. Auch sein zweites Buch „Die Liebenden von Cedar Bend“ hat die Leser weitweit begeistert. Robert James Waller lebt heute in Texas.

 

 

 

Johannes Pausch

Johannes Pausch, OSB, Mag. Dr. theol., geb. 1949, Studium der Philosophie, Theologie, Sozialpädagogik/Heilpädagogik. 1993 Mitbegründer des Europakosters Gut Aich in St. Gilgen am Wolfgangssee. Arbeitet als Psychotherapeut mit dem Schwerpunkt BegleiterInnen und MeditationslehrerInnen. Psychotherapeutischer Leiter des Hildegardzentrums im Kloster Gut Aich, Leiter der Likörkellerei des Klosters. Autor mehrerer spiritueller Werke.

 

 

Gert Böhm

 

Gert Böhm war Profisportler und Manager. Er arbeitet heute als Berater und freiberuflicher Publizist. Er ist mit Johannes Pausch seit Jahren befreundet. Zuletzt von beiden Autoren gemeinsam: Gesundheit aus dem Kloster, Heilwissen ohne Risiken und Nebenwirkungen.

 

 

 

Wilhelm Genazino

 


Wilhelm Genazino, geboren 1943 in Mannheim, arbeitete nach dem Gynmasium zunächst als freier Journalist später als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften (u.a. für "Pardon"). Seit 1971 arbeitet er als freier Schriftsteller und war

von 1980 -1986 Mitherausgeber der Zeitschrift "Lesezeichen". Er lebt heute in Frankfurt.


Werke:


1977 Abschaffel. Eine Trilogie
1989 Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz. Roman
1992 Leise singende Frauen. Roman
1994 Die Obdachlosigkeit der Fische. Roman
1996 Das Licht brennt ein Loch in den Tag. Roman
1998 Die Kassiererinnen. Roman
2000 Auf der Kippe. Ein Album
2001 Ein Regenschirm für diesen Tag. Roman
2003 Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman
2004 Der gedehnte Blick



 

 

 
 


Ich folge seinem Rat. (In der Regel pflege ich Krähes Ratschlägen zu gehorchen). Ich konzentriere mich, spitze die Ohren, und mein Gehirn saugt wie ein Schwamm alles auf, was im Unterricht gesagt wird. Dadurch gelingt es mir, in der kurzen Zeit der Schulstunden alles zu begreifen, sodass meine Leistungen in den Klassenarbeiten stets zu den besten gehören, obwohl ich außerhalb der Schule so gut wie nie lerne.
Meine Muskeln werden hart wie Stahl, und ich werde immer wortkarger. Ich versuche, mein Mienenspiel beherrschen zu lernen, damit meine Lehrer und Mitschüler mir keine meiner Gefühlsregungen und Gedanken vom Gesicht ablesen können. Bald werde ich die unbarmherzige, grausame Welt der Erwachsenen betreten und dort ganz auf mich gestellt überleben müssen. Deshalb muss ich zäher und stärker werden als alle anderen.
Im Spiegel sehe ich, dass meine Augen kalt glänzen wie die einer Eidechse und dass mein Gesichtsausdruck immer versteinerter und unnahbarer wird. Auch wenn ich darüber nachdenke, kann ich mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal gelacht habe. Oder gelächelt. Nicht einmal für mich selbst.
Doch nicht immer gelingt es mir, meine stumme Isolation zu verteidigen. Der hohe Schutzwall, der mich umgibt, kommt leicht zum Einsturz. Das geschieht nicht oft, aber doch hin und wieder. Unerwartet fällt die Mauer, sodass ich der Welt nackt gegenüberstehe. In solchen Fällen überkommt mich Verwirrung. Grauenhafte Verwirrung. Und dazu kommt noch die Prophezeiung. Ständig lauert sie in mir wie ein dunkles, trübes Gewässer.

Ständig lauert die Prophezeiung wie ein dunkles, trübes Gewässer.

