Fried

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Aber solange ich atme
Wiedergekommen
Aufhebung
Dich
Aber
Ans Licht
Nur nicht
Ohne Dich
Was es ist
Nachtgedicht
Wollen
Drei Wünsche
Halten
Meine Wahl
Dich
Als ich mich nach Dir verzehrte
Durcheinander
Notwendige Fragen
Liebevolle Gedanken an Dich

Eine Art Liebesgedicht
Verantwortungslos
Ein Versuch
Zum Beispiel



Gedanken

 


 

 

 

Erich Fried



(1921-88)
deutscher Schriftsteller und Dichter

Fügungen

Es heißt
ein Dichter
ist einer
der Worte
zusammenfügt
Das stimmt nicht
Ein Dichter
ist einer
den Worte
noch halbwegs
zusammenfügen
wenn er Glück hat
Wenn er Unglück hat
reißen die Worte
ihn auseinander

 

Erich Fried wurde 1921 in Wien geboren; 1938 konnte er nach London emigrieren. 
Erich Fried ist ein Sprachakrobat, ein Könner, der die Sprache virtuos handhabt. Er bringt die feinen Unterschiede auf den Punkt und regt den Leser immer wieder zum Nachdenken an, wenn er scheinbare Unabänderlichkeiten ganz naiv in Frage stellt.
Ich bin verrückt nach Erich Fried! Seine Lyrik ist lebensnah, sie ist verständlich, prägnant, manchmal schwer verdaulich, manchmal luftig und leicht. Und die Gesammelten Werke sind wie ein Steinbruch. Für jede Gelegenheit und jede Situation ein Gedicht mit Tiefgang, eine Reihe von Wörtern, in denen man sich aufgehoben und erkannt fühlt. Seine Einsichten überraschen, seine Worte überzeugen. Man müsste Gedichte wie seine schreiben können um ihn zu beschreiben.
Die Kunst Frieds ist es, ohne Kitsch und Schmalz, sondern in ehrlicher Klarheit, den Leser anzusprechen indem er in entwaffnender Offenheit von sich selbst erzählt. Erich Fried ist wie ein Schatz und die Gesammelten Werke eine übergroße Schatzkammer mit mehr Münzen als Mensch so schnell verarbeiten könnte.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Aufhebung 
 
 
 
 
Sein Unglück
ausatmen können

tief ausatmen
so dass man wieder
einatmen kann

Und vielleicht auch sein Unglück
sagen können
in Worten
in wirklichen Worten
die zusammenhängen
und Sinn haben
und die man selbst noch
verstehen kann
und die vielleicht sogar
irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte

Und weinen können

Das wäre schon
fast wieder
Glück
 
(Fried)
 


Dich 
 
 
Dich nicht näher denken
und Dich nicht weiter denken
Dich denken wo du bist
weil Du dort wirklich bist

Dich nicht älter denken
und Dich nicht jünger denken
nicht größer nicht kleiner
nicht hitziger und nicht kälter

Dich denken und mich nach Dir
sehnen
Dich sehen wollen
und Dich lieb haben
so wie Du wirklich bist

(Fried)
 
 
 
 
 
Zuerst habe ich mich verliebt
in den Glanz Deiner Augen
in Dein Lachen
in Deine Lebensfreude

Jetzt liebe ich auch Dein Weinen
und Deine Lebensangst
und die Hilflosigkeit
in Deinen Augen

Aber gegen die Angst
will ich Dir helfen
denn meine Lebensfreude
ist noch immer der Glanz Deiner Augen

(Fried)

 

  
 
Sag Deiner Seele,
sie soll ihr
schönstes Kleid tragen
heute Abend.
Sag ihr,
es ist so weit:
Die Sterne haben ihren Segen gegeben.
Was nun geschieht,
führt näher ans Licht.
 
(Fried)
 



 

Das Leben
wäre
vielleicht einfacher
wenn ich Dich
gar nicht getroffen hätte
 
Weniger Trauer
jedes Mal
wenn wir uns trennen müssen
weniger Angst
vor der nächsten
und  übernächsten Trennung
 
Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht
wenn Du nicht da bist
die nur das Unmögliche will 

und das sofort
im nächsten Augenblick
und die dann
weil es nicht sein kann
betroffen ist
und schwer atmet

 
Das Leben
wäre vielleicht
einfacher
wenn ich Dich
nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht
mein Leben
 
(Fried) 
 

 
 
Nicht nichts
ohne Dich
aber nicht dasselbe


Nicht nichts
ohne Dich
aber vielleicht weniger


Nicht nichts
aber weniger
und weniger

Vielleicht nicht nichts
ohne Dich
aber nicht viel mehr
(Fried)
 
 
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
(Fried) 
 