Noch lauert sie heimlich an irgendeiner unbekannten Stelle. Aber wenn die Zeit kommt, wird sie lautlos überfliessen, deine Zellen eine nach der anderen kalt durchdringen, und du wirst in dem Gefühl, gleich in dieser grausamen Flut zu ertrinken, nach Luft ringen. An einem Luftschacht an der Decke wirst du kleben und in Panik nach der frischen Luft im Freien schnappen. Aber die Luft, die du einsaugst, ist heiss und trocken und verbrennt dir die Kehle mit ihrer Hitze. Mit vereinten Kräften fallen die Extreme Wasser und Trockenheit, Kälte und Hitze gleichzeitig über dich her.
Auf der ganzen weiten Welt findet sich nirgends ein Ort, der dir Zuflucht bieten kann – obwohl schon das kleinste Eckchen genügen würde. Suchst du die Stimme der Prophezeiung, herrscht nur tiefes Schweigen. Doch kaum suchst du das Schweigen, dröhnt sie unablässig. Als hätte jemand auf einen geheimen, in deinem Kopf versteckten Knopf gedrückt.
Dein Herz gleicht einem grossen, von langem Regen angeschwollenen Fluss. Alle Orientierungspunkte sind restlos in seinen Fluten verschwunden, vielleicht schon an irgendeinen dunklen Ort davongeschwemmt. Immerfort prasselt der Regen auf den Fluss. Und sooft du in den Nachrichten eine überflutete Landschaft siehst, denkst du: Ja, genauso sieht es in meinem Herzen aus.
Bevor ich von zu Hause fortlaufe, wasche ich mir Gesicht und Hände mit Seife. Ich schneide mir die Nägel, säubere mir die Ohren und putze mir die Zähne. Ich nehme mir Zeit für eine möglichst gründliche Reinigung. Sauberkeit ist manchmal wichtiger als alles andere. Anschließend betrachte ich mein Gesicht aufmerksam im Badezimmerspiegel. Das Gesicht, das mein Vater und meine Mutter – wenngleich ich nicht die geringste Erinnerung an meine Mutter habe – mir vererbt haben. Ich kann jeden Ausdruck daraus verbannen, das Leuchten in meinen Augen abtöten, Muskeln aufbauen, soviel ich will, das Gesicht selbst kann ich nicht verändern. So sehr ich es mir auch wünsche, die dunklen, langen Brauen mit der tiefen Kerbe dazwischen, die ich von meinem Vater habe, kann ich nicht loswerden. Wenn ich wollte, könnte ich meinen Vater töten (mit der Kraft, die ich inzwischen besitze, wäre das keine Schwierigkeit) und die Mutter aus meinem Gedächtnis streichen, aber ihre Gene in mir kann ich nicht löschen. So wenig wie ich mich selbst aus mir vertreiben kann.
Und dann ist da noch die Prophezeiung. Wie ein innerer Mechanismus ist sie mir einprogrammiert.
Mir einprogrammiert wie ein Mechanismus. Ich mache das Licht aus und verlasse das Badezimmer.
Im Haus herrscht eine schwere, drückende Stille. Sie besteht aus dem Flüstern von Menschen, die nicht existieren, dem Atem von Menschen, die nicht leben. Ich sehe mich um, bleibe stehen und hole tief Luft. Die Zeiger der Uhr stehen auf kurz nach drei Uhr nachmittags. Sie wirken schrecklich kalt und distanziert. Unparteiisch zwar, aber eben doch nicht auf meiner Seite. Allmählich wird es Zeit, diesen Ort hinter mir zu lassen. Ich schultere meinen kleinen Rucksack. Obwohl ich ihn immer wieder probeweise aufgesetzt habe, fühlt er sich auf einmal viel schwerer an als vorher.
Als Reiseziel habe ich Shikoku gewählt. Nicht, dass es einen bestimmten Grund für mich gibt, nach Shikoku zu fahren. Aber als ich den Atlas aufschlage, habe ich irgendwie das Gefühl, dass ich mich dorthin wenden sollte. Je öfter ich darauf schaue, umso mehr zieht die Gegend mich an. Shikoku liegt viel südlicher als Tokyo, ist von Hondo durch das Meer getrennt und verfügt über ein mildes Klima. Ich war noch nie auf Shikoku und habe dort weder Bekannte noch Verwandte. Schon deshalb wird es unmöglich sein, mich dort aufzuspüren, selbst wenn jemand sich tatsächlich auf die Suche nach mir begeben sollte (womit ich ohnehin nicht rechne).

Am Schalter kaufe ich mir eine Fahrkarte für einen reservierten Platz und steige in den Nachtbus – die billigste Möglichkeit nach Takamatsu zu kommen. Das Ticket kostet etwas über 10 000 Yen. Niemand nimmt von mir Notiz. Keiner fragt nach meinem Alter oder schaut sich mein Gesicht an. Mit dienstlicher Miene kontrolliert der Fahrer mein Ticket, mehr nicht.
Der Bus ist nur zu etwa einem Drittel besetzt. Da die Mehrzahl der Passagiere wie ich allein unterwegs ist, herrscht im Bus eine etwas unnatürliche Stille. Die Reise nach Takamatsu ist ziemlich weit. Dem Fahrplan zufolge dauert sie ungefähr zehn Stunden. Ankunft ist in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages. Aber Zeit spielt sowieso keine Rolle für mich. Zeit habe ich jetzt, so viel ich will. Als der Bus kurz nach acht Uhr abfährt, lehne ich mich in meinen Sitz zurück und schlafe auf der Stelle ein, als habe man mir die Batterie abgeschaltet.
Vor Mitternacht beginnt es plötzlich stark zu regnen. Von Zeit zu Zeit wache ich auf und schaue zwischen den billigen Vorhängen hindurch auf die nächtliche Schnellstraße. Der heftig gegen die Scheiben prasselnde Regen lässt das Licht der Straßenlaternen verschwimmen, die sich in regelmäßiger Abfolge am Rand entlang ziehen, soweit das Auge reicht. Ein neues Licht wird eingeholt, wird im schon nächsten Augenblick zum alten Licht, um dann unwiderruflich auf der Strecke zu bleiben. Ehe ich mich versehe, ist es zwölf Uhr vorbei. Automatisch, wie von hinten angeschoben, ist mein fünfzehnter Geburtstag da.
»Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag«, sagt Krähe.
»Danke.«
Wie ein Schatten verfolgt mich die Prophezeiung. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass meine Mauer nicht eingestürzt ist, ziehe ich den Vorhang zu und schlafe weiter.
 
 
 

 

 

 

 

Die Vertreibung aus der Hölle
(Robert Menasse)

Robert Menasses Vertreibung aus der Hölle ist ein historischer Roman über das 17. Jahrhundert, ein Zeitgemälde der 60er und 70er Jahre in Österreich, eine Spurensuche jüdischer Schicksale, eine Fortschreibung des Mythos vom ewigen Juden, eine triviale Farce über eine verhinderte Jugendliebe, eine komödiantische Parabel auf die unbewältigte, nicht zu bewältigende Vergangenheit des Nationalsozialismus: Die Vertreibung der Hölle ist vieles in einem, aber auch nichts ganz. Die Kritik an Ganzheitskonzepten hat jedoch System - und bei Menasse im übrigen auch Tradition.

 

Inhalt:

Über die Kongruenz von Lebensläufen in verschiedenen Jahrhunderten

 

Viktor ist als Halbjude - väterlicherseits - in den sechziger und siebziger Jahren aufgewachsen. Seine geschiedenen Eltern verfrachten ihn schon früh in ein Internat, wo er das Martyrium der gnadenlosen Hackordnung einer reinen Jungengesellschaft kennen lernt, in der er selbst nicht gerade eine Führerfigur abgibt. Diese für den Jungen harten Jahre prägen ihn für sein Leben und lassen Groll gegenüber den Eltern zurück.

Parallel dazu entwickelt sich die Erzählung über das Leben eines anderen jungen Menschen. Der kleine Mané wächst im Portugal des frühen 17. Jahrhunderts auf, wo die Inquisition ihr Zepter schwingt. Besonders verhasst sind den Wächtern der reinen Religion die Juden, selbst wenn sie sich seit Generationen angepasst und die katholische Religion angenommen haben. Wie Jahrhunderte später in Deutschland werden die Abstammungen aller Bürger akribisch überprüft und mit geradezu hysterischem Eifer nach Spuren des Judentums gesucht. Noch während Mané mit seinen gleichaltrigen Kameraden begeistert das gnadenlose Spiel der "Judensuche" einschließlich Denunziation nach Entlarvung spielt, gehört er plötzlich selbst zu den Opfern, werden seine Eltern verhaftet und gefoltert und gehört er plötzlich zu den Aussätzigen der Gesellschaft.

Im Folgenden wechselt die Erzählung im gleichmäßigen Takt zwischen der in der Rückblende erzählten Jugend Viktors und der "Vorwärtsschilderung" von Manés Werdegang. Während sich Viktor durch die Fallstricke seiner Umgebung mit Internat, leicht senilen Großeltern, einem die Vaterpflichten nur nachlässig wahrnehmenden Vater und einer überbehütenden Mutter kämpft und verschiedene Misserfolge im schulischen wie erotischen Leben einstecken muss, erlebt Mané das Grauen der Inquisition aus der Sicht eines naiven Kindes, das die Folterinstrumente der Inquisition nicht kennt.