 
Dich bedecken
nicht mit Küssen
nur einfach
mit Deiner Decke
 (die Dir von der Schulter geglitten ist)

dass Du
im Schlaf nicht frierst

Später
wenn Du
erwacht bist
das Fenster zumachen
und Dich umarmen
und Dich bedecken
mit Küssen
und Dich
entdecken
 

(Fried)

 
 
 
 
 
Bei Dir sein wollen
Mitten aus dem was man tut
weg sein wollen
bei Dir verschwunden sein

Nichts als bei Dir
näher als Hand an Hand
enger als Mund an Mund
bei Dir sein wollen

In Dir zärtlich zu Dir sein
Dich küssen von außen
und Dich streicheln von innen
so und so und auch anders

Und Dich einatmen wollen
immer nur einatmen wollen
tiefer tiefer 

und ohne Ausatmen trinken


Aber zwischendurch Abstand suchen
um Dich sehen zu können
aus ein zwei Handbreit Entfernung
und dann Dich weiterküssen
 
 
(Fried)
 
 
 
 
 
 
 
Ich wollte manchmal
ich wäre so erfahren wie ich alt bin,
oder auch nur
so klug wie ich erfahren bin
oder wenigstens
so glücklich wie ich klug bin
aber ich glaube
ich bin zu dumm dazu.
 
(Fried)
 
 
 
 
 
Halten

Halten
das heißt
Nicht weiter - nicht näher - nicht einen Schritt
oder heißt Schritthalten
ein Versprechen - mein Wort
oder Rückschau

Halten
Dich
mich zurück - den Atem an - mich an Dich
Dich fest
aber nicht
Dir etwas vorenthalten 
Halten
Dich in den Armen
in Gedanken - im Traum - im Wachen
Dich hochhalten
gegen das Dunkel
des Abends - der Zeit - der Angst 

Halten
Dein Haar mit zwei Fingern
Deine Schultern - Dein Knie - Deinen Fuß
Sonst nichts mehr halten
keinen Trumpf - keine Reden
keinen Stecken und Stab und keine Münze im Mund
 
 
(Fried)
 

 
 
 
 
 
 
Gesetzt ich verliere Dich
und habe dann zu entscheiden

ob ich Dich noch ein Mal sehe
und ich weiß:


Das nächste Mal
bringst Du mir zehnmal mehr
Unglück
und zehnmal weniger Glück
Was würde ich wählen?


Ich wäre sinnlos vor Glück
Dich wiederzusehen
 

(Fried)

 

 
 
 
 
 
 
 
Dich
Dich sein lassen

ganz Dich

Sehen
dass Du nur Du bist
Wenn Du alles bist
was Du bist
Das Zarte
und das Wilde
Das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will
 
Wer nur die Hälfte liebt
der liebt Dich nicht halb
sondern gar nicht
Der will Dich zurechtschneiden
amputieren
verstümmeln
 
Dich Dich sein lassen
Ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt nicht darauf an, mit wieviel
Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem –
nach allem
was Du bist
 
Nach der Wärme
und nach der Kälte
Nach der Güte
und nach dem Starrsinn
Nach Deinem Willen
und Unwillen
Nach jeder Deiner Gebärden
nach Deiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit
Stetigkeit
 
Dann
ist dieses
Dich Dich sein lassen
vielleicht
gar nicht so schwer
 
(Fried)
 
 
 
 
 
 
 
 
Ich liege
auf dem Rücken
und mir zugleich
am Herzen
im Magen
und mit mir selbst in den Haaren
Ich muss mich also
zuerst
gefressen haben
mit Herz und Haaren
um jetzt
im Magen liegen zu können
Tatsächlich fand ich
unter meinen Nachrufen einen
in dem es heißt:
"Er verzehrte sich
angesichts
unserer Welt"
Daraus erhellt
dass unsere Welt
dabei war
und als Augenzeugin
die Verzehrung
bestätigen kann
Nun wüßte ich gerne
wessen Inhalt
mein Magen  j e t z t ist
wenn  i c h
dessen Inhalt er war
jetzt  s e i n  Inhalt bin
2
Wenn ich mich
n a c h  Dir
verzehre
heißt das
ich habe zuerst
als Hauptgericht
D i c h  verzehrt
und  m i c h  dann
als Nachtisch
oder warst  D u
die Suppe
und  i c h
bin das Fleisch?
 