Während Viktor auf der Universität die Begeisterung der linken Revolution und anschließend die gnadenlose Aburteilung als "Konterrevolutionär" durch die selbst ernannten Wächter der reinen Lehre erleben muss, flieht Mané mit seinen Eltern nach Amsterdam, um dort mit viel Mühe ein neues, karges Leben als nun auch offiziell anerkannter Jude aufzubauen, ohne dass diese Religion dem katholisch aufgewachsenen Kind etwas sagt. Während die Eltern nach dem Durchstehen der schlimmsten Zeit sterben, entwickelt sich Mané zum Musterschüler der jüdischen Schule und schlägt schließlich den dornigen Weg eines jüdischen Gelehrten ein. Währenddessen löst sich Viktor von der radikalen Linken, promoviert in Neuerer Geschichte und lehrt selbst an der Universität.

Alles dies wird gewürzt durch die kleinen Erlebnisse Viktors und Hildegunds im nächtlichen Wien, das sie angeheitert im Taxi und zu Fuß durchstreifen, Viktor immer mit einer eindeutigen erotischen Absicht auf die mit einem Religionslehrer verheiratete Mutter von fünf Kindern, da er seine frühere vergebliche Liebe zu ihr immer noch nicht verwinden kann.

Je mehr sich die beiden Lebensläufe einerseits ihrem natürlichen Ende und andererseits der Erzählzeit zuneigen, desto mehr wird die Verknüpfung der beiden Protagonisten deutlich. Nicht nur ist Mané als Lehrer Spinozas das Thema eines Vortrags, den Viktor am nächsten Tag halten soll, sondern beide sind auch über ihre Herkunft direkt miteinander verwandt. Das aber lässt der Autor erst gegen Ende deutlich werden, um die Spannung zu erhöhen.

 

Robert Menasse hat in diesem Roman die Lebensläufe zweier Menschen mit jüdischem Hintergrund verschiedener Jahrhunderte mit großer erzählerischer Kraft miteinander verwoben. Menasse schafft es, in seinem Buch das jeweilige Lokalkolorit und die Befindlichkeit der handelnden Personen bis ins Detail glaubwürdig zu schildern. Sei es die desolate seelische Situation des jungen, der Nestwärme ermangelnden Viktor, seien es seine gnadenlosen und sadistischen Mitschüler, seine bereits im Trott des ewig Gleichen erstarrten Großeltern, seine leicht hysterische und flatterhafte Mutter, deren dummdreister und rassistischer Bruder oder der leichtlebige Vater: jede Person wird ohne falsches Klischee ausgeformt und wirkt in allen Eigenschaften authentisch. Man erkennt daran die hohe Beobachtungsgabe und die schriftstellerische Ehrlichkeit eines Autors, der dem Leser nicht den Gefallen einfacher Identifikationsfiguren tut sondern seine Personen als immer wieder neue Konstellationen aus verschiedenen, bisweilen überraschenden Eigenarten zusammenbaut. Sie alle sind im übertragenen Sinne gebrochene Gestalten, die es nie zu einer klaren und eindeutigen Ausrichtung bringen. Eben richtige Menschen und keine Idealfiguren.

Menasses Erzählstruktur, seine Liebe zum Detail ohne zu langweilen, seine geschichtliche Belesenheit, die nie in intellektuelles "Schaulaufen" ausartet sondern immer dem Ziel der Erzählung dient, und seine überzeugende Charakterisierung sowohl der vergangenen als auch der zeitgenössischen Personen machen die Lektüre dieses Buches zu einem Genuss. Wer etwas mehr von der Geschichte der Juden, dem Leben zu Zeiten der Inquisition wissen möchte und dabei auf einen kritischen Rückblick auf die letzten vierzig Jahre nicht verzichten will, sollte  dieses Buch unbedingt lesen.

 

Klappentext:

Was ist aus uns bloß geworden? Bei einem Klassentreffen, 25 Jahre nach dem Abitur, herrscht fröhliche Selbstzufriedenheit – bis Viktor seine ehemaligen Schulkollegen mit der Nazi-Vergangenheit ihrer Lehrer konfrontiert. Es kommt zu einem Eklat, der aus dieser Nacht eine Abenteuerreise in die Geschichte macht.

 

Rezensionen:

Die Vertreibung aus der Hölle ist ein schier endloses Formen- und Stoffspektakel ohne Zentrum und Botschaft und doch so unübersehbar voller Unglück und Gewalt, so heillos und untergründig nihilistisch, dass man sich fragt, woraus sich der Wille zur Gestaltung nährt.

Martin Luchsinger ist von dem Roman, den der Autor nach 6jähriger Pause veröffentlicht hat, völlig begeistert. Das Buch, in dem das Schicksal des Rabbis Samuel Menasse im 17. Jahrhundert mit dem Leben seines "entfernten Verwandten" Viktor Abranavel in den 60er und 70er Jahren und in der Gegenwart verknüpft wird, beeindruckt den Rezensenten durch seine "Vielschichtigkeit". Luchsinger stellt angetan fest, dass anhand der individuellen Geschichten der Hauptfiguren ganze Epochen in den Blick rücken. Dank der "detailgenauen, lebendigen" Darstellung werde das schwierige Leben des Rabbis ebenso greifbar wie die 60er und 70er Jahre, schwärmt Luchsinger. Er ist hingerissen von dem "ungewöhnlichen, höchst unterhaltsamen, aber auch unbequemen" Roman: Zweifellos sei dies das "bisher beste" Buch Menasses, erklärt er.

(Frankfurter Rundschau vom 22.12.2001)

 

 "Menasse gelingt es, eine Schlüsselepoche europäischen Judentums zur lebendigen Anschauung zu bringen."

(Neue Zürcher Zeitung vom 04.08.2001)

 

"Die Hölle erkennen wir immer erst rückblickend. Nach der Vertreibung. Solange wir in ihr schmoren, reden wir von Heimat.

Im Buch geht es aber nicht vor allem um die Abgründe, sondern eher darum, wie unernst wir uns verhalten, wenn wir in die Abgründe schauen..." (Robert Menasse)

 

In Wien feiert eine Abiturklasse die 25. Wiederkehr der Matura. Mitten in die erwartungsfrohen Gesichter der alten Lehrer hinein verliest der ehemalige Schüler Viktor in seiner anfangs launig erscheinenden Begrüßung plötzlich die NSDAP-Mitgliedsnummern der Lehrer und löst damit einen Skandal aus, der im flucht- und fluchartigen Verlassen fast aller Beteiligten des Lokals endet. Nur Viktor und seine alte Klassenkameradin Hildegund bleiben, kämpfen mit den nun überzähligen Speisen und Getränken und lassen im Gespräch ihr Leben Revue passieren. Doch Hildegund, Viktors ehemalige und nie erreichte "Flamme", hört eigentlich nur Viktors Erzählungen über sein Leben zu, in dem sie eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle spielt.
 
 

In "Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte" dem ersten Band seiner Trilogie über Liebe, Tod und Macht, beschreibt der Autor Paulo Coelho eine Woche im Leben zweier Jugendfreunde, die einander nach Jahren wiedersehen. Der charismatische Priesterseminarist und die angehende Juristin begegnen sich – nicht ganz zufällig – bei einem Vortrag in Madrid und verbringen einige Tage in einem Dorf in den Pyrenäen. Die Sehnsucht der jungen Frau, aus ihrem gesicherten Leben, in dem alles bereits vorgegeben scheint, auszubrechen, und der innere Kampf des Seminaristen, der seiner Bestimmung gemäß leben möchte, prägen ihre gemeinsame Zeit. In dieser Phase der Entscheidungsfindung werden den beiden Erkenntnisse zuteil, die ihr Leben von einem Tag zum anderen von Grund auf verändern.
 
  Dieser ungewöhnliche Roman über die Liebe ist ein weiteres Beispiel für Paulo Coelhos Grundbotschaft, die sich wie ein roter Faden durch sein Werk zieht: Seine Träume zu wagen und dem Leben zu trauen. Die Konfrontation mit den widerstreitenden Gefühlen von Vernunft und Vertrauen, Sicherheitsdenken und Loslassenkönnen rüttelt den Leser auf, das eigene Lebenskonzept in Frage zu stellen. Ein sehr spirituelles und menschliches Buch des lateinamerikanischen Erfolgsautors, ermutigend und einfühlsam. In seiner Abkehr von einem starren männlichen Gottesbild hin zu einem weiblichen, mütterlichen, erschließt sich dem Leser eine unkonventionelle Dimension des Glaubens, die aufatmen lässt. Eine interessante Facette: Der Autor lässt seine weibliche Hauptfigur in der Ich-Form sprechen, schlüpft damit also in die Rolle einer Frau und ihre Erlebniswelt. Es erstaunt, wie gut ihm dies gelingt.... Ein wirklich schönes, harmonisches Buch, fernab von jedem Zeitgeist, ein Muss für jeden Coelho-Freund.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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