(Fried)
 
 
 
 
 
 
 
 
Sich lieben
in einer Zeit
in der Menschen einander töten
mit immer besseren Waffen
und einander verhungern lassen
Und wissen
dass man wenig dagegen tun kann
und versuchen
nicht stumpf zu werden
Und doch
sich lieben
Sich lieben
und einander verhungern lassen
Sich lieben und wissen
dass man wenig dagegen tun kann
Sich lieben
und versuchen nicht stumpf zu werden
Sich lieben
und mit der Zeit
einander töten
Und doch sich lieben
mit immer besseren Waffen
 
 
(Fried)
 
 
 
 
 
 
 
 
Das Gewicht 
der Angst
Die Länge und Breite
der Liebe
Die Farbe 
der Sehnsucht
im Schatten
und in der Sonne

Wieviel Steine
geschluckt werden müssen
als Strafe
für Glück
und wie tief
man graben muß
bis der Acker
Milch gibt und Honig
  
(Fried)
 
 
  
 
 
 
 
In Deinen Armen liegen
und wissen,
nicht bleiben zu können.
In Deinen Augen versinken
und wissen,
wieder auftauchen zu müssen.
In Deiner Nähe ertrinken
und wissen,
doch nicht daran zu sterben.
Sich Dir öffnen können
und wissen,
nicht ausgeraubt zu werden.
Das mag wohl Liebe sein.
 
(Erich Fried)
 
 
 
 
 
Wenn es Sinn hätte
zu leben
hätte es Sinn
zu leben

Wenn es Sinn hätte
noch zu hoffen
hätte es Sinn
noch zu hoffen

Wenn es Sinn hätte
sterben zu wollen hätte es Sinn
sterben zu wollen

Fast alles hätte Sinn
wenn es Sinn hätte
 
(Erich Fried)
 
 
 
 
Dass dieses kluge Kind
vielleicht
ein Kind von mir kriegt?
ich sollte
mir Sorgen machen ich weiß
und ich mache sie mir
auch wirklich
nach Kräften

Nur werden
im Augenblick
meine besten Kräfte
leichthin verbraucht
von meiner
verantwortungslosen
ganz unvernünftigen Freude
über das Kind
 
(Erich Fried)
 
 
 
 
 
 
 
Ich habe versucht
zu versuchen
während ich arbeiten muss
an meine Arbeit zu denken
und nicht an Dich
Und ich bin glücklich
dass der Versuch
nicht geglückt ist
 
(Erich Fried)
 
 
 
 
 
 
 
 
Manches
kann lächerlich sein
zum Beispiel
mein Telefon
zu küssen wenn ich
deine Stimme
in ihm gehört habe
Noch lächerlicher
und trauriger
wäre es
mein Telefon
nicht zu küssen
wenn ich nicht dich
küssen kann
 
(Erich Fried)
 
 
 
 
   
Aber solange ich atme

Auch was
auf der Hand liegt
muss ich
aus der Hand zu geben
bereit sein

und muss wissen
wenn ich liebe
dass es wirklich
die Liebe zu dir ist
und nicht nur
die Liebe zur Liebe zu dir
und dass ich nicht
eigentlich
etwas Uneigentliches will

Aber
solange ich atme
will ich
wenn ich den Atem
anhalte
deinen Atem
noch spüren
in mir


(Erich Fried)
 
 
Wiedergekommen 

Du bist wiedergekommen
Du
bist wieder
gekommen

Du
du bist
du bist wieder
Ich bin wieder
weil du bist

Du bist gekommen
du
wieder
und immer wieder
wieder du

Du
du
du und ich
immer wieder
und wieder

(Erich Fried)
 
 
 
 Gedanken
(Erich Fried)
 
 
"Erinnern, das ist vielleicht die qualvollste Art des Vergessens und vielleicht die freundlichste Art der Linderung dieser Qual!"
 
"Nicht sich verstecken vor den Dingen der Zeit in die Liebe. Aber auch nicht vor der Liebe in die Dinge der Zeit."
  
"Es heißt: Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen. Aber kann nicht ein ungebrochenes Versprechen ein ungesprochenes Verbrechen sein?"
 
"Glaubst Du Du bist noch zu klein um große Fragen zu stellen? Dann kriegen die Grossen Dich noch klein bevor Du groß genug bist... "
 
"Die Jungen werfen zum Spaß mit Steinen nach Fröschen. Die Frösche sterben im Ernst."
  
"Wer von einem Gedicht keine Rettung erwartet der sollte lieber lernen Gedichte zu lesen."
 
"Ich wollte manchmal ich wäre so erfahren, wie ich alt bin oder auch nur so klug, wie ich erfahren bin oder wenigstens so glücklich, wie ich klug bin aber ich glaube ich bin zu dumm dazu."
  
"Was keiner geglaubt haben wird was keiner gewusst haben konnte was keiner geahnt haben durfte das wird dann wieder das gewesen sein was keiner gewollt haben wollte."
 
"Gestern fing ich an Sprechen zu lernen Heute lerne ich Schweigen Morgen höre ich zu lernen auf."
  
"Zweifle nicht an dem der Dir sagt er hat Angst aber hab Angst vor dem der Dir sagt er kenne keine Zweifel."
  
"Zu den Steinen hat einer gesagt: 'Seid menschlich.' Die Steine haben gesagt: 'Wir sind noch nicht hart genug.'"
  
"Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht."
 
"Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt."
 
 
 
 
 

 

 



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